Open Source im professionellen Einsatz
Linux-Magazin 08/2016

Werkzeuge im Kurztest

Tooltipps

Im Kurztest: Colum's Cut 2.0, Findwin 0.11, Simpleproxy 3.5, Screenkey 0.9, PHP Server Monitor 3.1.1, Sshcommand 0.4.0

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Das GNU-Tool Cut gehört zu den Coreutils. Es schneidet spaltenweise Ausschnitte aus Textzeilen heraus und kommt in zahllosen Shellskripten zum Einsatz. Colum's Cut, kurz »ccut« , empfiehlt sich als Alternative mit einigen Zusatzfeatures. Da es alle Kommandozeilen-Parameter von »cut« übernimmt, können Admins das Original unkompliziert in Shellskripten ersetzen.

Colum's Cut 2.0

Cut-Alternative mit mehreren Trennern

Quelle: https://github.com/ColumPaget/ColumsCut

Lizenz: GPLv3

Alternativen: Cut

Während Cut nur einen Trenner pro Aufruf akzeptiert, nimmt »ccut« hinter dem Schalter »-d« gleich mehrere Begrenzer entgegen. Da ein Trenner auch aus zwei einzelnen Zeichen zusammengesetzt sein darf, können Benutzer auch Tabulatoren (»\t« ) oder Zeilenumbrüche (»\n« ) als Feldtrenner bestimmen.

Beim Kompilieren des Quellcodes fällt auf, dass »ccut« die Bibliothek »libuseful« benötigt. Sie stammt vom selben Entwickler, ist aber nicht Teil des Archivs, sodass Benutzer sie separat herunterladen müssen. Den »libuseful« -Quellcode kopieren sie ins Verzeichnis »libUseful-2.0« im »ccut« -Ordner und starten den Compiler neu. Das Kontrollskript »check.sh« prüft zum Schluss die eigene Installation.

★★★★★

Während das Tool selbst mit den vielseitigen Trennern punktet, kritisieren die Tester, dass der Hinweis auf »libuseful« im Readme fehlt und das Erstellen aus den Quellen unnötig kompliziert ist. Ein Handbuch, das auch darüber informiert, wäre wünschenswert.

Findwin 0.11

Offene Programmfenster finden

Quelle: http://als.regnet.cz/findwin

Lizenz: GPLv3

Alternativen: keine

Wenn sich etliche Anwendungen auf mehreren virtuellen Desktops tummeln, ist es nicht leicht, den Überblick zu behalten. Wer keine Lust auf das Blättern per [Alt]+[Tab] hat, spürt mit Findwin gezielt Programmfenster auf – egal auf welchem Workspace diese laufen. Voraussetzung für den Einsatz ist, dass der Window Manager den Freedesktop-Standard Extended Window Manager Hints (EWMH) unterstützt. Das gilt etwa für Fluxbox, Openbox, Enlightenment oder auch Sawfish; eine vollständige Liste bietet die Freedesktop-Website.

Findwin benötigt GTK+3 und »libwnck« , damit das Kompilieren klappt. Nach dem Start über das gleichnamige Kommando listet es Symbole aller geöffneten Programmfenster in einem Dialog auf; bei Webbrowsern erscheint der Name des aktuellen Tab. Anwender bedienen das Tool mit der Tastatur, navigieren mit den Pfeiltasten durch die Icons oder tippen den Namen der gesuchten Anwendung ins Eingabefeld am oberen Rand.

Das Tool unterscheidet keine Groß- und Kleinschreibung. Findwin begrenzt bereits beim Tippen die Liste der passenden Anwendungen. Ein Druck auf [Eingabe] – und Findwin wechselt zum gewünschten Programm und dem zugehörigen virtuellen Desktop. Das Fenster hat dann automatisch den Fokus.

★★★★★

Findwin ist ein nützliches Tool für alle, die mit vielen Programmfenstern kämpfen. Die Bedienung ist intuitiv und flott und auf die Tastatur beschränkt.

