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Linux-Magazin 06/2016
© Sebastian Duda, 123RF

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Kernel 4.6: Orange-FS, ARM-SoC-Support, Energie sparen

Cocktail mit Orange

Wegen Überfüllung geschlossen: Im Merge-Window für Linux 4.6 floss so viel Code zusammen, dass Linus Torvalds es vorzeitig schloss. Eine der neuen Zutaten ist das Big-Data-Dateisystem Orange-FS.

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Beim Veröffentlichen des ersten Release Candidate von Linux 4.6 [1] erklärte Linus Torvalds seine Entscheidung, das Zeitfenster für Code-Einreichungen diesmal einen Tag früher als sonst zu schließen. Neben seinen Reisevorbereitungen hätte er im Merge-Window so viele Codebeiträge erhalten wie schon lange nicht mehr. Die vorgezogene Schließung verhinderte ein weiteres Ausufern der Beiträge. Trotz der großen Codemenge sei der Weg zur Kernelversion 4.6-rc1 "ziemlich schmerzfrei" und "ohne größere Konflikte" verlaufen.

ARM-SoCs en masse

Wie so oft machen diverse Updates für Grafikkartentreiber rund zwei Drittel der Änderungen aus, doch es gibt auch Bewegung jenseits der Grafik. So unterstützt Linux 4.6 eine Reihe neuer SoCs. Laut Linux-Kernel-Mailingliste sind das: Axis Artpec-6 (»artpec6« ), TIs Keystone-k2g (»k2g« ), Mediateks MT7623 (»mt7623« ), Allwinners A83T (»a83t« ), Annapurna Labs Alpine (»alpine-v2« ), NXPs i.MX6QP (»imx6qp« ), Marvells Armada 3700 (»armada-37xx« ), Marvells Armada 7000/8000 (»armada-7xxx/8xxx« ), Amlogics S905 (»meson-gxbb« ), Qualcomms Snapdragon 820 (»msm8996« ), Socionexts Uniphier (»uniphier-ph1« ), ARMs Juno Development Platform (»juno-r2« ) und Broadcoms Vulcan (»vulcan« ).

Hinzu kommt Support für einige Boards und Geräte, zu denen auch Buffalos Linkstation LS-QVL/LS-GL, Cubietrucks Cubieboard 5, D-Links Dir-885L und Googles Nexus 7 gehören.

Updates erhielt auch die ARM64-Plattform, einige davon bezeichnete der ARM-Entwickler Catalin Marinas als "relativ tiefgreifend". Stellvertretend nannte er die Unterstützung für die Kernel Address Space Layout Randomization (KASLR), die mehr Sicherheit verspricht.

Frequenzen im Griff

Updates am Powermanagement betreffen unter anderem CPU Frequency Scaling (»cpufreq« ) und Intels P-State-Treiber. Dank ihnen regelt der Kernel CPU-Frequenz-Updates anders. Anstatt für jede CPU einen verzögerbaren Timer zu konfigurieren, der periodisch die Frequenz anschaut und gegebenenfalls ändert, setzen die »cpufreq« -Governors Callbacks auf, die der Scheduler regelmäßig abfragt. Das verhindert Overhead beim Verwalten der Timer. Die Änderungen vereinfachen den »cpufreq« -Governor-Code. Geplant ist zudem ein neuer »cpufreq« -Governor, der Entscheidungen auf Basis der Gebrauchsdaten des Schedulers fällt.

Von Ingo Molnár kamen Scheduler-Patches. Eine einfache Warteschlange (Simple Waitqueue, kurz: »swait« ) verzichtet auf viele der zusätzlichen Funktionen komplexer Warteschlangen. Sie lastet den Speicher weniger aus, arbeitet schneller und weckt etwa die virtuellen CPUs von KVM auf.

Ein weiterer Pull Request von Molnár führt eine Address Space Layout Randomization (ASLR) für 32-Bit-Programme ein. Wie die KASLR erschwert sie es Angreifern, Sicherheitslücken auf solchen Systemen auszunutzen.

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