Open Source im professionellen Einsatz
Linux-Magazin 07/2016
© imtmphoto, 123RF

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Libre Office Online & Owncloud

An einem Strang

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Eine Kooperation der britischen Softwareschmiede Collabora und des Owncloud-Projekts bringt Libre Office in die Cloud. Das Linux-Magazin hat die Entwicklerversion getestet und zeigt, was die Online-Officelösung für Anwender bereithält.

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Teamwork in Unternehmen und Community-Projekten erfordert heute nicht mehr die zwingende Anwesenheit in Besprechungsräumen oder langwierigen Telefonkonferenzen. Moderne Cloudlösungen erlauben dezentrales Arbeiten – ob im Büro, Homeoffice oder Strandcafé. Gefragt sind vor allem Standard-Office-Anwendungen wie Textverarbeitungen, Präsentationstools und Tabellenkalkulationen. Die Programme sehen im Webbrowser idealerweise genauso aus wie auf dem Desktop und bieten neben den Grundfunktionen auch zeitgleiches Bearbeiten von Dokumenten und eine Versionskontrolle.

Microsoft Office Online [1] und Google Drive [2] haben sich in den letzten Jahren im Markt etabliert. Konkurrenz bekommen die großen Spieler nun aus dem Hause Collabora [3]. Die Firma aus Cambridge integriert Libre Office Online in den Owncloud-Server [4] und stellt die freie Bürosuite damit auf eine solide Filehosting-Basis. Im Dezember 2015 kündigten die Partner ihre Kooperation an [5] und veröffentlichten kurz darauf eine erste Entwicklerversion der Plattform- und Geräte-unabhängigen Software. Die Collabora Online Development Edition (CODE) richtet sich an Entwickler und fortgeschrittene Anwender, die Lust zum Testen und Mitarbeiten haben.

An die Arbeit

Die Entwicklerversion ist als virtuelle Maschine kostenlos erhältlich [6], erfährt allerdings keinen Support durch den Hersteller. Anwender benötigen Virtualbox [7], um CODE in Betrieb zu nehmen. Als Template für die neue VM wählen sie »openSUSE (64 Bit)« und binden dann die VMDK-Datei als virtuelle Festplatte ein. In den Netzwerkeinstellungen wählen sie die »Netzwerkbrücke« aus. Danach ist das System startbereit. Nach dem Booten verrät das System, unter welcher URL Owncloud und damit die Collabora Cloud Suite erreichbar ist.

Die Tester griffen von unterschiedlichen Clients aus auf das Webinterface zu. Sie verwendeten aktuelle Firefox- und Chrome-Versionen unter Debian 8.4 und Ubuntu 16.04 (beide 64 Bit), unter Windows 10 (32 und 64 Bit) und Windows 7 (64 Bit) sowie OS  X 10.11.4. Als mobile Geräte kamen ein iPhone 6 Plus mit I-OS 9.3 (Safari-Browser) und ein Tolino Shine 8.9 mit Android 4.2.2 (Standard-Android-Browser und Google Chrome) zum Einsatz.

Die Collabora Cloud Suite ermöglicht in dieser frühen Version bereits das grundlegende Bearbeiten in den drei Office-Modulen Writer, Calc und Impress. Kommende Ausgaben sollen unter anderem auch fortgeschrittene Editierfunktionen und gemeinschaftliches Arbeiten an Dokumenten unterstützen.

Neben den Open-Document-Dateitypen ODT, ODP und ODS versteht Libre Office Online auch die Microsoft-Office-Formate DOC(X), PPT(X), XLS(X). Support für Apple Pages und Numbers sowie RTF ist bei den Features zwar schon aufgeführt, es gelang im Test aber nicht, diese Dokumente zu öffnen.

Der Systemverwalter meldet sich am Webinterface mit dem Benutzernamen »admin« und dem Kennwort »admin« an. Das Menü rechts oben bietet nicht nur Zugriff auf die persönlichen Einstellungen, sondern auch auf das Administrations-Interface, das unter anderem Benutzer und Gruppen verwaltet (Abbildung 1). Auch unprivilegierte Anwender haben Zugriff auf das Menü rechts oben, pflegen dort die persönlichen Einstellungen, rufen die Onlinehilfe auf und melden sich wieder ab.

