Open Source im professionellen Einsatz
Linux-Magazin 11/2016
© Suradech Prapairat, 123RF

© Suradech Prapairat, 123RF

Im Vergleich: Allround-Server für den Einsatz ohne Admin

Einfachheit sticht

Nicht jede kleinere Firma oder Abteilung hält sich professionelle IT-Mitarbeiter oder schließt einen Wartungsvertrag. Wo es ohne Spezialisten gehen muss, ist einfache Handhabung Trumpf. Das Linux-Magazin hat zwei Allround-Server-Lösungen für den Einsatz ohne Admin verglichen.

892

Für eine kleine Firma oder Abteilung mag sich ein eigener Admin nicht lohnen. Rechner, die bestimmte Dienste anbieten, sind natürlich trotzdem unentbehrlich, schließlich wollen die Anwender mailen und Dateien austauschen, Kontakte suchen oder Projekte verwalten. Solche Server müssen besonders leicht zu betreiben sein, sodass engagierte Anwender alleine damit zurechtkommen.

Das Linux-Magazin hat zwei Lösungen für dieses Problem gegeneinander antreten lassen: ein aktuelles NAS-System Diskstation DS716+II [1] der Firma Synology und einen vorkonfigurierten Small-Business-Server des Mainzer Startups Ionas OHG [2]. Beide (Abbildung 1) werben mit einfacher Installation und problemloser Wartung, aber unterschiedlichen Konzepten.

Abbildung 1: Die beiden Probanden: Links der Ionas-Server, rechts die Diskstation.

Beim Ionas-Server nehmen die Verkäufer die Ersteinrichtung des vorinstallierten Systems vor Ort oder via Remoteverbindung vor. Der Käufer braucht kein eigenes IT-Know-how. Auch die Auswahl passender Serverdienste ist ihm bereits abgenommen, er bekommt ein abgestimmtes Paket. Schließt er einen kostenpflichtigen Wartungsvertrag ab, kann er sich auch im Betrieb Hilfe holen. Einfache Konfigurationsarbeiten sollte er aber selbstständig hinbekommen.

Die Diskstation bietet dagegen an die 100 Applikationen, die sich mit wenigen Klicks in einer grafischen Oberfläche installieren, konfigurieren und später auch updaten lassen. Die Kommandozeile wird nirgends gebraucht. Allerdings hat der Kunde auch keinen Fachmann an seiner Seite und muss wissen, was er will.

Vielfalt

Die verfügbare Auswahl an Software war der erste Checkpoint für die Tester. Diesen Punkt in der Kategorie Vielfalt macht auf jeden Fall die Synology-Lösung: Bei vielen typischen Anwendungen darf der Anwender hier aus mehreren guten Alternativen wählen (Abbildung 2). Sucht er etwa ein CRM-System, kann er nicht nur zu Odoo [3] greifen, das auch der Ionas-Server anbietet, sondern alternativ auch zu den sehr bekannten Alternativen Sugar CRM [4] oder V-Tiger [5].

Abbildung 2: Ein kleiner Ausschnitt aus dem großen Repository des Synology-Betriebssystems DSM 6.0.

Darüber hinaus bietet die Diskstation etliche Infrastrukturdienste, die der Small-Business-Server überhaupt nicht kennt, darunter Mailserver, Directoryserver, Nameserver, Applicationserver oder Datenbank. Zusätzlich kann die Diskstation den Virtualisierungsdienst Docker starten und auf diese Weise auf ein ganzes Universum weiterer vorkonfigurierter Dienste zugreifen. Daneben stellt sie auf Wunsch viele Anwendungen bereit, von denen der Ionas-Server ebenfalls nichts weiß, zum Beispiel Wikis oder Programmierumgebungen, Software zur Aufnahme der Bilder von Überwachungskameras und vieles mehr.

Im Einzelfall kann man mit der Firma Ionas sicher verhandeln, denn auf ihrem Linux-basierten Server oder unter der darauf laufenden Virtualbox ließe sich all das ebenfalls installieren – wenn auch die Integration in das bestehende Konzept einen wohl kostenpflichtigen Mehraufwand bedeuten würde. Gemessen an der Fülle des Software-Angebots ist aber die Diskstation eindeutiger Sieger.

Allerdings gibt es auch ein wichtiges Gegenbeispiel: Der Ionas-Server bringt als Extra eine komplette, vollständig eingebundene Telefonanlage des Herstellers Askozia mit, die auch fortgeschrittene Features beherrscht, etwa die Rufweiterleitung auf ein Handy, Warteschleifen, Konferenzräume oder virtuelles Fax. Die Anlage funktioniert mit jedem SIP-Provider und auch die IP-Telefone (oder VoIP-Clients) kann der Anwender frei wählen. Hier hat Synology nichts Gleichwertiges zu bieten und die Installation fremder, nicht bereits speziell paketierter Software ist auf ihr wiederum deutlich schwieriger als beim Konkurrenten.

