Open Source im professionellen Einsatz
Linux-Magazin 01/2017

Aus dem Alltag eines Sysadmin: Sparkfun

Dicke Luft?

Ob ein Nachbar das falsche Holz verbrennt oder ob bloß ein paar VWs vorbeifahren – bei Sysadmin-Kolumnist Charly registriert das ein Sensor. Die blitzsaubere Präsentation der angestaubten Messhistorie erledigt der eigne Webserver oder ein darauf spezialisierter Dienst.

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Ich habe im Smog-erfahrenen China einen Feinstaubsensor geordert (Abbildung 1), ihn an einen Raspberry Pi angeschlossen und erfahre seither minutengenau, wenn ein Nachbar seinen Kamin anfeuert und ob das abfackelnde Holz gut abgelagert war. Die Feinstaub-Messwerte, die ich einmal pro Minute bekomme, lasse ich mit Rrdtool zu anschaulichen Graphen verarbeiten und lade sie auf meinen Webserver hoch [1].

Den Server könnte ich mir sogar sparen, denn es gibt eine Reihe von Diensten, die das Speichern und Visualisieren der Messdaten für mich erledigen. Auf einem davon, Sparkfun, kann ich meine Daten besonders einfach ablegen, nämlich mit einem HTTP-Aufruf.

Zuvor muss ich mein Projekt anmelden: Auf der nur englischsprachigen Seite https://data.sparkfun.com klicke ich auf »Create« . Im sich öffnenden Formular trage ich einen Titel, eine kurze Beschreibung und, das ist das Wichtigste, die Namen für die Datenfelder ein, die ich füllen möchte. Bei mir heißen sie »PM10« und »PM2.5« für die Anzahl von Staubpartikeln unter 10 sowie unter 2,5 Mikrometern Durchmesser. Das PM steht für Particulate Matter, den englischen Begriff für Feinstaub. Zum Schluss gebe ich ein Web-Alias an, unter dem ich später meine gesammelten Werte-Werke einsehen will.

Abbildung 1: Das ist der Feinstaubsensor aus Fernost, den Charly an seinen Raspi angeschlossen hat.

Schlüsseldienst rufen

Wenn ich das Formular abschicke, erhalten ich einen öffentlichen und einen privaten Schlüssel, die beide aus zufälligen Zeichenketten bestehen. Ich benötige sie, um Daten zu Sparkfun zu übertragen. Das wiederum gelingt durch einen HTTP-Aufruf, der sich gut automatisieren lässt:

wget "http://data.sparkfun.com/input/RM736ga3vxHqMZ1qnMn2?private_key=lzaG5qwG9EIVdGRvxvx&pm10=$PPM10&pm25=$PPM25"

Die Zeile baue ich in das kleine Skript ein, das einmal pro Minute die Feinstaubwerte aus dem Sensor ausliest. Ich lasse eine Viertelstunde vergehen und rufe dann meine Sparkfun-URL auf. Mich erwarten zwei ordentliche Zahlenreihen – die Übertragung hat funktioniert.

Um jetzt die Visualisierung zu starten, klicke ich in der oberen rechten Ecke auf die Schaltfläche »Export to Analog.io« . Auf der folgende Seite klicke ich die Werte an, die ich anzeigen will – »pm10« und »pm25« – und zuletzt auf »Load All« in der oberen rechten Ecke. Nach einer Gedenksekunde erscheint die Grafik in Abbildung 2.

Wenn ich mit der Maus über die Grafik fahre, kann ich mir einzelne interessante Datenpunkte herauspicken. Die untere, kleinere Grafik dient zum Zoomen. Alles in allem bildet die Methode eine gute Alternative für Leute, denen ab und zu den Atem stockt und die sich trotzdem keinen eigenen Webserver ans Bein binden können oder wollen.

Abbildung 2: Der kostenlose Webdienst Sparkfun visualisiert ihm übergebene Messwerte.

Infos

  1. Charlys "Feinstaub"-Seite: http://kuehnast.com/fs/

Der Autor

Charly Kühnast administriert Unix-Systeme im Rechenzentrum Niederrhein. Zu seinen Aufgaben gehören Sicherheit und Verfügbarkeit der Firewalls und der DMZ.

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