Abbildung 1: In der Benutzerverwaltung fügt der Admin neue Benutzer und Gruppen hinzu, bestimmt Gruppen-Administratoren und eine Quota für die Anwender.

Das Menü links oben bietet Einträge für die Listenansicht aller Dateien und Ordner (»Dateien« ), die eigenen oder alle Aktivitäten sowie die Bildergalerie. Der Punkt »Collabora Online« führt schließlich ins virtuelle Büro. Die Entwicklerversion enthält einige Beispieldokumente. Über Schaltflächen auf der linken Seite entstehen neue Writer-, Calc- und Impress-Dokumente. Hier gibt es auch einen Knopf, der Dateien von der Festplatte in die Cloud bringt.

In dieser Symbolansicht (Abbildung 2) ist es nicht möglich, Objekte umzubenennen oder zu löschen. Diese Funktionen erreichen Benutzer in der Listenansicht. Per Klick auf die drei kleinen Punkte klappen sie ein Menü aus, das Details einblendet, neue Namen vergibt, Objekte herunterlädt oder in den Papierkorb (»Gelöschte Dateien« unten links) verschiebt. Möglichkeiten, Kopien oder Verknüpfungen anzulegen, fehlen.

Abbildung 2: Unter Collabora Online finden Anwender nicht nur vorhandene Dokumente, sondern auch Schaltflächen, um neue Dokumente zu erstellen.

Writer

Das Erzeugen neuer Dokumente in der Textverarbeitung gelang im Test genauso gut wie das Bearbeiten vorhandener. Beim Importieren von DOC(X)-Dateien leistete sich die Collabora Cloud Suite keine Patzer, auch Kopf- und Fußzeilen oder Dokumente mit eingefügten Bildern stellten die Software vor keine Probleme. Anwender klicken ins Dokument, um Text einzufügen. Ein Doppelklick markiert wie gewohnt ein Wort, ein dreifacher Klick die Zeile. Alternativ wählen Benutzer Bereiche durch Ziehen mit der Maus aus. Der so selektierte Text erhält zwei Schieber, die Anfang und Ende des markierten Bereichs kennzeichnen (Abbildung 3). Über diese Anfasser können Anwender die Markierung zeichengenau zurechtrücken.

Abbildung 3: Die Textverarbeitung Writer bietet derzeit genau wie die anderen Module nur grundlegende Formatierungsoptionen. Markierter Text ist deutlich zu erkennen.

Zum Formatieren bietet Writer in der Symbolleiste einige grundlegende Einstellungen als Icons: Fett, Kursiv, Unterstrichen, Durchgestrichen, Schriftfarbe und Hervorhebungen. Anwender können darüber hinaus die Schriftart und -größe, Textausrichtung, Aufzählungs- und Nummerierungszeichen setzen. Formatvorlagen stehen im Dropdown-Menü nur dann zur Verfügung, wenn Nutzer das Dokument im Webinterface respektive mit der Desktopversion von Libre Office erstellt haben. Importierten DOC(X)-Dateien können sie nachträglich keine anderen Formatvorlagen zuweisen.

Ein Klick auf das Symbol mit dem Fragezeichen rechts oben öffnet einen Dialog, der alle Shortcuts auflistet. Allgemeine Tastenkürzel wie [Strg]+[Z] (rückgängig), [Strg]+[Y] (wiederherstellen) und [Strg]+[X] (ausschneiden) arbeiten genau wie in der Desktopvariante. Auch die Shortcuts zum Formatieren ([Strg]+[B] für Fett, [Strg]+[I] für Kursiv, [Strg]+[U] für Unterstrichen, [Strg]+[1] für Überschrift 1, [Strg]+[2] für Überschrift 2 und so weiter) haben die Entwickler aus der Desktopversion übernommen.

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