Open Source im professionellen Einsatz
Linux-Magazin 10/2016

Werkzeuge im Kurztest

Tooltipps

Im Kurztest: Spawner 0.2.4, Mmu2html 0.4, Shadowsocks 2.8.2, AVFS 1.0.3, Highlight 3.31, Odt2tex 0.0.13

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Spawner 0.2.4

Testdaten für Datenbanken erzeugen

Quelle: https://sourceforge.net/projects/spawner

Lizenz: GPLv2

Alternativen: Fresh Trash Generator, Generate Data

Wer zum Testen von Datenbankanwendungen umfangreiche Beispieldaten benötigt, darf dafür Spawner einspannen. Das in Pascal implementierte Tool produziert einfachen Text mit Trennzeichen und SQL-Insert-Befehle oder schreibt direkt in MySQL-5-Datenbanken.

Für jedes Feld bestimmen Benutzer einen Namen und einen Typ. Wer möchte, grenzt die jeweiligen Felder über das Dropdown-Menü »Subtyp« weiter ein. Hier geben Anwender Zahlenbereiche vor oder legen Länge und Anzahl der Wörter fest. In der Kategorie »Human« bestimmt der »Subtyp« personenbezogene Daten wie Vor- und Nachnamen oder Adressen. Spawner wählt realistische Inhalte, spricht jedoch nur Englisch.

Ein Klick auf »Spawn« erzeugt die unter »Number of Records« festgelegte Anzahl von Testdaten. Wer sich für das Umleiten in eine MySQL-Datenbank entschieden hat, gibt jetzt die Zugangsdaten ein.

★★★★

Wer eine große Anzahl generischer Daten zu Testzwecken benötigt, findet in Spawner einen kreativen Helfer. Das Tool bietet flexible Konfigurationsmöglichkeiten, ist bei personenbezogenen Daten jedoch auf den englischsprachigen Bereich festgelegt.

Mmu2html 0.4

Einfacher HTML-Konverter

Quelle: http://www.boomerangsworld.de/cms/tools/mmu2html.html

Lizenz: GPLv3

Alternativen: Text2html, Pandoc

Mmu2html konvertiert Textdateien mit gemischtem Markup (also mit Text- und HTML-Elementen) in statische Webseiten. Das Tool kann in der aktuellen Fassung Seiten mit Menüs, Überschriften und Aufzählungen erzeugen, Bilder und deren Thumbnails sowie interne und externe Links einbinden. Mmu2html benötigt mindestens Python 2.7. Für das Verarbeiten der Bilder nutzt das Skript die Tools der Imagemagick-Suite. Optional prüft Tidy den HTML-Code, auch das Signieren mit Gnu PG ist möglich.

Die Konfiguration erfolgt in einer einfach strukturierten ».ini« -Datei; ein Beispiel liegt bei. Anwender tragen hier das Quell- und Zielverzeichnis ein und bestimmen eine CSS- und eine Template-Datei. Der Befehl »mmu2html.py -c mmu2html.ini« startet das Konvertieren.

Das Python-Tool berücksichtigt alle auf ».txt« endenden Dateien im Input-Verzeichnis, generiert Vorschaubilder und integriert vorhandenen HTML-Code. Da es immer ein Menü am linken Rand erzeugt, muss eine Datei namens »menu.txt« im Quellverzeichnis liegen.

★★★★

Grundlegendes Verständnis von HTML vorausgesetzt, verhelfen die mitgelieferten Beispiele und die ausführliche Dokumentation schnell zu ersten ansehnlichen Ergebnissen.

Shadowsocks 2.8.2

Verschlüsselte Tunnel einrichten

Quelle: https://shadowsocks.org

Lizenz: APL 2.0, GPLv3, LGPLv3

Alternativen: SSH, Open VPN

Um einen verschlüsselten Tunnel zwischen zwei Systemen einzurichten, greifen viele Anwender zu VPN-Lösungen oder zu SSH. Wer nach einer alternativen Lösung mit Clients für Linux, Windows, OS  X, I-OS und Android sucht, sollte sich Shadowsocks anschauen.

