Open Source im professionellen Einsatz
Linux-Magazin 11/2016

Aus dem Alltag eines Sysadmin: Searx

Treffer mit Pfeffer

Es widerspricht der ökonomischen Logik, kommerziell betriebenen Suchmaschinen zu unterstellen, bei Datenschutz und -verwendung zuerst die Interessen der Suchenden im Blick zu haben. Sysadmin-Kolumnist Charly ist bei der Suche nach einer Alternative fündig geworden.

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Viele Linux-Tools mit niedrigen Versionsnummern wirken erstaunlich reif und stabil – und sind das auch. Searx [1], das sich jüngst auf 0.10.0 schraubte, gehört definitiv dazu. Die Entwickler beschreiben es als "eine Privatsphären-respektierende, hackbare Metasuchmaschine". Gebe ich in ihr Suchfeld einen oder mehrere Begriffe ein, so reicht Searx meine Anfrage an bis zu 70 Onlinequellen weiter. Bei den Resultaten zeigt es an, aus welcher Quelle sie stammen.

Die Quellen kann ich thematisch sortiert einzeln zu- und abschalten. Im Bereich »Allgemein« finde ich große Allrounder: Google, Bing, Duckduckgo, Yahoo, Wikipedia und Reddit. Bei Bildern kommen die Ergebnisse von 500px, Flickr oder Deviant Art. Die Musiksuche bedient sich bei Deezer, Google Play Music, Spotify, Soundcloud oder einem halben Dutzend Torrent-Seiten. »IT« wartet mit Github, Stack Overflow und dem hervorragende Arch Linux Wiki auf.

Die Kategorie »Wissenschaft« ist zwar recht dünn, aber dafür mit Base, Wolfram Alpha, Google Scholar und Microsoft Academic hochkarätig besetzt. Base, die "Bielefeld Academic Search Engine", ist spezialisiert aufs Suchen nach und in wissenschaftlichen Arbeiten: Ein schnelle Anfrage nach "adenosin triphosphate" liefert dreimal mehr Treffer als Googles Wissenschaftssuche http://scholar.google.com. Wer mag, lässt sich bevorzugt Treffer aus Open-Access-Quellen anzeigen.

Datenschutz und Cookies

Searx lädt weitere Treffer nach, wenn ich durch die Ergebnisse scrolle. Neu in der aktuelle Version ist die Möglichkeit, die Suche auf einen vorgegebenen Zeitraum einzugrenzen (Abbildung 1). Besonders stolz sind die Entwickler darauf, dass ihr Spürhund pfleglich mit den anfallenden Nutzerdaten umgeht. Der Quellcode in Python ist offen, und Searx führt keine Benutzerprofile. Als Default legt Searx nicht einmal Cookies ab. Das passiert erst dann, wenn ich Einstellungen verändere und diese Änderungen speichere.

Abbildung 1: Searx, die Suchmaschine, die sich durch guten Datenschutz abhebt, schränkt in der neuesten Version auf Wunsch die Ergbnisse auf einen Zeitraum ein.

Weltweit gibt es ein paar Dutzend Searx-Instanzen [2], die für jedermann und jedefrau nutzbar sind. Das Entwicklerteam selbst betreibt eine Instanz unter [3]. Wer externen Diensten nicht vertraut, baut sich eben selbst einen Searx-Server. Dafür reicht schlanke Hardware wie ein Raspberry Pi völlig, eine Anleitung gibt es unter [4]. Searx – erstaunlich reif für eine Version 0.10.0, nicht wahr? (jk)

Infos

  1. Searx-Projekt: https://asciimoo.github.io/searx/
  2. Searx-Instanzen: http://stats.searx.oe5tpo.com
  3. Instanz des Entwicklerteams: https://searx.me
  4. Searx auf Raspberry Pi installieren: https://asciimoo.github.io/searx/dev/install/installation.html

Der Autor

Charly Kühnast administriert Unix-Systeme im Rechenzentrum Niederrhein. Zu seinen Aufgaben gehören Sicherheit und Verfügbarkeit der Firewalls und der DMZ.

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