Open Source im professionellen Einsatz
Linux-Magazin 06/2016
© Potapova-Valeriya, 123RF

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Remote-Desktop-Anwendungen

Fernbeziehung

Remote-Desktop-Anwendungen erlauben den Fernzugriff auf Rechner inklusive Desktop-Sharing. Abhängig vom Protokoll beherrschen sie noch etliche Zusatzfunktionen. Das macht sie sowohl im privaten als auch im beruflichen Bereich zu nützlichen Helfern. Die Bitparade wirft einen Blick auf einige Kandidaten.

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Zickt Omas Arbeitsrechner aus den 1990er Jahren mal wieder rum und wäre der Besuch der alten Dame mit einer Fernreise verbunden, schlägt die Stunde von Remote-Desktop-Software. Mit ihr reparieren Freizeitadmins die Desktops entfernter Verwandter. Die Software macht sich auch in Unternehmen nützlich, wollen diese aus der Ferne Support für ihre Kunden leisten. Eine zentrale Funktion ist das Desktop-Sharing: Will der Entwickler den Kollegen die neue Website vorführen, teilt er seinen Desktop unkompliziert mit ihnen.

Letztlich lassen sich grob zwei Arten von Remote-Desktop-Anwendungen unterscheiden, wobei die Definitionen fließend sind. Bei Remote-Desktop-Anwendungen, die auf Virtual Network Computing (VNC) setzen, dient ein Rechner als Server. Er schickt das Bild seines Desktops als komprimierte Bitmap an den Client. Die Programme laufen auf dem Server, der Nutzer bedient sie am Client, indem dieser Mausbewegungen und Tastatureingaben an den Server schickt.

Anwendungen, die auf RDP-artige oder proprietäre Protokolle setzen, schicken beim Desktop-Sharing als Terminalserver Bildschirminhalte in Form von Primitiven, einer Mischung aus Bildern und Informationen, über das Netzwerk an einen, aber auch an mehrere Clients (Multichannel). Auch den Desktop-Sound übertragen sie bei Bedarf. Die Nutzer arbeiten dann, allein oder parallel zu anderen Usern, auf dem Desktop des Servers, als säßen sie direkt davor.

Beide Softwarekategorien überschneiden sich in ihrer Funktionalität. Neuere Software ermöglicht es etwa, zugleich zu chatten, Dateien zu senden, über das Internet zu telefonieren sowie Videos zu übertragen. Diese Bitparade analysiert die Harmonie der Fernbeziehungen von Real-VNC [1], Tight-VNC [2], Teamviewer [3], Anydesk [4], NX [5] und dessen freiem Ableger X2go [6], vergleicht Funktionen und Leistungsfähigkeit und betrachtet die Technik dahinter.

VNC: Framebuffer voraus

Real-VNC und Tight-VNC gehören zu einer Gruppe von Remote-Desktop-Anwendungen, die sich des Virtual Network Computing (VNC, [7]) bedienen. Die grundlegende Technik hinter VNC ist das plattformunabhängige Remote Framebuffer Protocol (RFB, [8]). Da es auf der Framebuffer-Ebene arbeitet, funktioniert es für Fenster-basierte Systeme wie Windows, OS X oder X11, ermöglicht aber auch plattformübergreifende Verbindungen. RFB überträgt die Bildschirminhalte als Bitmaps, wobei der Server auf einen Client-seitigen »FramebufferUpdateRequest« jeweils nur mit den Änderungen seit der letzten Anfrage antwortet (»FrameBufferUpdate« ).

Im Gegensatz zu den VNC-Vertretern setzen die Fernwartungstools Teamviewer und Anydesk auf proprietäre Protokolle. No Machines NX und die freie Implementierung X2go fallen technisch betrachtet eher in die Kategorie Terminalserver, erfüllen aber ebenfalls den Zweck eines Remote-Desktop-Programms. Ihr Vorteil gegenüber VNC besteht darin, dass sie den Datenverkehr komplett verschlüsseln. Im Gegensatz zu einigen VNC-Anwendungen müssen ihre Nutzer zudem keine Portweiterleitung manuell einrichten, falls der entfernte Rechner nicht im lokalen Netzwerks hängt.

Vielseitige Verwendung

Die Anwendungsgebiete von VNC sind vielfältig. Außendienstmitarbeiter verbinden sich über das Protokoll mit ihren Unternehmensfilialen. Da nicht alle VNC-Varianten verschlüsseln, sichern die Admins solche Sitzungen oft mit Hilfe von SSH-Tunneln ab. Damit erschlagen sie auch gleich das Problem der Portweiterleitung. Unternehmen mit vielen Außendienstlern sparen dank kostenfreier VNC-Clients Geld, denn für Tools wie Teamviewer oder Anydesk fallen im kommerziellen Einsatz Gebühren an. Zugleich bleibt der Datenaustausch unter eigener Kontrolle.

Auch Server, die eine grafische Oberfläche benötigen, steuert der Admin per VNC. Der Hypervisor Virtualbox bietet VNC an, um eine virtuelle Maschine ohne Display (Headless) zu betreiben [9].

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