Open Source im professionellen Einsatz
Linux-Magazin 01/2017
© Sylvain Robin, 123RF

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Trafficanalyse-Tools für Webseiten

Daten zum Frühstück

Wer mit den Daten über die Besucher seiner Webseite nicht den Platzhirsch Google Analytics füttern möchte, dem stehen ein paar freie Alternativen zur Auswahl. Dazu gehören unter anderem Piwik, Open Web Analytics und E-Analytics, von denen die aktuelle Bitparade eine Kostprobe nimmt.

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Wer sich in den frühen Jahren des Internets über die Besucher seiner Webseite informieren wollte, musste mühsam die Logs der Webserver auslesen. Vor 20 Jahren erschienen die ersten Anwendungen zur Logdatei-Analyse. Aus dieser Zeit stammen Analog [1], Webalizer [2] und AW-Stats [3], die vereinzelt noch heute im Einsatz sind (siehe Kasten "Simple Webanalyse-Werkzeuge"). Im Jahr 2005 bot Google mit Google Analytics (GA, [4]) einen Webseiten-Analyse-Service an, der sich noch heute großer Beliebtheit erfreut (Abbildung 1). Open-Source-Tools wie Piwik [5] griffen den Trend zur grafischen Webanalyse auf, verlegten ihn aber auf den Server der Kunden.

Abbildung 1: Google Analytics ist das Vorbild für diverse Analyse-Tools, unter anderem für Piwik.

Mit Hilfe einer Webanalyse sammeln Seitenbetreiber Daten über das Surfverhalten ihrer Besucher und werten sie aus. Die Zugriffsdaten interessieren nicht nur aus Betriebsgründen, die Unternehmen hinter den Seiten wollen häufig ihre Kunden und deren Interessen besser verstehen. Dabei gilt: Je genauer ein Betreiber seine Besucher und deren Vorlieben kennt, desto besser optimiert er das Angebot auf die Zielgruppe.

Wissenswertes

Seitenbetreiber interessiert zum Beispiel oft, woher die Besucher kommen, wonach sie suchen, welche Elemente sie anklicken oder wie lange sie auf der Seite verharren. Wissenswert kann auch sein, wann sie die Seite verlassen. Admins wollen wissen, mit welchen Browsern und Betriebssystemen Besucher auf die Seite zugreifen, welche Dateien und Dokumente sie mit welcher Bandbreite herunterladen und wie viele Besucher Newsletter oder RSS-Feeds abonnieren.

Simple Webanalyse-Werkzeuge

Vielen Systemadministratoren genügen schon die einfacheren, aber Ressourcen-schonenden Log-Auswertungen der Statistiktools.

Zu den ältesten Open-Source-Werkzeugen gehören das seit 1995 entwickelte Analog [1] und das 1997 erstmals veröffentlichte Webalizer [2]. Beide Anwendungen erhalten auch heute noch alle Jahre wieder Aktualisierungen. Die Tools werten mehrmals täglich die Logs aus, wenn der Admin oder ein Cronjob sie starten. Auch AW-Stats [3] gehört zu den simplen Analyseprogrammen. Es erzeugt seit dem Jahr 2000 Statistiken über Bewegungen auf Webseiten und befindet sich noch immer in der Entwicklung. Das vollständig in Perl umgesetzte Skript bedient sich der Logdatei-Analyse auf Web-, Mail- und FTP-Servern, um seine als HTML-Seiten ausgelegten Berichte zu erzeugen. Einfache Balkendiagramme werten die Ergebnisse grafisch auf.

Mit Go Access (Abbildung 2, [6]) lässt sich der Admin hingegen Analysen in Echtzeit in einem Terminal oder im Browser ausgeben und kontinuierlich fortschreiben. Go Access kommt mit fast allen Log-Formaten, die Apache, Nginx, Amazon S3, Elastic Load Balancing, Cloudfront und andere verwenden, zurecht.

Abbildung 2: Go-Access-Demo-Anwendung im Browser.

Webshop-Betreiber interessiert, wie viele Besucher Waren in den Warenkorb legen, um diese anschließend zu kaufen – oder auch nicht. Schaltet eine Webseite Werbung für Dritte, ist eine Webanalyse unabdingbar, da die Zugriffszahlen und ähnliche Faktoren die Preise für die Werbetreibenden bestimmen.

Offener Zugriff

Der Markt bietet viele unterschiedliche Webanalyse-Werkzeuge an. Dazu gehören rund 150 kommerzielle, meist proprietäre Anwendungen, die auf die Webpräsenzen größerer Unternehmen abzielen. Zudem gibt es einige kostenlose und teils auch quelloffene Tools. Die Bitparade schaut den Statistikern Piwik [5], Open Web Analytics [7] und E-Analytics [8] bei der Arbeit zu.

Tabelle 1

Drei Webstatistik-Tools im Überblick

 

Piwik

Open Web Analytics (OWA)

E-Analytics

Plattformen

Crossplattform

Crossplattform

Debian/Ubuntu

Lizenz

GPLv3 und andere

GPLv2

AGPLv3

Entwickelt seit

2009

2009

2011

Sprache

PHP

PHP

Java und andere

Methoden

Javascript-Tags, Log-Analyse, Zählpixel

Javascript-Tags, Log-Analyse, Zählpixel

E-Analytics-Tag, Zählpixel

Funktionen

Besucher (Visitors, Unique Visitors), Betriebssystem, Browserversion, Downloads, IP-Adresse (pseudonymisierbar), Geo-Lokalisierung nach Stadt, Page Impressions, Referrer, Plugins

Besucher (Visitors, Unique Visitors), Betriebssystem, Browserversion, Downloads, IP-Adresse, Geo-Lokalisierung nach Land, Page Impressions, Referrer, Heatmaps

Besucher (Visitors, Unique Visitors), Betriebssystem, Browserversion, Downloads, IP-Adresse (pseudonymisierbar, abschaltbar), Geo-Lokalisierung nach Stadt, Page Impressions, Referrer, Plugins

Technisch gesehen bereiten die Webanalyse-Werkzeuge entweder Webserver-Protokolldateien oder spezielle, im HTML von Webseiten integrierte Tags so auf, dass der Admin über Statistiken und Grafiken schnellen Überblick und Zugriff auf alle nötigen Kennzahlen erhält. Während aber die Server-basierte Methode die Logdateien des Webservers auswertet, baut der Entwickler bei der Client-basierten Variante so genannte Zählpixel in den Quellcode der Webseite ein, um die Kennzahlen zu ermitteln.

Dabei bildet keine der beiden Methoden den tatsächlichen Datenverkehr einer Website wahrheitsgetreu ab. Derzeit hat, geht es um Genauigkeit, das Client-basierte System der Zählpixel, kombiniert mit dem umstrittenen Einsatz von Cookies die Nase vorn.

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