Open Source im professionellen Einsatz
Linux-Magazin 12/2016
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Open QRM als und in einer Public Cloud

Wer auf den hybriden Betrieb verzichtet, kann Open QRM auch als rein virtuelle Applikation in einer öffentlichen Cloud betreiben. Im Rahmen von Amazons EC2 steht dafür im Amazon-Marketplace sogar ein fertiges Image bereit, das auf Knopfdruck eine Open-QRM-Kontrollinstanz ausrollt (Abbildung 5). In solch einem Setup betreibt das Unternehmen eine private Cloud in Amazon, ohne dafür auch nur ein einziges Stück Hardware selbst angeschafft zu haben.

Abbildung 5: Open QRM steht seit einigen Wochen auch direkt in Amazons Cloud als EC2-Abbild im EC2-Warehous zur Verfügung.

Der Hersteller weist in der Beschreibung allerdings darauf hin, dass sich das Schema besonders für "Forschung, Entwicklung sowie Q&A" eignet. Warum man seinen produktiven Workload nicht genauso in EC2 betreiben soll – darauf bleibt Open QRM Enterprise die Antwort aber schuldig.

Bereits mehrfach hat dieser Artikel hervorgehoben, dass Open QRM sich als Public-Cloud-Lösung mit eingebautem Management-GUI nutzen lässt. Das ergibt sich quasi aus der Kombination der verschiedenen Funktionen vom Deployment auf Blech oder in VMs bis hin zur feingranulierten Nutzerverwaltung. Passend zum Prinzip bietet Open QRM gar ein eigenes Abrechnungswerkzeug: Auf Basis einer eigenen Cloudwährung (CCU, Cloud Computing Unit) lassen sich angelegten Nutzern Quotas zuweisen. Die Verrechnung erfolgt automatisch über das Open-QRM-GUI.

Auf Wunsch steht mittlerweile sogar eine direkte Anbindung von Open QRM an verschiedene E-Commerce-Systeme zur Verfügung. Hier wirft der Kunde auf der einen Seite Geld ein, das Open QRM dann im Hintergrund in CCUs konvertiert. Echtes Self Servicing wird damit möglich, denn das Anlegen neuer Accounts in Open QRM lässt sich so komplett automatisieren. Vom ersten Kontakt mit dem Benutzer über den Webshop bis hin zur ersten lauffähigen VM ist keine menschliche Interaktion mehr notwendig.

Monitoring ist eine unverzichtbare Funktion – das gilt im Hinblick sowohl auf virtuelle Systeme als auch auf die physischen Systeme, die jene virtuellen Systeme betreiben. Bei Open QRM kümmert sich – natürlich – ein Plugin um die Einbindung eines funktionierenden Monitoring. Dieses lässt dem Admin die Wahl zwischen Nagios und Zabbix; Metrikdaten lassen sich zudem per Collectd sammeln. Sobald eines der Monitoring-Plugins aktiv ist, steht im Webinterface von Open QRM eine entsprechende Konfigurationsoption dafür parat. Die ist allerdings in den meisten Fällen gar nicht nötig, denn neue physische oder virtuelle Systeme lassen sich nach einmal angelegter Konfiguration auch automatisch überwachen.

Windows' Liebling

Während Unterstützung für Linux in sämtlichen Varianten bei praktisch allen Virtualisierungslösungen zum Lieferumfang gehört, ist die Situation beim Betriebssystem aus Redmond oft nicht ganz so rosig. Open QRM stellt sich hier vorbildlich an: Mit dem Windows-Plugin lässt sich Windows gleich auf mehrere Arten in Open QRM integrieren.

Das Hauptanliegen der Entwickler ist es offensichtlich, Windows als Gastsystem zu unterstützen. Ein eigener Agent, den Open QRM ebenfalls selbst liefert, läuft dazu auf den Windows-Systemen als Daemon und führt Konfigurationsbefehle aus. Mit dem Sysprep-Tool lässt sich aus einem laufenden Windows heraus auch ein Abbild erstellen, das sich in Open QRM anschließend ablegen und für andere VMs recyclen lässt. Hier geht Open QRM mit gutem Beispiel voran.

Ebenso gut steht es in Sachen Hyper-V: Per eigenem Plugin gelingt es, Windows-Systeme mit Hyper-V in Open QRM einzubinden. Auf der Website von Open QRM findet sich dazu auch eine Anleitung – die ist aber schon etwas betagt und bezieht sich noch auf Windows Server 2008. Laut Hersteller gilt der dort beschriebene Arbeitsablauf aber ohnehin nicht mehr, denn die Probleme, die der Admin mit der Beschreibung behebt, gibt es mittlerweile auch nicht mehr.

Windows Server 2012 lässt sich mit Open QRM problemlos auch als Hypervisor nutzen. In den meisten Fällen dürfte Hyper-V-Support zwar für Windows ohnehin keine Rolle spielen. Denn dank passender Treiber lässt sich ein Windows-Gast etwa in einem KVM-Host meist problemlos betreiben. Wer allerdings – etwa aus lizenzrechtlichen Gründen – auf Windows als Hypervisor angewiesen ist, hat diese Option bei Open QRM ebenso.

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