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Linux-Magazin 08/2016
© preve beatrice, 123RF

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Kernel 4.7: Polaris, VFS, Skylake-HDMI

Grafik als Treiber

Quantitativ verbucht einmal mehr AMD mit seinem Polaris-Support einen Großteil der Neuerungen von Kernel 4.7 für sich. Qualitativ fließen aber noch weitere interessante Features ein.

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Ende Mai veröffentlichte Linus Torvalds Linux 4.7-rc1, die erste Vorabversion des nächsten Kernels. Die Entwicklungsphase beschreibt der Finne als ruhig [1], die im Merge-Window eingegangene Codemenge als durchschnittlich.

Nach wie vor dominieren GPU- und Netzwerktreiber die Codebeiträge. Der kommende Linux-Kernel bietet zum Beispiel eine initiale Unterstützung für AMDs angekündigte Polaris-Grafikchip-Generation, bringt aber auch vier neue ARM-Treiber mit. Gamer dürfen einen neuen Controller in Betrieb nehmen.

Dateisysteme

Im Vergleich dazu fallen die laut Torvalds "ziemlich tiefgreifenden Änderungen" am VFS-Layer hinsichtlich der Codemenge eher gering aus. Es seien dennoch die größten konzeptionellen Änderungen seit Langem, bemerkte der Kernel-Vater. Sie erlauben es Dateisystemen, parallel in demselben Verzeichnis »readdir()« -Funktionen aufzurufen und lediglich nach Teilen eines bestimmten Dateipfades zu suchen.

Des Weiteren bringt der erste Release Candidate von Linux 4.7 kleine Verbesserungen am Copy-on-Write-Dateisystem Btr-FS sowie an Samsungs Flash-Friendly-Filesystem (F2FS) mit. Fürs Erstere kündigte Oberhäuptling Chris Mason hauptsächlich Code- und Fehlerbereinigung an. Beim Bau stapelbarer Dateisysteme mittels Overlay-FS lassen sich die beiden neuen Modi »RENAME_WHITEOUT« und »RENAME_EXCHANGE« des »rename()« -Syscall nutzen. So kann Btr-FS als oberer Layer von Overlay-FS agieren.

Neben einem kompatibilitätsbedingten zweiten Kryptopräfix »fscrypt:« (der erste heißt »f2fs:« ) gibt es für das Flash-Dateisystem einige Fehlerbereinigungen sowie zusätzliche Verbesserungen, die zu einem Leistungsschub in bestimmten Szenarien führen.

Wie Dachziegel

Im Storage-Bereich beherrschen Festplatten, die Shingled Magnetic Recording (SMR, [2]) unterstützen, dank Kernel 4.7 nun auch die Zoned-device ATA Commands (ZAC). Das Zonenmodell erzielt höhere Speicherdichten, was die gesamte Speicherkapazität steigert, weil sich Spuren wie Dachziegel überlappen.

Während sich der Support für neuere Thunderbolt-Geräte und -Controller auf Glasfaserbasis in Linux kontinuierlich verbessert, unterstützt der Kernel den Kupfer-basierten Light Ridge Controller der ersten Generation aus dem Jahr 2010 bislang nicht. Das ändert sich nun, weil ein Patch mit nur wenigen Zeilen einige der lange bestehenden Probleme löst. Der Controller ist in Geräten der Baureihen I-Mac, Mac Mini und Macbook Pro der Jahre 2011 und 2012 verbaut.

Das Audio-Subsystem im Kernel kommt jetzt mit Skylake-HDMI zurecht und unterstützt von den Firewire-Geräten die M-Audio-Profire-Serie. Der USB-Audio-Support funktioniert künftig auch für USB-3-Superspeed-Plus-Geräte. Zudem unterstützt Linux 4.7 die Realtek-Codecs ALC234, ALC274 und ALC294.

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