Open Source im professionellen Einsatz
Linux-Magazin 11/2016

Wir rupfen die Federchen

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"Suse, liebe Suse, was raschelt im Stroh? – Das sind die lieben Gänslein, die haben kein' Schuh. – Der Schuster hat Leder, kein Leisten dazu, – drum kann er den Gänslein auch machen kein Schuh."

Das Kinderlied beklagt die mangelnde Ausstattung eines Handwerkers, weshalb Geflügel seine mäßig schönen Füße direkt auf den Stallboden stellen muss. Ob die Aussicht auf allenfalls geringe Komfortprobleme die jungen Herren Dyroff, Steinbild, Mantel und Fehr 1992 bewogen haben, ihre "Gesellschaft für Software und Systementwicklung mbH" als Suse zu führen, bleibt offen. Zumindest hofft jeder Firmengründer, dass der Umsatz groß und die Probleme klein werden mögen.

Anfangs vertrieb Suse ein erweitertes Slackware Linux, ab 1996 die eigene Distribution. Der Umsatz kam in dieser Zeit aus dem Verkauf von Boxen, den Rest schossen Kapitalgeber zu. Getrieben von Zuversicht eröffneten die Fürther (ab 1998: Nürnberger) Niederlassungen in den USA, Tschechien, Großbritannien und Italien. Der Dotcom-Crash und die Kosten in der nunmehr AG machten die Kapitalgeber nervös.

"Suse, liebe Suse, schlag's Gockerle tot! – Es legt mir keine Eier und frisst mir mein Brot. – Da rupfen wir alle die Federchen aus – und machen dem Kindlein sein Bettchen daraus."

Das Bettchen steuerte 2003 bekanntlich Novell bei. Für die Suse-Mitarbeiter, die Firmenaktien besaßen, war das erstmal eine gute Sache. Bis dahin sah es so aus, als würden ihre Anteilsscheine wertlos verfallen; nun bekamen sie Bares. Die nun folgenden Umstrukturierungen haben viele andere Mitarbeiter in weniger guter Erinnerung.

"Suse, liebe Suse, das ist eine Not! – Wer schenkt mir einen Dreier zu Zucker und Brot? – Verkauf ich mein Bettchen und leg mich aufs Stroh, – da sticht mich keine Feder und beißt mich kein Floh."

Ende November 2010 gab die Attachmate Group aus Texas die nahezu vollständige Übernahme von Novell bekannt. Nach der vollzogenen Transaktion 2011 löste Attachmate Suse aus Novell heraus, was in Nürnberg eine Phase relativer Ruhe einleitete, wenn man die damit einhergehende allgemeine Unzufriedenheit mit dem Management dafür als Indikator heranziehen mag. Ende 2014 griff sich das britische Unternehmen Micro Focus wiederum die Attachmate-Gruppe. Wer der bisherigen Firmengeschichte mühelos folgen konnte, bekommt durch die vorläufig letzte Wendung noch Gelegenheit, den roten Faden zu verlieren.

Denn gerade erwirbt Micro Focus für 2,5 Milliarden US-Dollar große Softwarebereiche von HP Enterprise – einem erst vor Kurzem aus Hewlett Packard herausgebrochenen Großunternehmen. Dabei entsteht ein Gemeinschaftsunternehmen, von dem die HPE-Aktionäre aber 50,1 Prozent behalten. Das neue Unternehmen gibt im Zuge einer so genannten umgekehrten Fusion Aktien für 6,3 Milliarden US-Dollar aus. Die Sache ist mindestens so kompliziert, wie es sich anhört; und Suse ist Teil des großen Rührkuchens.

Suse, liebe Suse, was raschelt im Stroh? Wurde da eine technologisch interessante, aber – weil Open Source – einkommensschwache Firma wie eine heiße Kartoffel im IT-Zirkus herumgereicht? Oder ist Suse ein kleines Juwel, das sich die Großen immer wieder gegenseitig abjagen? Am ehestens sieht es danach aus, dass wegen der niedrigen Zinsen zu viel Kapital unterwegs ist, das nach Anlagemöglichkeiten schreit. Moderne Komfortprobleme also, nicht die der Gänslein.

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