Open Source im professionellen Einsatz
Linux-Magazin 08/2016
© leeavison, 123RF

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Myth-TV, Kodi, Plex, OSMC und DVB-Link im Test

Betreutes Fernsehen

Fernsehsendungen sehen und aufzeichnen, HD-Videos streamen, Musik hören, Bilder betrachten und noch einige Tricks mehr versprechen freie und kommerzielle Mediacenter-Programme für Linux-PCs, aber auch für den Raspberry Pi. Die Bitparade holt sich fünf Kandidaten ins heimische Wohnzimmer.

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Computertechnik und Unterhaltungselektronik wachsen immer weiter zusammen. So nimmt es nicht Wunder, dass es neben den herkömmlichen multimedialen Computerprogrammen inzwischen ganze Softwaresuiten gibt, die den Computer im Verbund mit einem HDMI-fähigen Fernseher oder gar Beamer sowie einem leistungsfähigen Soundsystem zur Heimkino-Schaltzentrale umrüsten.

Der Anwender sieht damit nicht nur Bilder und Filme an, sondern hört Musik, streamt Inhalte aus dem Internet und zappt durch das Fernsehprogramm. Aufnahme- und Bearbeitungsfunktionen lassen kaum noch Wünsche offen, dagegen haben es konventionelle DVD-Player, Festplattenrekorder oder HI-FI-Anlagen schwer.

Doch aufgrund der großen Auswahl an Heimkino-Software im Linux-Bereich stellt sich für den Interessenten erst einmal die Frage, welches Mediacenter sich für ihn eignet. Um die Qual der Wahl abzukürzen, vergleicht das Linux-Magazin mit Myth-TV [1], Kodi [2], Plex Mediaserver [3], OSMC [4] und DVB-Link [5] fünf führende kommerzielle und freie Mediacenter-Lösungen, die nahezu jeden Bedarf abdecken.

Grundsätzliches

Will die angehende Couch-Kartoffel ihren künftigen Mediacenter-PC auch zum Empfang von Fernsehsendungen nutzen, braucht sie zunächst einen entsprechenden TV-Empfänger mit Linux-Support. Einige der gängigen DVB-Empfänger laufen mangels passender Module nicht unter Linux. Es empfiehlt sich, im Vorfeld zu prüfen, ob Linux Treiber für das ins Auge gefasste Gerät mitbringt. Als erste Anlaufstelle hierbei dient das Wiki des Linux-TV-Projekts [6], das über eine umfangreiche Hardwaredatenbank verfügt. Die enthält auch wertvolle Installationshinweise, da der User mancherorts für DVB- und Analog-TV-Komponenten noch proprietäre Firmware in das Mediacenter integrieren muss.

Ein weiterer Stolperstein taucht auf, möchte der User auf einem bereits bestehenden Linux-System manuell Mediacenter-Applikationen nachinstallieren. Da die Multimedia-Software meist als Client-Server-Applikation arbeitet, zieht Linux häufig noch die üblichen Verdächtigen hinterher, etwa Apaches Webserver, PHP 7 oder das MySQL-Datenbank-Backend. Hierbei treten unter Umständen Probleme auf, die unerfahrene Anwender überfordern und erfahrene nerven.

Beiden Gruppen sei geraten, zu dedizierten Mediacenter-Distributionen zu greifen. Die stimmen die einzelnen Komponenten optimal aufeinander ab und konfigurieren sie vor. Speziell angepasste Installationsroutinen integrieren oft auch gleich die Netzwerkdienste ins System.

Ubuntu als Basis

Als Basis dieser Distributionen dient meist Ubuntu. Das ist weit verbreitet und verfügt dank der zahlreichen Ubuntu- und Debian-Entwickler über eine sehr gute Treiberabdeckung. Zugleich pflegen die Entwickler die LTS-Varianten über einen relativ langen Zeitraum, sodass der Mediacenter-PC einen langfristig stabilen Unterbau erhält.

Tabelle 1

Funktionsübersicht der Mediacenter

 

Myth-TV

Kodi

Plex Mediaserver

OSMC

DVB-Link

DVB-T/T2

ja

ja

ja

ja

ja

DVB-S/S2

ja

ja

ja

ja

ja

DVB-C

ja

ja

ja

ja

ja

Analog-Support

ja

ja

ja

ja

nein

HD-Unterstützung

ja

ja

ja

ja

ja

Werbung ausblenden

ja

eingeschränkt

eingeschränkt

eingeschränkt

nein

Zeitgesteuerte Aufnahmen

ja

ja

ja

ja

ja

EPG-Programmführer

ja

ja

ja

ja

ja

DVD ansehen und archivieren

ja

ja

ja

ja

nein

Kindersicherung

ja

ja

ja

ja

nein

Digitale Musiksammlungen

ja

ja

ja

ja

nein

Bildersammlungen

ja

ja

ja

ja

nein

Client-Server-Struktur

ja

ja

ja

ja

ja

Webadministration

ja

ja

ja

ja

ja

Erweiterbar durch Add-ons

ja

ja

ja

ja

ja (Clients)

Apps für mobile Geräte

inoffiziell

ja

ja

ja

ja

Fernbedienung nutzbar

ja

ja

ja

ja

ja

Aber Obacht: Ubuntus grafischer Installationsassistent Ubiquity bietet gleich zu Beginn die Option an, Drittanbieter-Software in das System zu integrieren. Dazu zählen das MP3-Plugin oder die wegen gravierender Sicherheitsmängel allmählich aus der Mode kommende Flash-Technologie von Adobe. Diese Möglichkeit sollte nutzen, wer die verschiedenen proprietären Codecs nicht später umständlich nachinstallieren will.

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