Open Source im professionellen Einsatz
Linux-Magazin 12/2016

Zwei Einführungen in unterschiedliche Dinge: Roboterbau und Betriebssystem

Tux liest

Ein Buch belohnt das Lesen mit einem selbst gebauten Roboterfahrzeug, das zweite beschert mehr Durchblick im Umgang mit Linux Mint.

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Wen ganz plötzlich der Wunsch überkommt, einen Roboter zu bauen, der ist mit diesem Buch gut bedient. Denn der angehende Bastler ohne jede Vorkenntnisse, aber mit der Lust auf ein Roboterprojekt bildet die Zielgruppe des Werkes. Damit der Einstieg gelingt, wird alles von Grund auf erklärt: Was ein Roboter ist, was der Mikrocontroller Arduino ist und kann und welche Werkzeuge man braucht, wie das Löten funktioniert und vieles mehr. Auch von Programmierung braucht der Robotik-Eleve noch nie etwas gehört zu haben.

Der voraussetzungslose Einstieg in den Roboterbau hat freilich auch eine Schattenseite: Jedes Thema bei null zu beginnen heißt, es bei vielleicht 30 Prozent beenden zu müssen. Nach 45 Seiten Einführung in C kann man vielleicht ein einfaches Beispielprogramm lesen, aber ein C-Programmierer ist man natürlich noch lange nicht.

Genauso macht auch in der Praxis des Bastelns erst die Übung den Meister. Entsprechend könnten bereits einigermaßen trainierte Löter oder Programmierer enttäuscht sein, wenn der Platz fehlt, ihnen bei weitergehenden Ideen zur Seite zu stehen, weil erklärt werden musste, wie man das Zinn zur Lötspitze führt oder eine Variable definiert.

Nach sechs Kapiteln Vorbereitung geht es im siebenten dann endlich los – und zwar mit der unvermeidlichen blinkenden LED. Von dort aus stellt der Autor eine Reihe später verwendeter Techniken und Bauteile vor, bis hin zur Ansteuerung von Motoren. Das nächste Kapitel dreht sich dann um die Montage des eigenen Roboters. Die Anleitung ist reich bebildert, zudem wird ein fertiger Bausatz verwendet, sodass auch Ungeübte erfolgreich sein sollten.

Das nächste Kapitel bespricht die Software, um das Fahrzeug zu steuern. Auch hier bleibt alles schlicht und einfach: Es geht nicht um autonome Fortbewegung, sondern um vorgegebene Figuren oder maximal per Handbewegung dirigierte kurze Teilstrecken mit konstanter Geschwindigkeit. Alle Programme stehen zum Download bereit. Die letzten beiden Kapitel gehen auf mögliche Erweiterungen des Projekts ein.

Wer bis zum Schluss durchgehalten hat und sich nicht daran störte, dass sein Bauvorhaben keinen greifbaren Nutzen außer dem Spaß an der Freude hatte, der ist jetzt womöglich infiziert und denkt schon an die nächsten Um- und Ausbauten. Für die braucht er ein anderes Buch.

In der Zwickmühle

Bücher über Distributionen geraten leicht in eine Zwickmühle: Wenden sie sich nur den Unterschieden zwischen den Linux-Varianten zu, geraten sie zwangsläufig recht speziell und technisch. Wenden sie sich dagegen an Einsteiger, dominieren die Gemeinsamkeiten der Linux-Welt, die höchstens am Beispiel der vorgestellten Distribution abzuhandeln sind.

Das vorliegende Werk hat sich für den zweiten Weg entschieden. Autor Dirk Becker hat Windows-Umsteiger ohne Linux-Erfahrung im Auge, denen er bei den ersten Schritten mit Mint helfen will. Das gelingt auch, aber um den Preis, dass große Teile des Buches genauso auch in einem Titel über Debian oder Ubuntu oder ein anderes der zahlreichen Derivate dieser Familie hätten stehen können. Das betrifft die präsentierten Standardanwendungen vom Terminal über Libre Office bis zu Thunderbird und Firefox. Auch Wine oder Gimp sind kein Alleinstellungsmerkmal von Mint, ebenso wenig die Paketverwaltung.

Ein eigenes Kapitel behandelt Spiele unter Linux. Leider illustriert es nur, was der Autor einleitend über sich selbst erzählt: Er sei kein "Spielezocker" und daher nicht auf dem Laufenden. Aufs Schild hebt Becker ein paar ältliche Klassiker, zu installieren über die Anwendungsverwaltung, und sogar allen Ernstes Spiele aus der DOS-Steinzeit, ansonsten Windows-Titel via Wine. Spieleplattformen wie die Unigine-Engine oder Steam, auf die jedermann selbst nach flüchtigem Googeln stößt, kommen überhaupt nicht vor, obwohl sie seit Jahren bekannte Spielehits für Linux veröffentlichen.

Hilfreich ist das neunte Kapitel übers Troubleshooting. Doch wirken einige der angebotenen Lösungen durchaus heikel, sollte man versuchen, sie ohne das nötige Hintergrundwissen zur Funktionsweise nachzuvollziehen. Leicht gerät dabei eine kurz notierte Schrittfolge zum Bärendienst, weil sie so zwar meist, aber eben nicht immer zum Ziel führt.

Info 1

Markus Knapp:

Roboter bauen mit Arduino

Rheinwerk, 2016

410 Seiten

30 Euro

ISBN:978-3-8362-4351-3

Info 2

Dirk Becker:

Linux Mint 18

Rheinwerk, 2016

450 Seiten

26 Euro

ISBN: 978-3-8362-4209-7

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