Open Source im professionellen Einsatz
Linux-Magazin 10/2016

Eine Einführung ins Monitoring sowie ein Smartphone-Handbuch

Tux liest

Ganz neu und in Deutsch ist eine Einführung in das leistungsfähige Monitoringsystem Icinga 2 erschienen. Außerdem vermittelt ein Handbuch Bekanntes und weniger Bekanntes für alle Android-Nutzer.

667

Zu Nagios gibt es reichlich Literatur, zu seinem Abkömmling Icinga war bisher in deutschen Buchhandlungen nichts zu haben. Ein aktueller Titel ändert das nun verdienstvollerweise.

Unterhalb des Optimums

Wenig überraschend startet das Buch mit der Installation, die es am Beispiel Centos/RHEL beschreibt. Es hätte nicht geschadet, die Prozedur zumindest auch für SLES sowie Debian/Ubuntu zu erklären (das gilt auch für die spätere Icinga-Web-2-Installation). Zudem vermisst der Leser ein paar Zeilen zur Lösung möglicher Probleme, die bei der Ersteinrichtung auftreten können. Beispielsweise zu SE Linux, das per Default eingeschaltet ist, aber bewirkt, dass das klassische Web-GUI nicht funktioniert.

Solche Tipps wären umso nötiger gewesen, als die Autoren selber Fallstricke ausgelegt haben, die für Ungeübte nicht offensichtlich sind. Das betrifft etwa die falschen Leerzeichen vor Backslashes, die Zeilenumbrüche maskieren, im Listing auf Seite 8. Außerdem weist der Text auch nicht darauf hin, dass und wie der standardmäßig blockierte Port 80 in der Firewall zu öffnen ist, ohne den das Web-GUI unerreichbar bleibt. Kurz: Die vom Installationskapitel erhoffte Unterstützung bei den ersten Schritten kommt nur bruchstückhaft beim Leser an.

Es folgen Kapitel, die jeweils einen wichtigen Aspekt beleuchten – etwa die Überwachung von Betriebssystemressourcen auf entfernten Rechnern, das neue Webinterface, das System der Benachrichtigungen. Der Reihenfolge der Darstellung scheint zwar keine zwingende Logik zugrunde zu liegen, aber die Erklärungen sind reich bebildert, mit Beispielen versehen und gut verständlich. Zumindest wenn man Kleinigkeiten überliest, wie zum Beispiel Substantive, die von Satz zu Satz das Geschlecht wechseln und andere Sprachstolperer mehr.

Kapitel 7 stellt eine Beispielumgebung vor – eine gute Idee, die das praktische Vorgehen verdeutlichen hilft. Doch strapaziert die Aufzählung von über 20 einzelnen Servern auf zwei Seiten das Kurzzeitgedächtnis des Lesers arg. Andererseits sorgt eine gewisse Komplexität für Realitätsnähe. Kapitel 8 widmet sich den Plugins zum Überwachen verschiedener Dienste und von Hardware, inklusive ein paar kurzer Bemerkungen zum Programmieren eigener Plugins.

Das neunte Kapitel stellt Tools für die Visualisierung von Performancedaten vor, Kapitel 10 behandelt die Auswertung von Logdaten. Es verweist darauf, dass man Logdaten üblicherweise puffert, weil der ELK-Stack einer plötzlichen Flut an Meldungen nicht gewachsen ist. Die nötige Konfiguration würde aber "den Rahmen des Buches sprengen". So bleibt der Leser im Regen stehen. Kurze Kapitel über die Überwachung von Geschäftsprozessen und das Reporting runden ein Buch ab, das einerseits zu einem wichtigen Thema viele hilfreiche Informationen zusammenträgt, andererseits in Details noch vom Optimum entfernt scheint.

Für jeden etwas

So gut wie jeder hat heutzutage ein Smartphone, bei rund acht von zehn Usern in Deutschland läuft es unter Android. Doch wie viel Prozent seiner Leistungsfähigkeit kann der Durchschnittsanwender überhaupt nutzen? Wer weiß, was jede Berechtigung bedeutet, die eine App anfordern kann? Wer könnte ein Backup machen und rücksichern? Diese Lücken will "Das inoffizielle Android-Handbuch" schließen, das sich insbesondere an Einsteiger wendet, aber auch Fortgeschrittenen etwas bietet.

In den ersten Kapiteln stellt es zunächst Grundlegendes zur Benutzeroberfläche, zu Apps und Tasks und zum Datenaustausch vor. Sicherheit und die Privatsphäre sind Themen der nächsten Kapitel. Danach folgt eine Art sehr ausführlicher FAQ auf rund 40 Seiten.

Die Infos für Fortgeschrittene hinterlassen dann aber einen etwas zwiespältigen Eindruck. So geht es beispielsweise um die Frage, wie man einen Root-Zugang bekommen kann, und das Buch antwortet: "Das jetzt so zu erklären, dass es für jeden gilt, führt ein wenig zu weit." Das Problem ist klar, wer aber deshalb gleich das Handtuch wirft, enttäuscht den Leser. Weitere Fragen für Android-Profis: Wie werde ich vorinstallierte Apps los? Wie lässt sich das Smartphone tunen? Am Ende ist sicher für jeden Android-Nutzer etwas Interessantes dabei.

Info 1

Lennart Betz, Thomas Widhalm:

Icinga 2

Dpunkt-Verlag, 2016

333 Seiten

37 Euro

ISBN: 978--3-86490-333-3

Info 2

Andreas Itzchak Rehberg:

Das inoffizielle Android-Handbuch

Sybex-Verlag, 2016

272 Seiten

17 Euro

ISBN: 978-3-527-76068-8

Diesen Artikel als PDF kaufen

Express-Kauf als PDF

Umfang: 1 Heftseiten

Preis € 0,99
(inkl. 19% MwSt.)

Linux-Magazin kaufen

Einzelne Ausgabe
 
Abonnements
 
TABLET & SMARTPHONE APPS
Bald erhältlich
Get it on Google Play

Deutschland

Ähnliche Artikel

  • In eigener Sache: Android-Handbuch zu verschenken

    An Leser, die sich für uns als Rezensenten betätigen wollen, haben wir einige Bücher kostenlos abzugeben.

  • Leser rezensieren "Das inoffizielle Android-Handbuch"
  • Bücher

    In den Taschen der Mitmenschen stecken allerhand mobile Geräte und Betriebssysteme. Das erste vorgestellte Buch möchte mit HTML 5 Apps schreiben, die überall dort laufen. Der zweite Titel bringt mit Python und den passenden Bibliotheken dem Computer das Sehen bei.

  • Bücher

    Passend zum Titelthema stellt die Bücherseite einen Band zur Android-Forensik vor. Das zweite Buch ist Scott Meyers' "Effektiv C++ programmieren" in seiner jüngsten deutschen Auflage.

  • Tux liest

    Diesmal gibt es gleich zwei Bücher zur Systemadministration: Das erste Werk heißt "Squid" und bietet eine umfangreiche Anleitung und Referenz zum gleichnamigen Proxyserver. In "Unix-Systemadministration" erhält der Käufer eine Übersicht über die Konfiguration diverser Unix-Betriebssysteme.

comments powered by Disqus

Ausgabe 08/2017

Digitale Ausgabe: Preis € 6,40
(inkl. 19% MwSt.)

Artikelserien und interessante Workshops aus dem Magazin können Sie hier als Bundle erwerben.