Open Source im professionellen Einsatz
Linux-Magazin 09/2016

Aus dem Alltag eines Sysadmin: The Fuck

So 'ne Sch…

In 25 Jahren Linux-Kernel-Geschichte sammelt sich nicht nur viel guter Code an, sondern auch eine Menge Kommentare. Sie können erläuternd, erhellend oder erheiternd sein. Oft genug sind es wilde Flüche. Kolumnist Charly will den Programmierern dies nicht nachmachen und tippt in der Shell lieber "fuck".

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"Fluchen bringt uns solche Erleichterung, welche uns kein Gebet geben kann" (Mark Twain). Bereits 1998 ermittelte Sean Dreilinger die erste Statistik über Schimpfwörter in Linux [1]. Sie zeigt um Kernel 2.1.5 herum einen scharfen "fuck"-Anstieg. Tiefer ins schmutzige Detail geht Vidar Holen ([2], Abbildung 1). Er belegt fast 50 "fuck"-, viele "shit"- und zählt sogar 180 "bastard"-Hits.

Wie oft Linus seinen Mittelfinger gegen einen Hardwarehersteller wie Nvidia erhob, hat leider niemand erfasst. Was robustes Formulieren auf der Kernel-Mailingliste angeht, hat ein Zeithistoriker wohl gerade quantitativ untersucht.

Abbildung 1: Auf der x-Achse sind die Kernelversionen aufgetragen, auf der y-Achse die Häufigkeiten von Wörtern wie Crap (blaue Kurve), Shit (grüne), Penguin (petrolfarbene), Fuck (rote) oder Bastard (violette).

Verflixte Shell!

Das Fluchen sickert vom Kernel auch in andere Systemkomponenten hinein, ein in vielerlei Hinsicht gutes Beispiel ist The Fuck [3], eine halbautomatische Korrekturfunktion für Shelleingaben. Das in Python 3 verfasste Tool installiere ich mit:

sudo apt install python3 python3-dev
git clone https://github.com/nvbn/thefuck
cd thefuck
sudo ./setup.py install

(Alternativ können Leser »thefuck-master.zip« von der Delug-DVD nehmen.) Danach platziere ich noch die Zeile

eval "$(thefuck --alias)"

ans Ende meiner ».bashrc« – und beim nächsten Login ist The Fuck bereit.

Mache ich nun einen Tippfehler, etwa bei »cd ..« ein verschludertes Leerzeichen, so erscheint zunächst das übliche »-bash: cd..: command not found« . Tippe ich nun »fuck« , so schlägt The Fuck mir das richtige Kommando vor und ich muss es nur mit einem Druck auf [Enter] bestätigen:

cd .. [enter/^/V/ctrl+c]

Nun ist »cd..« natürlich ein sehr einfaches Beispiel. Viele haben für die häufigsten dieser Patzer bereits Alias-Einträge angelegt. Mein Lieblings-Alias lautet übrigens:

alias doch='sudo $(history -p !-1)'

Es erspart mir das mühsam unterdrückte Fluchen nach einem vergessenen »sudo« . The Fuck kann aber wesentlich mehr und sorgt sogar dafür, dass man sich bei komplexeren Git-Kommandos nicht in den Fuß schießt. Ergo: Die Welt braucht verflucht noch mal mehr The Fuck, um ein höflicherer Ort zu werden. (jk)

Infos

  1. Linux Kernel Fuck Count: http://durak.org/sean/pubs/kfc/
  2. Linux Kernel Swear Counts: https://www.vidarholen.net/contents/wordcount/
  3. The Fuck: https://github.com/nvbn/thefuck

Der Autor

Charly Kühnast administriert Unix-Systeme im Rechenzentrum Niederrhein. Zu seinen Aufgaben gehören Sicherheit und Verfügbarkeit der Firewalls und der DMZ.

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