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Linux-Magazin 06/2016

Monitoring und Shell-Programmierung sind diesmal die Stichworte der Bücherseite

Tux liest

Zwei Bücher zu Kernaufgaben der Systemadministration – eins zur Programmierung von Shellskripten, das andere zu einer bekannten Monitoringsoftware.

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"Shell-Programmierung" lautet der Titel, aber der Untertitel "Das umfassende Handbuch" deutet den Ehrgeiz schon an, das Thema weiter zu fassen. So gehört die Syntax von Shellskripten sicher zum Kern des Stoffes, zudem Variablen, Parameter und Argumente von Skripten sowie die Initialisierung des Environment oder Shellfunktionen. Aber »grep« oder »sed« , geschweige denn »awk« sind eigentlich eigenständige Kommandos respektive Sprachen, wenngleich sie öfter in Shellskripten auftauchen.

Das trifft erst recht auf Dutzende Kommandos zu, die das 100 Seiten starke Kapitel 14 "Linux/Unix-Kommandoreferenz" auflistet. Bei jedem ist die auf jedem Linux-System vorrätige Manpage allerdings umfangreicher, was die Sinnfrage stellt. Genauso haben das »dialog« -Utility oder »gnuplot« nicht viel mit Shellprogrammierung zu tun, trotzdem ist ihnen jeweils ein eigenes Kapitel gewidmet.

Alles auf einmal

Das Gute an diesem erschöpfenden Ansatz ist, dass der Leser alles aus einer Hand erhält und sich über benachbarte Gebiete informieren kann, ohne weitere Bücher kaufen zu müssen. Es gibt aber auch einen Nachteil: Weil der Umfang praktische Grenzen hat, fallen manche Erläuterungen zu Nebenthemen zwangsläufig so spartanisch aus, dass ihr Nutzen minimal ist. Ein Beispiel ist das Awk-Kapitel (nicht umsonst gibt es eigene Awk-Bücher). Seine knappen Erläuterungen beziehen sich auf ein Beispiel, das als reine Fingerübung keinen praktischen Wert im Admin-Alltag hat.

Überhaupt hätte man sich hier und da einen Schuss mehr Praxis gewünscht, etwa bei den Beispielen – die es im Übrigen reichlich gibt. Doch nur wenige lassen sich ausschnittweise direkt in eigene Projekte transplantieren. Komplexere Lösungen für praktisch relevante Probleme finden sich hauptsächlich in den Lösungsvorschlägen der Kontrollaufgaben im Anhang.

Die für den Shellprogrammierer unverzichtbaren Themen werden ausführlich, vollständig und auch gut verständlich präsentiert. Das Werk eignet sich dank eines umfangreichen Registers zudem auch zum Nachschlagen. Alles in allem ist es eine Empfehlung wert.

Modernes Monitoring

Nachdem es etliche Titel zum Konkurrenten Nagios und dessen Ablegern gibt, wurde es Zeit für ein deutschsprachiges Buch über Zabbix, eine ebenfalls verbreitete Monitoringlösung unter Linux und anderen Betriebssystemen. Ein solches Werk liegt nun vor. Den Einstieg findet der Autor wenig überraschend mit der Installation.

Die Vielzahl der Systeme und Versionen macht es ihm zugegebenermaßen nicht einfach, die gefundene Lösung aber kann nicht ganz zufriedenstellen. Ein aktuelles Zabbix lässt sich unter Ubuntu nicht so installieren, wie es Abschnitt 4.5.2.1 beschreibt. Es fehlt etwa das Anlegen der nötigen Datenbank (für RPM-Pakete wird das komischerweise beschrieben). Wer diese Hürde genommen hat, gelangt per Schnelleinstieg zum ersten überwachten Host, den ersten Checks und weiter zu einfachen Abfragen und solchen, die der Zabbix-Agent unterstützt.

Ein kaum vermeidbares Problem ist dabei der schnelle Fortschritt: Während das Buch noch auf Versionen vor 2.0 Rücksicht nimmt, ist die Entwicklung aktuell bei Version 3.0.2 angelangt, auf die das Buch zwar ebenfalls verweist – beispielsweise wenn es um Verschlüsselung geht –, bei der es aber nicht immer alle Unterschiede zu Vorversionen mitvollzieht. So sind etwa die Screens in der neuesten Version im Hauptmenü unter »Monitoring« zu finden und nicht mehr wie im Buch unter »Configuration« .

Weitere Kapitel beschäftigen sich mit der Visualisierung (Graphen und Screens), mit der Überwachung mit speziellen Techniken (SNMP, IPMI, eigene Skripte) und mit speziellen Komponenten (Windows, ESX, Datenbanken). Die Erläuterungen sind durchweg eingängig, ausführlich und praxisbezogen. Auch fortgeschrittene Themen wie Distributed Monitoring, das Zabbix-API oder das Monitoring großer Umgebungen kommen nicht zu kurz.

Zusammengefasst: Ein sehr empfehlenswertes Buch für alle, die sich Zabbix näher ansehen wollen. Wer sich dafür entscheidet, wird auf das Buch auch gerne als Nachschlagewerk zurückgreifen.

Info 1

J. Wolf, S. Kania:

Shell-Programmierung 5. Auflage

Rheinwerk Computing, 2016

820 Seiten, 40 Euro

ISBN: 978-3836240871

Info 2

Thorsten Kramm:

Monitoring mit Zabbix

Dpunkt-Verlag, 2016

432 Seiten

39 Euro

ISBN: 978-3864903359

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