Die Serverkomponente benötigt Python 2.6 oder 2.7. Anleitungen zum Installieren via »pip« oder aus den Quellen bietet die Website. Das Tool »ssserver« startet den Proxyserver; »sslocal« ist der mitgelieferte Linux-Client für die Kommandozeile. Anwender konfigurieren beide Tools wahlweise über Parameter auf der Shell oder über eine Json-Datei.

Für einen schnellen Start rufen Admins »ssserver -k Passwort« auf. In der Voreinstellung lauscht der Dienst auf allen Schnittstellen an Port 8388. Auf leistungsschwacher Hardware begrenzt »--workers« die Anzahl der Unterprozesse. Über »--forbidden-ip« schließen Anwender eine Liste von IPs aus.

Eine Benutzerverwaltung bietet Shadowsocks nicht. Die Projektseite zeigt einen Workaround für dieses Problem und enthält weitere nützliche Tipps.

★★★★★

Shadowsocks ist mit wenigen Handgriffen eingerichtet und unterstützt Clients für viele Plattformen, darunter auch mobile. Im Gegensatz zu vollwertigen VPN-Lösungen, die den gesamten Traffic tunneln, verschlüsselt Shadowsocks nur die Daten der Clients, die Socks unterstützen.

AVFS 1.0.3

Virtuelles Dateisystem für Archive

Quelle: http://avf.sourceforge.net

Lizenz: GPLv2

Alternativen: Archive Mount, Fuse-Zip

A Virtual File System, kurz AVFS, ermöglicht Anwendern das Navigieren in komprimierten Dateien oder Archiven. Das Tool mountet Tar-, Gzip-, Zip-, Bzip2-, Ar- und Rar-Dateien, aber auch FTP-, HTTP-, Webdav-, SSH- und SCP-Sitzungen (nur mit Public Key). Das C-Programm bietet vier Installationsvarianten; für Linuxer empfiehlt sich die Kombination mit Fuse, der Schnittstelle für Dateisysteme im Userspace. Das gelingt ab Kernel 2.6 und mit einer Fuse-Bibliothek ab 2.4.

Nach dem Übersetzen der Quellen rufen Benutzer das Kommando »mountavfs« auf, welches das Filesystem unterhalb von »~/.avfs/« mountet und den Dienst »avfsd« startet, der unter anderem die Zugriffe auswertet und gegebenenfalls Archive öffnet. Zum Unterscheiden zwischen virtuellen und gewöhnlichen Dateien und Verzeichnissen nutzt AVFS das »#« -Zeichen. Um beispielsweise den Inhalt der Datei »~/Downloads/archiv.tgz« anzuzeigen, tippen Nutzer den Befehl »ls ~/.avfs/home/User/Downloads/archiv.tgz#« .

Um einen öffentlichen FTP-Server anzusprechen, reicht es aus, »#ftp:« vor die Adresse zu stellen, etwa »cd ~/.avfs/#ftp:ftp.debian.de« . Wer sich mit Zugangsdaten authentisieren möchte oder muss, verwendet »ftppass« aus dem AVFS-Paket (»ftppass User@Hostname« ) und gibt nach Aufforderung das Kennwort ein. Anschließend führt »cd ~/.avfs/#ftp:User@Hostname« zum passwortgeschützten FTP-Server. Aktuelle AVFS-Versionen können nur lesend auf FTP-Server zugreifen. Der Befehl »umountavfs« hängt das virtuelle Dateisystem wieder aus.

★★★★★

Das Integrieren von Archiven und Netzwerkfreigaben in den lokalen Verzeichnisbaum gelingt gut. Leider ist die Dokumentation recht zersplittert – eine Manpage täte dem Tool gut.

