Open Source im professionellen Einsatz
Linux-Magazin 11/2016

Skylake-Notebooks mit 13-Zoll-Display und Linux von Tuxedo und Dell im Test

Flach-Stapler

Es ist nur vermeintlich ein heroischer Akt, Windows auf neuen Notebooks zu löschen. Denn erstens alimentiert man mit der Kaufsumme proprietäre Software und zweitens macht es keinen Spaß, Linux auf ultramoderne Hardware zuzuschneiden. Da kommen das Dell XPS 13 und das Tuxedo Infinitybook 13 gerade recht.

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© © Oliver Kluge, 2016

Der klassische PC mag im Abwind sein, Notebooks hingegen behalten ihre Bedeutung als leistungsfähige Arbeitsgeräte, die fast so mobil wie Tablets sind und zugleich eine richtige Tastatur für längere Texte besitzen. Seit Intel mit dem Skylake-Chipsatz eine neue, leistungsfähige Basis für mobile Computer anbietet und gleichzeitig SSD-Massenspeicher sowohl massiv im Preis gesunken sind als auch immer kleinere Gehäuseformen abbekamen (oder ganz gehäuselos arbeiten können), sind Notebooks sogar ein bisschen hip. Dazu tragen auch neue Displaytechnologien bei.

Das im Auslieferungszustand dominante Betriebssystem im Notebook-Markt heißt Windows. Deutlich abgeschlagen – mehr noch in Europa als in den USA – folgt Mac OS, das nur auf Apple-Geräten zu finden ist. Chrome OS spielt eine geringe Rolle, Android fast keine. Nicht ganz so exotisch sind Notebooks mit vorinstalliertem Linux.

Denn ein Windows-Notebook mit dem freien Betriebssystem neu zu betanken ist zwar grundsätzlich immer möglich, aber im Detail vielfach alles andere als einfach. Bis Touchpads ruckelfrei laufen, alle Kartenleser und Sondertasten funktionieren und die Stromsparmechanismen so wirkungsvoll wie unter Windows laufen, vergeht selbst bei Linux-Profis viel Zeit. Bei den meisten Fingerprint-Sensoren kann man sich sogar regelrecht die Zähne ausbeißen.

Native Linux-Notebooks sind gut für die Nerven

Deshalb ergibt es durchaus Sinn, Geräte mit einem genau zur Hardware passenden Linux anzubieten. Neben notorischen Linuxern kommen auch Admins aller Couleur, Entwickler oder Container- und Virtualisierungsspezialisten als mögliche Käufer in Frage.

Für diesen Test wählte das Linux-Magazin aus dem umfangreichen Sortiment des deutschen Anbieters Tuxedo Computers [1] ein Gerät aus: das Infinitybook 13 [2]. Die Firma aus dem bayerischen Königsbrunn hat sich auf Linux-PCs und -Notebooks spezialisiert und beschäftigt Entwickler, die Hard- und Software genau aufeinander zuschneiden.

Testkandidat Nummer zwei kommt von einem Großen der Branche: Dell. Die Amerikaner offerieren mit dem XPS 13 Developer Edition [3] erst seit Kurzem ein echtes Linux-Notebook in der Oberklasse. Linus Torvalds soll sich vor einiger Zeit als XPS-13-Fan geoutet haben, ist im Netz zu lesen.

Davon gänzlich unbeeindruckt scheint eine stringente Produktpolitik der Notebook-Linie nicht die Sache von Dell zu sein: Nur wenige Wochen nach Verkaufsstart und kurz vor Redaktionsschluss zog der Konzern das Gerät für Europa wieder zurück, US-Konsumenten können die Developer Edition noch kaufen – aber wohl auch nicht mehr lange.

Der Produktzyklus einer Eintagsfliege

Das Linux-Magazin brachte in Erfahrung, dass der Konzern die Windows-Version des XPS 13 in Details erneuert hat und darum die "alte" Hardware der Developer Edition nicht mehr produzieren will. Wann es die Linux-Edition wieder geben wird – zurzeit unklar. Als Ausblick auf das neue XP 13 eignen sich die im Folgenden ermittelten Ergebnisse trotzdem, weshalb der Test in ursprünglich geplanter Startaufstellung erscheint.

Beide Notebooks bauen auf Intels Skylake-Architektur auf. Das Linux-Magazin wählte beim Bestellen der Geräte CPU und Speicherausstattung so, dass sie vergleichbar wurden: 16 GByte RAM für einen Doppelkern-Intel-Core-i7-6500U mit Hyper Threading. Dazu gehört auch eine SSD mit 512 GByte, bei Tuxedo wäre eine konventionelle Festplatte Standard. Wer nicht jeden Euro umdrehen muss, greift heute zur SSD, die schneller, stromsparend und stoßfest ist.

Funk gehört schon lange zur selbstverständlichen Grundausstattung, so auch hier (WLAN und Bluetooth). Mangels Dockingstation-Anschluss sind schnelle Schnittstellen wichtig, hier kann ein Testkandidat mit USB 3.0 und/oder Thunderbolt punkten. Optische Laufwerke opfern praktisch alle Hersteller dieser Notebook-Klasse auf dem Schlankheits-Altar. Wer ein DVD- oder Bluray-Laufwerk braucht, flanscht es über USB an.

Bei den Displays sind die Kontrahenten nicht ebenbürtig: Dell kommt mit einem sehr hochauflösenden Panel (HiDPI), Tuxedo bietet klassische Full-HD-Auflösung – beides hat Vor- und Nachteile. Wer mit den Geräten unterwegs Muster von geschossenen Fotos ansehen will – wofür der Dell geradezu prädestiniert erscheint –, der kann bei beiden Geräten Bilder neben den drahtlosen Schnittstellen auch direkt von einer SD-Karte über einen eingebauten Leser holen. Tabelle 1 stellt die wesentlichen Austattungsdetails gegenüber.

