Open Source im professionellen Einsatz
Linux-Magazin 01/2017

Werkzeuge im Kurztest

Tooltipps

Iperf 2.0.9, Dategrep 0.58, Knowit 0.1.4, Borg Backup 1.0.8, Collect SSL Info 1.0.0, Vnchart 1.1

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Iperf 2.0.9

Datendurchsatz im Netzwerk testen

Quelle: https://sourceforge.net/projects/iperf2

Lizenz: BSD

Alternativen: Netcat, Iperf 3

Iperf überprüft die Bandbreite zwischen zwei Rechnern im Netzwerk. Das Kommandozeilentool bietet einen Server- und einen Clientmodus. In der Voreinstellung lauscht der Server auf allen Schnittstellen an Port 5001 auf eingehende TCP-Verbindungen. Benutzer dürfen über »--port« und »--bind« aber Port und Interface festlegen. Wer UDP-Verbindungen testen will, definiert dies über »--udp« .

Auf dem Client startet »-c Server-IP« den Test. Über »-t« geben Benutzer vor, wie lange er laufen soll; »-n« bestimmt die Anzahl der Datenpakete. Wer die Gegenseite unter Stress setzen möchte, startet per »--parallel« mehrere Threads. Seine Ergebnisse schreibt das Tool auf die Standardausgabe. Über »-y« ist das Speichern im CSV-Format möglich.

Diese Release behebt einige Fehler der nicht länger betreuten Codebasis 2.0.5 und ist vor allem für Benutzer interessant, die noch nicht zu Version 3 gewechselt sind. Iperf 2 beherrscht im Gegensatz zum Nachfolger noch Multithreading. Laut Projektseite kann Iperf auf allen gängigen Betriebssystem kompiliert werden. Im Google Play Store gibt es eine Android-App.

Iperf ist ein leistungsfähiges Tool zum Überprüfen der Bandbreite. Die beigelegte Manpage listet sämtliche Testoptionen sowie Anwendungsbeispiele auf.

Dategrep 0.58

Zeitintervalle für Grep definieren

Quelle: https://github.com/mdom/dategrep

Lizenz: GPLv2

Alternativen: Grep

Admins, die nach Logfile-Einträgen aus einem bestimmten Zeitraum fahnden, kombinieren »grep« mit regulären Ausdrücken. Schneller geht's mit Dategrep: Das Perl-Skript fahndet nach Zeilen, die in einen bestimmten Zeitraum fallen. Zum Parsen komprimierter Dateien setzt es auf »zcat« und »bzcat« .

Beim Aufruf geben Anwender neben dem Kommando und der Protokolldatei deren Format an. Das Tool unterstützt in der Voreinstellung »--format rsyslog« und »--format apache« . Für Logfiles, die andere Zeitstempel verwenden, definieren Benutzer hinter »--format« eigene. Dategrep setzt dazu auf die Printf-Datumsformate. Admins definieren außerdem einen Zeitraum und verwenden dazu »--start« und »--end« , jeweils zusammen mit einer Uhrzeit. Eine praktische Abkürzung bietet »--last-minutes n« .

Wer das Format nicht jedes Mal von Hand eingeben möchte, trägt seine Präferenzen in der Umgebungsvariablen »DATEGREP_DEFAULT_FORMAT« oder in der Datei »~/.dategreprc« ein. Eine Anleitung und Beispiele dazu liefern die Github-Seite und die Manpage.

Komplizierte Regex-Konstrukte gehören dank Dategrep der Vergangenheit an. Das Tool erweist sich als zuverlässiger Helfer beim Suchen nach Ereignissen in festgelegten Zeiträumen.

Knowit 0.1.4

Informationen aus Mediendateien auslesen

Quelle: https://github.com/ratoaq2/knowit

Lizenz: MIT

Alternativen: Ffmepg

Konferenzvideos, Filme aus Mediatheken oder Online-Videoportalen – bei den meisten Anwendern liegen etliche Mediendateien auf der Festplatte. Wer deren Metadaten extrahieren möchte, braucht ein Tool wie Knowit. Das Python-Skript analysiert Dateien gängiger Multimediaformate und gibt die Informationen im Json-Format aus. Im Hintergrund setzt es unter anderem auf die Media-Info-Bibliothek und unterstützt alle dort gelisteten Formate.

Hinter dem Befehl »knowit« geben Benutzer eine oder mehrere Dateien an. Knowit erzeugt für jedes File einen eigenen Json-Block mit den Metadaten. Am Anfang steht jeweils der Name. Es folgen Informationen zum Titel und zur Laufzeit. Das Tool gibt außerdem Auskunft über Bildgröße und -auflösung, zur Framerate und zum Codec. Im Bereich Audio finden Anwender mehr zur Kompression und zur Sample-Rate heraus.

Im Raw-Modus zeigt Knowit auch Kommentare und Texte an. Da die Ausgabe im Json-Format vorliegt, können Benutzer sie gut in eigenen Skripten weiterverarbeiten und so mit wenigen Zeilen Code eine ganze Videosammlung in eine SQL-Datenbank überführen.

Knowit ist ein recht nützliches Tool zum Auslesen von Metadaten aus Multimedia-Dateien. Da es nur wenige Parameter bietet, ist das Fehlen einer Manpage zu verschmerzen. 

Platzsparendes und schnelles Archivieren von Daten, das verspricht Borg Backup. Alle Sicherungskopien hinterlegt die Python-Software in Repositories auf lokalen oder entfernten Rechnern oder Medien. Das Kommandozeilentool beherrscht Deduplikation und zerlegt die Daten in Blöcke, so genannte Chunks. Diese vergleicht es mit denen im Repository und speichert immer nur solche, die noch nicht vorhanden sind. Pluspunkt: Die Deduplikation ist nicht auf Dateien beschränkt, so profitieren auch Anwender von dem Feature, die Backups von VM-Abbildern oder ganzen Laufwerken erzeugen wollen.