Highlight 3.31

Quellcode optisch aufbereiten

Quelle: http://www.andre-simon.de/doku/highlight/highlight.php

Lizenz: GPLv3

Alternativen: Source-Highlight, Pygments

Hier ist der Name Programm: Highlight hebt Schlüsselwörter, Typbezeichner, Strings, Zahlen, Escape-Sequenzen, Operatoren und Kommentare in über 200 Programmiersprachen hervor und speichert die farbige Ausgabe in den Formaten HTML, XHTML, RTF, Tex, Latex und SVG. Alternativ gibt das Tool den eingefärbten Code in der Konsole aus. Es erkennt auch mehrere Sprachen in einer Datei, bricht überlange Zeilen um, kümmert sich um das Einrücken des Quelltextes (nur C, C++, C# und Java) und fügt Zeilennummern ein.

Highlight arbeitet auf der Shell oder als Qt-basiertes GUI. Die grafische Oberfläche bietet nicht ganz so viele Funktionen wie die Kommandozeilen-Variante, dafür passt sich aber die Vorschau dynamisch an. Anwender können die Farben anpassen und leicht neue Sprachen hinzufügen, denn die gesamte Konfiguration findet in eigenen Lua-Skripten statt. Schlüsselwörter einer Sprache können Benutzer als Zeichenkette oder als regulären Ausdruck notieren. Auf der Website finden sie eine gute Anleitung und aussagekräftige Beispiele.

Wer die Quellen selbst kompilieren möchte, stellt vorher sicher, dass Lua installiert ist. Das Tool sucht dabei nach der Metadatei »lua.pc« . Auf dem Ubuntu-Testsystem war diese lediglich als versionierte Fassung »lua52.pc« vorhanden. Ein Symlink vor dem Aufruf von »make« hilft weiter.

★★★★★

Wer Quelltexte für Webseiten oder Schulungsunterlagen optisch aufbereiten möchte, der findet in diesem Tool einen flexiblen Mitarbeiter. Es beherrscht gängige Programmiersprachen, lernt dazu und punktet mit einer guten Anleitung – ein echtes Highlight eben.

Odt2tex 0.0.13

ODT- in Latex-Dokumente umwandeln

Quelle: https://www.chronowerks.de/odt

Lizenz: MIT License

Alternativen: Writer2latex

Odt2tex konvertiert ODT-Dateien ins Latex-Format. Open-Document-Files sind Zip-Archive, die neben diversen XML-Dateien auch andere Objekte aufnehmen, etwa Bilder. Das kleine C-Programm benötigt daher die Bibliotheken »libzip« und »libexpat« , um die ODT-Dateien zu entpacken und das enthaltene File »contents.xml« mit dem XML-Parser Expat weiterzuverarbeiten. Eingebettete Bilder, Tabellen, Listen und Aufzählungen berücksichtigt Odt2tex und erzeugt dazu passenden Latex-Quellcode.

Eine Konfigurationsdatei besitzt Odt2tex nicht. Anwender übergeben beim Aufruf hinter »in=« die ODT-Datei und hinter »out=« das Zielverzeichnis für die Latex-Datei (diese heißt immer »main.tex« ). In diesem Ordner landet gegebenenfalls auch ein Unterverzeichnis namens »img« , das die im ODT-Dokument verwendeten Bilder aufnimmt.

In der Voreinstellung setzt das Tool auf UTF-8; die Option »enc=« wechselt das Encoding. Als Sprache des Latex-Dokuments wählt Odt2tex Englisch, sofern nicht über »lang=« anders definiert. Weitere Schalter legen die Spaltengröße von Tabellen und die Position von Bildern auf der Seite fest.

Auf einem der Testrechner hatte Odt2tex Probleme mit mehrseitigen ODT-Dateien, die auf einem zweiten Computer nicht auftraten. Da das Tool keine Debug- und Verbose-Optionen bietet, scheiterte die Fehlersuche der Tester.

★★★★

Odt2tex ist ein noch junges Projekt mit begrenztem Funktionsumfang und einigen Kinderkrankheiten. Da regelmäßig neue Ausgaben erscheinen, lohnt es sich dennoch, am Ball zu bleiben.

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