Open Source im professionellen Einsatz
Linux-Magazin 10/2016
© dmbaker, 123RF

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Kurztest: Skype für Linux

Wiederhören!

Microsoft hat den Linux-Client für Skype lange Zeit eher stiefmütterlich behandelt und weder aktualisiert noch mit neuen Features ausgestattet. Vor Kurzem aber erschien eine erste Alphaversion für 64-Bit-Systeme – runderneuert und kompatibel zu den aktuellen Windows- und OS-X-Ausgaben.

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Skype [1] gibt es schon seit 2003, und 2011 hat Microsoft den Dienst übernommen. Das kostenlose Programm unterstützt Instant Messaging, IP-Telefonie, Videokonferenzen, Datenübertragungen und Screen Sharing. Apps für Android, I-OS und Windows Phone sind ebenfalls im Angebot. Auch wenn Skype ein proprietäres Netzwerkprotokoll nutzt und nicht als abhörsicher gilt, ist es für viele Benutzer nach wie vor die Nummer eins, nicht zuletzt deshalb, weil es für alle gängigen Betriebssysteme und Plattformen zur Verfügung steht.

Linuxer schauen seit 2014 allerdings in die Röhre, denn die letzte Ausgabe 4.3 gibt es nur für 32-Bit-Architekturen. Sie ist auf vielen Distributionen nur mit einigem Aufwand installierbar und lässt vor allem wichtige Funktionen wie etwa Videokonferenzen vermissen. Am 13. Juli dieses Jahres gab Microsoft in einem Blogartikel eine neue Alphaversion für den Linux-Desktop bekannt [2] und beteuerte, die Linux-Community wieder einbeziehen zu wollen.

Version 1.2.0.1 ist kompatibel zu den aktuellen Ausgaben der anderen Plattformen, nutzt das moderne responsive Skype-UI und taugt in weiten Teilen bereits für den produktiven Einsatz. Den Alphastatus trägt sie dennoch zurecht, denn nicht alle versprochenen Features sind bereits implementiert und es kann zu Aussetzern kommen.

Das Linux-Magazin hat den neuen Linux-Client unter Ubuntu 16.04 (Unity) und Open Suse Leap 42.1 (KDE Plasma) getestet und mit Windows-, OS-X- und iPhone-Benutzern telefoniert.

Angeklingelt

Im Download-Bereich [3] stehen ein Debian- und ein RPM-Paket, jeweils für 64-Bit-Systeme, zur Verfügung. Beide richten beim Installieren ein neues Repository namens »skype-stable« ein [4] und ziehen diverse Abhängigkeiten nach sich, unter anderem den Gnome-Schlüsselbund (Paket »gnome-keyring« ), sofern dieser noch nicht vorhanden ist. Mit Kwallet oder anderen Passwortmanagern arbeitet Skype nicht zusammen. Nach dem Start über »skypeforlinux« geben Benutzer ihre Zugangsdaten ein oder legen über »Create new account« ein neues Konto an. Während die Software für die anderen Plattformen gut lokalisiert ist, spricht die Alphaversion bisher nur Englisch.

Wie gewohnt führt ein Klick auf den eigenen Avatar oben links zu den Konto-Einstellungen. Benutzer ändern hier ihr Profilbild, ihren Status oder fügen eine persönliche Nachricht hinzu. Windows- und OS-X-Clients bieten deutlich mehr Optionen und erlauben es, Telefonnummern, Ortsangaben, Mailadressen, Geschlecht und Geburtstag anzugeben. Audio- und Videogeräte konfigurieren Anwender in der Alphaversion nur während eines laufenden Gesprächs über das Zahnrad-Icon im Hauptfenster.

Über die linke Seitenleiste sind der Verlauf, die Kontakte, die Skype-Konfiguration und eine Schaltfläche für neue Unterhaltungen erreichbar. Mittels »Search Skype« suchen Anwender nach anderen Skype-Nutzern und kontaktieren sie. Das gelang im Test mal mehr, mal weniger gut – einige Anfragen kamen bei der Gegenseite an, andere nicht. Probehalber bestätigten die Tester eine Kontaktaufnahme unter OS  X und hofften, der Linux-Client übernähme die Information. Das Synchronisieren gelang aber erst nach einem Neustart von Skype.

Instant Messaging zu zweit oder in der Gruppe funktioniert schon einwandfrei, auch die (bisweilen eher nervigen) Skype-Emoticons stehen Linuxern zur Verfügung. Im Eins-zu-eins-Chat ruft die Weltkugel den Skype Translator auf den Plan, der in über 50 Sprachen übersetzt. Dass die Gegenseite gerade tippt, zeigt Skype für Linux an (sofern der Gesprächspartner diese Information freigegeben hat), auch die Datenübertragung und das Teilen von Kontakten sowie Einladungen zur Unterhaltung gelangen im Test gut. Lediglich Videobotschaften spielte der Linux-Client nicht ab und zeigte nur ein Vorschaubild an.

Service-Hotline

Ein paar Aussetzer leistete sich die Alphaversion beim reinen Telefonieren. Während Gespräche von Linux aus mit I-OS- und OS-X-Anwendern klappten, blieben die Mikrofone zwischen Windows- und Linux-Clients oft stumm. Die Tester sahen wiederholt die Meldungen »Missed Call« (Linux) und »Konnte keine Verbindung herstellen« (Windows). Ab und zu gelang es immerhin, eine Sprachnachricht zu hinterlassen.

Eine Audiokonferenz zwischen zwei Linux-Clients und dem I-OS-Nutzer gelang hingegen einwandfrei (Abbildung 1). In der Alphaversion ist es noch nicht möglich, Kontakte zu einer laufenden Gesprächsrunde hinzuzufügen; Anwender müssen vorher die Gruppe erstellen und dann den Anruf starten.

Abbildung 1: Die Tester in der Audiokonferenz: Der Avatar des gerade sprechenden Anwenders erscheint hervorgehoben im Hauptfenster.

Einige der geplanten Features sind in der Alphaversion noch nicht implementiert. Dazu gehören neben Videotelefonaten und -konferenzen auch das Screen Sharing, Anrufe und SMS ins Fest- beziehungsweise Mobilfunknetz sowie das Verwalten von Skype-Guthaben. Die Funktionen dürften aber recht bald Einzug finden, denn die Entwickler haben angekündigt, alle zwei Wochen eine neue Release zu veröffentlichen [5]. Die Updates sollten über den Paketmanager verfügbar sein; Ankündigungen und Diskussionen dazu gibt es in der Skype-Community [6].

Wer mag, der kann Feedback für die Programmierer hinterlassen und die Logfiles des eigenen Rechners mitschicken. Dazu schalten Benutzer über die Tastenkombination [Strg]+[Umschalt]+[Alt]+[D] den Debugging-Modus ein. Über das neue Menü aktivieren sie das Fenster mit den Entwicklertools und das Protokollieren (Abbildung 2). Kontakt zu den Machern erhalten Interessierte über die Skype-Community, den Menü-Eintrag »Help | Feedback« sowie den Hashtag »#skypefeedback« auf Twitter.

Abbildung 2: Über das Menü Debug schalten Anwender das Protokollieren aller Skype-Meldungen und den Debugging-Modus ein.

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