Tabelle 1

Austattung der getesteten Linux-Notebooks

Gerät

XPS 13 Developer Edition (9350)

Infinitybook 13v2

Hersteller

Dell

Tuxedo Computers

Getestete Konfiguration

Intel Core i7-6560U, 16 GByte RAM, 512 GByte SSD, QHD+ Infinity Edge Touch Display

Intel Core i7-6500U, 16 GByte RAM, 512 GByte SSD, IPS-Display (Full-HD, matt)

Prozessor und Speicher

Prozessor, Chipset

Intel Core der 6. Generation (Skylake)

Intel Core der 6. Generation (Skylake)

Prozessormodell

Intel Core i7-6560U

Intel Core i7-6500U

Anzahl Kerne mit/ohne HT

2/4

2/4

Prozessortakt

2,2 GHz, max. 3,2 GHz

2,5 GHz, max. 3,1 GHz

Cache nach Levels

4 MByte Smartcache

4 MByte Smartcache

Hauptspeicher

bis zu 16 GByte LPDDR3-Speicher

bis zu 16 GByte DDR3-1600 von Crucial

Peripherie

Grafikchip, Speicheranbindung

Intel Iris Graphics 540

Intel HD Graphics 520

Soundchip/Anz. Kanäle

Realtek Audio/2

High Definition Audio

LAN

nur über Adapter

nur über Adapter

WLAN-Chipsatz

Intel Dual Band AC 8260 2x2

Intel Dual AC 8260

WLAN-Standards

802.11 ac/a/b/g

802.11 ac/a/b/g/n

Bluetooth

Bluetooth 4.2

Bluetooth 4.2

Mobilfunk

nein

nein

TPM

nein

nein

SSD

PCIe-SSD-Festplatte, 512 GByte

1x M.2 bis zu 1 TByte, 1x 2,5 Zoll bis zu 2 TByte SSD

Betriebssystem

Ubuntu 14.04 LTS, 64 Bit

Ubuntu 16.04 LTS, 64 Bit

Touchpad-Gesten

10-Finger-Touchdisplay-Support

ja, zwei Finger

Tastatur

Tastenhub 1,3 mm, Abstand 4 mm

Tastenhub 2 mm, Raster 1,9 cm

Schnittstellen

DVI/HDMI/sonst.

HDMI über Dell-Adapter

1x HDMI 1.4

USB

1x Typ-C (USB 3.1 / Thunderbolt 3), 2x USB 3.0

1x USB 3.1 Typ C, 1x USB 3.0, 1x USB 2.0

Thunderbolt

Thunderbolt 3

nein

LAN

nein

nein

Kartenleser

SD, SDHC, SDXC realisiert mit Realtec RTS 525A

9-in-1: MMC/RSMMC/SD/SDHC/SDXC/MS/MS Pro/MS Duo

Dockingstation

nur via USB Typ-C

nein

Bildschirm

Panel

Infinity Edge Touch Display (IGZO IPS), 13,3 Zoll, 16:9, QHD+, 276 DPI

IPS-Panel, 13,3 Zoll, 16:9, 165 PPI

Native Auflösung

3200 x 1800

1920 x 1080

Leuchtdichte

400 cd/m2

372 cd/m2

Kontrast

1000:1

890:1

Entspiegelung

nein

ja (matt)

Stromversorgung, Leistungsaufnahme

Akku-Kapazität/wechselbar Ladestandsanzeige

56 Wh/nein/ja

45 Wh/nach Öffnen der Bodenplatte/ja

Netzteil-Dimensionierung

Netzadapter mit 45 W

Mini-Netzteil mit 40 Watt

Ausgeschaltet

0,34 Watt

0,4 Watt

Idle/Display aus

3,16 Watt

5,9 Watt

Nominell

12,5 Watt

19,6 Watt

Volllast

31,8 Watt

32,7 Watt

Gerät und Preise

Gewicht

1,29 kg (mit Touchfunktion)

1,4 kg

Abmessungen, Dicke mit Füßen

304 x 235 mm, 9 bis 15 mm

325 x 219 mm, 15 bis 18 mm

Lieferumfang

Notebook, Netzteil, Netzkabel

Notebook, Netzteil, Netzkabel

Preis und Garantie

getestete Konfiguration: ca. 1450 Euro, zzgl. Versand

900 bis 2850 Euro, getestete Konfig.: ca. 1030 Euro

Garantie/Verlängerung/Servicepakete

1 Jahr Pro Support und Vor-Ort-Service am nächsten Arbeitstag

2 Jahre, verlängerbar auf max. 5

Auf dem Dell bootet ab Werk die schon leicht angestaubte Version 14.04 LTS 64 Bit von Ubuntu, auf dem Flashspeicher des Tuxedo meldet sich mit der 16.04 LTS 64 Bit ein frischeres Ubuntu. Praktische Unterschiede ergeben sich dadurch kaum. Einziger sofort sichtbarer Unterschied ist Unity, die Oberfläche ist bei Dell noch mit der umstrittenen Variante Lens ausgestattet, die auch externen Quellen mitteilt, was gesucht ist (das ist aber abschaltbar). Tuxedo präsentiert schon die entschärfte Variante. Beim Browser setzt Dell auf Chromium, Tuxedo auf Firefox. Als Bürosoftware gibt es zweimal Libre Office.

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