Basisdienst

Unter Punkt zwei des Tests rückt ein grundlegendes Angebot einer solchen All-in-one-Lösung für kleinere Unternehmen in den Fokus: Fileserverdienste, manche Kunden verwenden kaum mehr als die. Im lokalen Netz nutzt der Ionas-Server dafür Samba und auch die Diskstation lässt sich natürlich via CIFS-Protokoll ansteuern. Außerhalb des LAN bieten beide Probanden für diesen Zweck selbst gehostete Varianten von Synchronisierungsdiensten à la Dropbox an: Der Ionas-Server setzt auf Seafile [6], die Diskstation auf die Eigenentwicklung Cloudstation [7].

An der Wahl von Seafile irritiert ein wenig, dass sich die deutsche Seafile GmbH inzwischen heillos mit dem chinesischen Partner Seafile Ltd. zerstritten hat [8] und erwägt, gerichtlich gegen ihn vorzugehen. Alle Entwickler sitzen aber offenbar in China. Trotzdem will die kleine deutsche Dependance nun eine eigene freie sowie proprietäre Version programmieren. Die Namensrechte und die Rechte am Code sind umstritten. Das Schicksal des Projekts scheint nicht restlos gewiss.

Doch wird die aktuell kursierende freie Version auf jeden Fall Open Source bleiben (weil sie ihrerseits Code unter der GPLv2 enthält), und die Chinesen entwickeln das Produkt auch offensichtlich weiter. Schließlich: Völlig ausgeschlossen wäre ein ähnlicher Zwist auch bei einer kommerziellen Lösung nicht.

Abgesehen von dieser Unwägbarkeit ist das Prinzip der Dateisynchronisation in beiden Fällen gleich: Lokale Daten werden zu einem zentralen Server synchronisiert. Speichert man auf einer Seite eine neue Datei oder Änderungen, gelangen diese Änderungen auf den Server und von dort zu anderen Clients auf anderen Rechnern oder Mobilgeräten, die sich unter demselben Account anmelden.

Im Unterschied zu Dropbox bleibt der zentrale Server in beiden Fällen in der Hand des Kunden, beide Lösungen können mehrere Ordner synchronisieren. Seafile generiert zudem Downloadlinks, die sich auch mit einem Passwort schützen lassen. Für Seafile wie für Cloudstation gibt es Clients für Windows, Mac, Linux, Android und I-OS.

Ein noch einfacherer Datei-Austausch gelingt bei der Diskstation nach einer Verbindungsaufnahme über einen Synology-Server mit der so genannten Quick-Connect-ID. Die funktioniert ohne Portweiterleitung auch in Subnetzen hinter einem NAT-Router und ermöglicht die Bedienung des Synology-GUI. Startet der Anwender dort die App Filestation, ist auch ein Datei-Austausch möglich.

In der Disziplin Filesharing liegen beide Probanden ungefähr gleichauf, den Nachteil der leichten Zukunftsungewissheit macht Ionas mit zusätzlichen Features wieder wett.

Diesen Artikel als PDF kaufen

Express-Kauf als PDF

Umfang: 4 Heftseiten

Preis € 0,99
(inkl. 19% MwSt.)

Linux-Magazin kaufen

Einzelne Ausgabe
 
Abonnements
 
TABLET & SMARTPHONE APPS
Bald erhältlich
Get it on Google Play

Deutschland

Ähnliche Artikel

  • Neue Netzwerkspeicher: Synology Diskstation und D-Link Sharecenter

    Synology bietet mit der Junior-Diskstation DS411j eine betriebssystemunabhängige Speicherlösung (vier Festplatten) für private Nutzer und kleine Firmen an, die auch via Android-Smartphones und I-Phones ansprechbar ist. D-Link hat mit dem Sharecenter Pulse (DNS-320) ebenfalls ein kleines NAS-Gerät vorgestellt, das zwei Platteneinschübe vorhält.

  • Raspi-Extensions

    Findige Tüftler und Firmen haben dem Raspberry Pi nützliche bis kuriose Hardware-Erweiterungen spendiert. Das Linux-Magazin liefert eine Übersicht der wichtigsten Zusatzplatinen.

  • Iona übernimmt Open-Source-Anbieter Logicblaze

    Das irische Softwarehaus Iona, Anbieter von Middleware für Service-orientierte Architekturen (SOA) hat die kalifornische Firma Logicblaze gekauft. Logicblaze widmet sich dem Trendthema SOA aus der Open-Source-Perspektive.

  • Odoo 9 für Enterprise und Community

    Mit der neuen Version 9 der Business-Software Odoo gibt es erstmals eine Enterprise- und eine Community-Edition der Open-Source-Lösung.

  • Diskstation 110+ und 210+ als NAS für kleine Firmen

    Serverspezialist Synology hat zwei neue NAS-Geräte vorgestellt, die Daten kleinerer und mittlerer Unternehmen speichern und im Netz vorhalten.

comments powered by Disqus

Ausgabe 10/2017

Digitale Ausgabe: Preis € 6,40
(inkl. 19% MwSt.)

Artikelserien und interessante Workshops aus dem Magazin können Sie hier als Bundle erwerben.