Open Source im professionellen Einsatz
Linux-Magazin 11/2016
© Vadim Ivanov, 123RF

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Fünf Screencast-Programme im Test

Und – Action!

Screencasts können insbesondere Lehrinhalte audiovisuell leichter verständlich machen. Die Bitparade klärt, welche Programme unter Linux zum Anfertigen von Screencasts taugen.

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Multimediales Lernen hat sich inzwischen in Unternehmen und Behörden etabliert. Eine wichtiges Hilfsmittel sind dabei Screencasts, die in Videosequenzen den Bildschirminhalt von Computersystemen samt gesprochenen Anleitungen des Lehrenden wiedergeben. Ob einfache Bedienschritte in der Textverarbeitung oder komplexe Befehle einer höheren Programmiersprache – Screencasts können zum Verständnis von Zusammenhängen in der Informationstechnik beitragen.

Problematisch

Unter Linux haben sich viele freie Projekte der Entwicklung von Screencast-Software verschrieben. Doch einige Hindernisse erschweren den Einsatz: So gibt es unter Linux mit Alsa und OSS zwei Soundarchitekturen und mit Alsa, Pulseaudio und Jack gleich drei aktuelle Soundserver. Mit Gstreamer und Ffmpeg konkurrieren zudem zwei unterschiedliche multimediale Frameworks, die sich um Aufnahme, Wiedergabe und Enkodierung- oder Dekodierung von Audio- und Videodaten kümmern. Außerdem gibt es eine fast unüberschaubare Anzahl von Video- und Audio-Codecs. Da manche Screencast-Programm obendrein auf bestimmte grafische Komponentenbibliotheken wie GTK+ oder Qt angewiesen sind, integrieren sie sich nicht nahtlos in jede Desktop-Umgebung.

Abgesehen von diesen Unterschieden, auf die der Anwender vor dem Einsatz eines Screenrecorders achten sollte, weicht auch der Funktionsumfang der einzelnen Applikationen voneinander ab, sodass sich nicht jedes der ins Auge gefassten Programme für jeden Zweck eignet: Manchen Screencast-Applikationen fehlt die Technik zur Aufzeichnung in Fenstern, was die Aufnahme in virtuellen Maschinen unmöglich macht. Andere können keine Ausschnitte aufnehmen, und manche Recorder beherrschen nur die Aufnahme von Videosequenzen, aber nicht von Audio-Inhalten.

Das Linux-Magazin berücksichtigt nur jene Programme, die Ton- und Video-Aufnahmen anfertigen können und einen universellen Einsatz – also auch in Fenstern – zulassen. Ein weiteres Kriterium ist die aktive Weiterentwicklung des Projekts.

Die Probanden

Im Test müssen sich neben dem einfach gestrickten Kazam das bereits länger verfügbare Record My Desktop sowie die umfangreiche Neuentwicklung Simple Screen Recorder und das intuitiv zu bedienende Vokoscreen einer Prüfung unterziehen. Als einziges Java-Programm kommt das ebenfalls unter der GPL veröffentlichte Krut zum Zuge.

Neben dem Funktionsumfang (Tabelle 1) legt der Test Wert auf möglichst nahtlose Desktop-Integration und ein ausgereiftes Bedienkonzept. Auch sollten die Programme gängige Codecs nutzen, schließlich sollten die generierten Filmsequenzen im besten Fall überall abspielbar sein.

Tabelle 1

Funktionsübersicht Screencast-Programme

 

Kazam

Record My Desktop

Simple Screen Recorder

Vokoscreen

Krut

Aufnahme Vollbild

ja

ja

ja

ja

eingeschränkt

Aufnahme Fenster

ja

ja

ja

ja

ja

Aufnahme Bereich

ja

ja

ja

ja

ja

Lupenfunktion

nein

nein

nein

ja

nein

Audio abschaltbar

ja

ja

ja

ja

ja

Codecs wählbar

ja

ja

ja

ja

nein

Formate wählbar

ja

ja

ja

ja

nein

Webcam unterstützt

nein

nein

nein

ja

nein

Timer

nein

nein

nein

nein

ja

Countdown

ja

nein

nein

ja

nein

Mauszeiger abschaltbar

ja

ja

ja

ja

ja

Vorschaufenster

nein

ja

ja

nein

ja

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