Simpleproxy 3.5

Einfacher TCP-Proxy

Quelle: https://github.com/vzaliva/simpleproxy

Lizenz: GPLv2

Alternativen: Socat, Squid

Administratoren, die für bestimmte TCP-Verbindungen eine Port-Weiterleitung einrichten möchten und keine Lust auf IPtables-Basteleien haben, greifen zu Simpleproxy. Das Tool leitet eingehende Daten an einen anderen Port auf entfernten Systemen weiter.

Dazu geben Nutzer beim Start hinter »-L« die lokale Adresse und den Port an; hinter »-R« stehen die gleichen Angaben für den Remoterechner. Alternativ notieren sie diese Angaben in einer Konfigurationsdatei und rufen diese über »-f« auf, ein Beispiel liegt im Archiv. In der Voreinstellung läuft der Proxy im Vordergrund. Der Einsatz von »-d« verhindert dies und startet das Tool als Daemon.

Simpleproxy arbeitet optional mit Inetd zusammen, akzeptiert HTTP(S)-Authentifizierungen (»-a« und »-A« ) und leitet POP3-Anfragen von Anwendern weiter, die auf einer mit »-P« übergebenen Nutzerliste stehen. Wer wissen möchte, was im Hintergrund passiert, aktiviert über »-v« das Protokollieren per Syslog. Eigentlich loggt Simpleproxy nur die Metadaten der Verbindungen, erfasst mit »-t« aber alle durchgereichten Daten.

★★★★

Ein Blick ins Github-Repository verrät, dass das Projekt elf Jahre lang brachlag. Seit April dieses Jahres scheint sich wieder etwas zu tun, und das ist gut – das Tool benötigt wenig Ressourcen und ist leicht zu bedienen.

Screenkey 0.9

Tastenkürzel auf dem Desktop einblenden

Quelle: http://www.thregr.org/~wavexx/software/screenkey

Lizenz: GPLv3

Alternativen: Key-mon, Any-Key

Wer Schulungen veranstaltet oder Videotrainings für den Linux-Desktop erstellt, kennt das Problem: Ein optisches Feedback für den Einsatz von Tastenkürzeln ist nicht vorgesehen. Screenkey macht's möglich und zeigt die vom Anwender gedrückten Tasten in einem großen Balken am unteren Fensterrand an.

Das Tool benötigt Python 2.7; eine Unterstützung für Python 3 ist noch nicht vollständig implementiert. Benutzer installieren Screenkey am besten aus den Quellen. Einige Distributionen enthalten in den Paketquellen ein gleichnamiges Programm eines anderen Entwicklers, das seit Jahren nicht gepflegt wird.

In der Voreinstellung präsentiert Screenkey die Tastaturkürzel in weißer Schrift auf schwarzem Untergrund. Dies und die Anzeigedauer, den Ort auf dem Desktop, die Schriftart und -größe sowie das Einbinden von [Umschalt] und Leerzeichen richten Benutzer im Konfigurationsdialog ein. Bei Bedarf kann das Tool auch dauerhaft sichtbar bleiben.

Wer seinen Rechner für einen Vortrag an einen Beamer anschließt, dürfte sich über die Möglichkeit freuen, den Balken auf ein bestimmtes Ausgabegerät zu beschränken. Sondertasten wie [Strg] und [Alt] kann Screenkey entweder im Modus »normal« (Anzeige: »Ctrl+Alt« ), »Mac« (»cmd+alt« ) oder »Emacs« (»C-A« ) darstellen. Ein Blick in die Anleitung lohnt sich, denn hier finden Anwender Tipps zu Schriftarten und Symbolen sowie Multimediatasten.

★★★★★

Bei Screencasts und während Live-Vorführungen macht dieses Tool eine gute Figur und stellt unsichtbare Tastatureingaben anschaulich dar.

