Open Source im professionellen Einsatz
Linux-Magazin 07/2016
© Somchai Suppalertporn, 123RF

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Im Test: Papeeria, Share Latex, Overleaf

Latex-Quellen

Autoren, die Dokumentation oder Bücher mit Latex in Form bringen möchten, können dazu inzwischen auch Onlinedienste anzapfen. Es genügt, einen modernen Browser parat zu haben. Dank der Onlinedienste läuft das Satzprogramm nicht nur auf allen Geräten, sondern sie machen Latex auch noch teamfähig.

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Wer die Vorteile eines Satzprogramms wie Latex [1] kennt und schätzt, möchte damit nicht nur all seine Texte verfassen, sondern dies auch auf jenen Geräten tun, die er im Alltag mit sich herumträgt. Zwar existieren für Tablets und Artverwandte diverse Installationsmöglichkeiten, häufig steht einem solchen Vorhaben jedoch eine Fülle von Problemen entgegen. Selbst Kundige erreichen das Ziel nicht immer, wenn auf der Zielplattform keine Apps wie Tex Writer [2] oder Verb Tex [3] laufen.

Die Idee, Latex online im Browser zu nutzen, erscheint daher als einfache und elegante Lösung. Zumal sie Möglichkeiten bietet, in Gruppen zusammenzuarbeiten und ausgefeilte Mechanismen zur Versionierung mitbringt. Ob die Arbeit mit den Onlinediensten tadellos funktioniert oder ob sich der User schmerzlichen Einschränkungen unterwerfen muss, die ihm das Texten verleiden, prüft diese Bitparade stichprobenartig anhand der drei Kandidaten Papeeria [4], Share Latex [5] und Overleaf [6]. Sie alle rühmen sich ihrer Bekanntheit bei Hunderttausenden Nutzern, alle drei haben seit Jahren in diesem Segment überlebt.

Das ist nicht selbstverständlich. Einen solchen Service aufzubauen, unter die Leute zu bringen und dauerhaft anzubieten, gelingt nicht jedem, wie die mahnenden Beispiele Fidus Writer [7], Fly Latex [8], Spandex [9], Latex Lab [10] sowie Monkey Tex [11] belegen.

Das muss drin sein

Technisch ähneln sich die hier getesteten Onlinedienste in ihrer Vorgehensweise ziemlich stark:

  • Sie installieren auf einem Linux-Server als Standard-Latex eine oder mehrere Ausgaben von Tex Live [12].
  • Auf diesem Server landen die zu bearbeitenden Dateien der Benutzer in deren Dokumentenverzeichnissen. Im Anschluss speichert der Dienst sie dort regelmäßig ohne ihr Zutun.
  • Benutzer bearbeiten die Dateien anschließend aus der Ferne über den Online-Editor im Browser. Der Editor erlaubt es zugleich, eine Datei mit mehreren Benutzern zu teilen.
  • Ein Online-PDF-Viewer zeigt das auf dem Server kompilierte Latex-Dokument an. Der Kompiliervorgang gleicht dabei dem, den auch eine lokale Installation für Latex anbietet.

Dieses einfach anmutende Konzept lässt sich technisch offenbar nur mit Aufwand umsetzen, was die Vielzahl an Technologien im Einsatz zeigt. Die Macher setzen die Online-Editoren meist als asynchrone Javascript-Anwendungen um.

Im Rennen

Die Testdaten kamen aus zwei bestehenden Latex-Projekten. Die wurden hochgeladen, online kompiliert und die Ergebnisse im Detail überprüft. Der Artikel behandelt dann die Freigabe für Mitarbeiter sowie die zeitgleiche Arbeit mehrerer Benutzer an derselben Datei.

Will ein Nutzer neue Projekte erzeugen,bieten die Dienste ihm üblicherweise eine Fülle an Templates an. Die decken im Wesentlichen Dissertationen und Artikel für wissenschaftliche Zeitschriften ab. Der Umfang solcher Dateivorlagen soll jedoch kein Kriterium für oder gegen einen Dienst sein. Da sich alle Latex-Dienste wie lokale Installationen verhalten, genügt es, ein beliebiges Template im Dokumentenverzeichnis des Benutzers abzulegen. Latex findet es und bindet es ein. Gleiches gilt für Latex-Pakete, die der User beim Kompilieren nachladen möchte. Sind sie nicht vorinstalliert, genügt es, sich diese im Internet zu besorgen und sie in das Dokumentenverzeichnis zu schieben.

Ein Blick auf die angebotenen Templates dürfte auch Leser interessieren, die nicht mit solchen Diensten arbeiten. Sie zeigen, welche Fülle an unterschiedlichen Textsorten (vom Adventskalender bis hin zu Grußkarten) Latex auch abseits wissenschaftlicher Texte beherrscht. Ein Manko ist – das gilt für alle hier beschriebenen Dienste –, dass den Templates keine Hinweise auf die Latex-Optionen zum Kompilieren beiliegen. Vermutlich verwandeln Anwender die meisten mit Pdflatex und nur wenige mit Xelatex in funktionierende PDF-Dateien.

Alle drei Dienste bieten übrigens einen kostenlosen Zugang an, der entweder die Nutzungsdauer oder den Funktionsumfang gegenüber den Bezahlvarianten einschränkt.

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