Borg Backup 1.0.8

Datensicherung mit Deduplikation

Quelle: https://borgbackup.readthedocs.io

Lizenz: BSD

Alternativen: Duplicity, Attic

Um die Datenmenge zu reduzieren, können Benutzer ihre Backups komprimieren (LZ4, Zlib, LZMA). Vor unbefugten Zugriffen schützt Borg die Sicherungen mit AES-Verschlüsselung (256 Bit), und zum Arbeiten auf entfernten Rechnern oder Medien beherrscht das Tool das SSH-Protokoll. Um eine neue Sicherung zu erzeugen, initialisieren Anwender zuerst das Backup-Repository, danach erzeugen sie die erste Sicherung. Zum Wiederherstellen von Daten können Nutzer ein Repository oder ein einzelnes Backuparchiv daraus via Fuse lesend ins Dateisystem einhängen.

Wer den Parameter »--stats« an den Befehl »borg create« anhängt, erhält nach dem Backup eine Zusammenfassung. Borg nennt Anzahl und Größe der gesicherten Dateien und den Platzverbrauch des Archivs nach dem Komprimieren sowie nach dem Deduplizieren.

Borg hält, was es verspricht, arbeitet schnell und spart Platz sowie Zeit beim Erstellen von Backups. Als Kommandozeilentool ist es zudem ein guter Partner in eigenen Skripten

Unter anderem dank Diensten wie Let's Encrypt hat die Anzahl der verschlüsselten Webangebote in den letzten Monaten deutlich zugenommen. Wer das SSL/TLS-Zertifikat eines Webservers unter die Lupe nehmen möchte, kann mehrere »openssl« -Kommandos absetzen – oder zu diesem kleinen AWK-Skript greifen, das neben »openssl« im Hintergrund auf »gawk« setzt.

Beim Aufruf auf der Shell geben Anwender die URL und hinter einem Doppelpunkt den Port an, auf dem der Server verschlüsselte Verbindungen erwartet. Seine Ausgaben schreibt das Tool direkt auf die Standardausgabe. Es zeigt unter anderem die Verwaltungsdaten (Land, Bundesstaat, Organisation) an. Dazu kommen die Gültigkeitsdauer, die Schlüssellänge, der Signatur-Algorithmus und mehrere Fingerprints. Collect SSL Info fügt ganz am Ende das Ergebnis des SSL-Handshake zwischen den Systemen an.

Collect SSL Info 1.0.0

SSL/TLS-Zertifikate untersuchen

Quelle: https://sourceforge.net/projects/collect-ssl-info

Lizenz: GPLv3

Alternativen: Open SSL

Wenn Benutzer zusätzlich »-p« anhängen, prüft das Tool außerdem, welche Verschlüsselungsverfahren der Webserver anbietet. Admins können damit feststellen, ob ihr Server potenziell unsichere Verfahren anpreist. Über »-showcerts« erhalten Anwender Informationen über die Kette der Zertifikate und mittels »-state« prüfen sie den Protokollstatus. »-h« blendet eine knappe Onlinehilfe ein. Eine Manpage oder ein Wiki mit Beispielen sucht man vergebens.

Das AWK-Skript testet zuverlässig die SSL/TLS-Zertifikate von Webservern und erspart Admins jede Menge Tipparbeit. Abzüge gibt es wegen der spärlichen Dokumentation.

Vnchart 1.1

Vnstat-Daten grafisch aufbereiten

Quelle: https://github.com/invkrh/vnchart

Lizenz: MIT

Alternativen: Vnstat PHP, Vnstat SVG

Viele Admins setzen auf Vnstat, um den Datenverkehr im Netzwerk zu protokollieren. Das Tool sammelt alle Informationen in eigenen Datenbanken und zeigt wahlweise Tages-, Wochen-, Monats- oder Jahresstatistiken auf der Konsole an. Das Python-Skript Vnchart liest die von Vnstat ermittelten Daten ein, bereitet sie grafisch auf und stellt sie übersichtlich im Webbrowser dar.

Vnchart setzt auf dem Flask-Webframework auf und bringt seinen eigenen kleinen Webserver mit. Gegebenenfalls müssen Anwender die installierte Flask-Version mittels »pip install --upgrade flask« aktualisieren. Weiterhin ist eine aktuelle Vnstat-Version erforderlich. Sind alle Abhängigkeiten erfüllt, ist das Python-Tool nach dem Entpacken sofort einsatzbereit. Anwender starten es über das mitgelieferte Skript »start.sh« .

Um die von Vnstat gesammelten Daten aufzubereiten, benötigt Vnchart diese im Json-Format und ruft dazu den externen Helfer mit dem Parameter »--json« auf. Die Darstellung entspricht der textbasierten Ausgabe von Vnstat: Die Graphen im Webbrowser zeigen den Datendurchsatz der letzten 24 Stunden, der letzten 30 Tage und des Vormonats an. Jede Schnittstelle erhält eine andere Farbe. Anklicken einer Farbfläche in der Legende blendet das Interface temporär aus.

Vnchart eignet sich vor allem für kleine Umgebungen im geschützten Raum. Da das Tool keine Zugangskontrolle besitzt, ist es nur für lokalen Einsatz zu empfehlen. Findige Admins schalten einen Reverse-Proxy vor, der für eine SSL-Verschlüsselung und eine Authentisierung sorgt.

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