PHP Server Monitor 3.1.1

Einfache Monitoring-Lösung

Quelle: http://www.phpservermonitor.org

Lizenz: GPLv3

Alternativen: Monitorix, PHP Sysinfo

PHP Server Monitor überwacht die Verfügbarkeit von Webservern und Netzwerkdiensten, benachrichtigt per Mail, SMS oder Pushover, bietet eine einfache Benutzerverwaltung und arbeitet optional mit Cron zusammen. Das Tool benötigt neben PHP 5.3.7 oder neuer die PHP-Module für Curl und MySQL, einen Webserver und eine MySQL-Datenbank. Zum Installieren kopieren Anwender den Inhalt des Quellarchivs ins Dokumentenverzeichnis des Webservers und rufen im Browser »install.php« auf.

Das Skript prüft dann, ob alle Abhängigkeiten erfüllt sind. Außerdem erfragt es die Verbindungsdaten zur Datenbank und legt einen Admin-Account an. Im Dashboard tragen Nutzer die zu überwachenden Systeme ein. Für jeden Rechner definieren sie eine IP-Adresse und einen Port. Um Websites zu überwachen, geben sie zudem ein Suchmuster an, das dort vorkommen muss. Fehlt es, gilt die Site als nicht erreichbar.

Systemverwalter können außerdem bestimmen, wie lange PHP Server Monitor auf Antworten wartet und wen das Tool wie benachrichtigt. Am einfachsten ist das Verständigen per E-Mail, aber auch SMS-Alarme sind möglich. Das Tool arbeitet mit zehn verschiedenen SMS-Gateways zusammen; leider ist kein deutscher Dienst dabei. Wer Nachrichten per Pushover bevorzugt, benötigt einen Account bei »http://pushover.net« . Damit das Dashboard stets aktuell ist, sollten Admins einen Cronjob einrichten, wie in der Dokumentation beschrieben.

★★★★★

PHP Server Monitor überzeugt mit einer flotten Konfiguration und einem übersichtlichen Dashboard. Die Tester vermissten lediglich eine Unterstützung für ein deutsches SMS-Gateway.

Sshcommand 0.4.0

Kommandos per SSH absetzen

Quelle: https://github.com/dokku/sshcommand

Lizenz: MIT License

Alternativen: SSH

Das kleine Shellskript geht Systemadministratoren zur Hand, die für ihre Benutzer das Absetzen von Befehlen über SSH erleichtern möchten. Diese können dann beispielsweise statt »ssh Benutzer@Server 'ls -l'« das Kommando »ssh ls@Server« absetzen. Admins laden das Tool zunächst auf den Zielrechner und rufen mit Rootrechten »sshcommand create« auf. Dahinter definieren sie den Benutzernamen und das via SSH auszuführende Programm.

Sshcommand fordert »adduser« dazu auf, fehlende Accounts anzulegen. Außerdem erzeugt das Skript das Verzeichnis »~/.ssh« mitsamt der Datei »authorized_keys« . Die Datei »~/.sshcommand« enthält das Kommando. Admins dürfen für jeden Benutzer genau eines einrichten. Benutzer, die Zugang zu dem Rechner haben, können den Befehl aber selbst austauschen.

Mit dem Parameter »acl-add« tragen Admins einen öffentlichen SSH-Schlüssel in die Datei »~/.ssh/authorized_keys« ein. Im gleichen Atemzug deaktiviert Sshcommand dann die Port- und X11-Weiterleitung. Wenn sich der Benutzer nun von seinem Client aus verbindet und das Schlüsselpaar passt, führt er auf dem Zielrechner automatisch den hinterlegten Befehl aus. Beim Aufruf übergebene Parameter reicht der SSH-Server an die Gegenstelle weiter. Der Parameter »acl-remove« entfernt die Rechte wieder.

★★★★★

Das Skript nimmt Admins einige Arbeitsschritte ab, die sie sonst von Hand erledigen müssten. Eine Dokumentation bringt das Tool nicht mit; Anwendungsbeispiele finden sich auf der Github-Seite.

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