Open Source im professionellen Einsatz
Linux-Magazin 10/2016
© Dennis van de Water, 123RF

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Kernel 4.8: AMD übertaktet, Raspberry-3-SoC, Bus1

Psychotisches, bekifftes Schaf

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In welche Richtung der im Titel genannte Arbeitsname die Erwartungen für Linux 4.8 lenken soll, verriet Linus Torvalds nicht. Für AMD- und Raspberry-Pi-3-Fans gibt es aber tierisch gute Neuigkeiten.

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Linus Torvalds sieht diesmal besonders viele Änderungen auf den Kernel 4.8 zukommen, dessen Release-Termin voraussichtlich Mitte September liegen wird und der seit Kernel 4.7 den Codenamen "Psychotic Stoned Sheep" trägt. Mit Freigabe des ersten Release Candidate 4.8rc1 [1] begann am 7. August die Testphase für den Kernel, dessen Funktionen nun weitgehend feststehen.

Dateisystem-Umbauten

So erwartet das Dateisystem XFS größere Modernisierungen, unter anderem soll es Daten-Deduplizierung und Copy-on-Write lernen. Das erfordert jedoch einige Umbauten am Code von XFS. Bis die neuen Funktionen standardmäßig bereitstehen, dauert es also voraussichtlich noch eine geraume Weile.

In den aktuellen Linux-Kernel fließt aber schon mal das Reverse Mapping ein. Laut Entwickler Dave Chinner [2] erlaubt es das Feature, den Eigentümer eines bestimmten Blocks auf der Festplatte genau zu verfolgen. Das erledigen die Entwickler mit Hilfe eines Sets von B-Trees, die den Eigentümer von allozierten Extends im Auge behalten.

Das Dateisystem Ext 4 greift künftig nicht mehr auf eine eigene Verschlüsselung zurück. Stattdessen nutzt es, wie auch schon das von Samsung vorangetriebene Dateisystem F2FS (Flash Friendly File System), den Kernel-weiten Code des Moduls »fs/crypto« . Ansonsten deuten sich eher kleinere Verbesserungen an.

Anders sieht es beim Dateisystem Btr-FS aus: Es bringt eine weitgehend neu geschriebene Speicherverwaltung mit, die bisherige Probleme durch zu hohe Latenzzeiten und bei asynchronen Schreibzugriffen beseitigen soll. Künftig wird das Dateisystem Speicherbereiche in einer Art Ticketsystem reservieren [3]. Das dürfte Btr-FS-User freuen, die im Enospc-Bereich schon länger mit Problemen kämpfen.

Weniger Stau im Netzwerk

In der WLAN-Schicht »mac80211« haben Entwickler das Queueing-System umgestellt. Das verwendet jetzt den Codel-Algorithmus, der den Datendurchsatz in der Warteschleife automatisch prüft. Verbringen Datenpakete dort zu viel Zeit, geht der Queue-Management-Algorithmus [4] davon aus, dass der Datenpuffer des Empfängers zu voll ist, und das System beginnt damit, einzelne Datenpakete zu verwerfen. Das wiederum signalisiert dem Sender, die Datenübertragung zu verlangsamen.

Der Codel-Algorithmus steckt bereits seit Längerem im Linux-Kernel, doch erst jetzt nimmt er seine Arbeit auch im WLAN-Stack auf. Er berücksichtigt WLAN-eigene Funktionen, etwa das Zusammenfassen mehrerer Datenframes in einem einzigen Paket.

Um Datenstaus im Netzwerk zu verhindern, verfolgt der TCP-Vegas-Algorithmus ein anderes Konzept als Codel. Er verwirft keine Pakete, sondern hält sie zurück. Datenstaus sagt er anhand von Paketumlaufzeiten (Round Trip Times, RTT) voraus. Die Kernelentwickler haben ihn jetzt unter dem Namen TCP New Vegas grundlegend überarbeitet und in Linux 4.8 integriert. TCP New Vegas [5] trägt vor allem den gestiegenen Hardware-Anforderungen, etwa den höheren Bandbreiten moderner Datenzentren, Rechnung.

Das für Servercluster genutzte RDS-Protokoll (Reliable Datagram Sockets) erhält in Linux 4.8 die Möglichkeit, mehrere TCP-Verbindungen zwischen zwei Hosts zu nutzen. Das steigert den Datendurchsatz deutlich, wie ein Beispiel im Kernel-Commit zeigt [6].

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