Open Source im professionellen Einsatz
Linux-Magazin 05/2016
© Brandon Seidel, 123RF

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Alternativen zu Hip Chat und Slack

Schnatterinchen

Hip Chat und Slack sind in, wenn es um die Kommunikation mit Kunden oder Kollegen geht. Doch in Sachen Datenschutz sind diese Dienste ein Alptraum. Inspircd, Rocket Chat oder Matter Most bieten sich als bessere Alternativen an.

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Natürlich wollen Kollegen auch dann untereinander kommunizieren, wenn sie nicht nebeneinander sitzen, sondern auf zwei Etagen oder Städte verteilt sind. E-Mails sind eine Möglichkeit, aber wenn einer nur mal eben eine Antwort auf eine simple Frage braucht nicht die beste. Kommunikation in Echtzeit hat sich deshalb in den meisten Firmen durchgesetzt: Irgendeine Art von Chat findet sich in beinahe jedem Unternehmen. Oft nutzen die Mitarbeiter die vorhandenen Systeme auch für den Plausch mit Kunden – der kurze Dienstweg zwischen Technikern führt einfach schneller zur Lösung eines Problems als E-Mail-Pingpong.

Während die Idee hinter der Nutzung von Realtime-Chats immer gleich blieb, hat sich seit 15 Jahren bei der Technik einiges getan. Heute finden sich unzählige Programme unterschiedlichen Ursprungs. Viele Unternehmen bauen etwa auf das IRC-Protokoll, das aber ohne Verschlüsselung daherkommt. Andere Ansätze sind Web-basiert und bieten TLS ab Werk. In den letzten Jahren wurden zwei größere Dienst besonders beliebt: Hip Chat http://1 und Slackhttp://2.

Die Gründe für den Erfolg beider Lösungen sind vielfältig. Beide lassen sich einfach aus einem Webbrowser heraus nutzen, sodass die Installation eines Clients unnötig ist (wobei Hip Chat sogar einen Desktopclient bietet, falls das doch jemand möchte). Beide Dienste hostet im Normalfall der Software-Anbieter: Man braucht also keine eigene Infrastruktur zu betreiben und auch die Fehlersuche entfällt. Und beide Systeme bieten angenehme Zusatzfeatures, etwa Formatierung für Code, automatische Linkvorschau oder das Einbetten von Fotos in den normalen Chat.

Gerade das Hosting bereitet Unternehmen aber auch Sorgen. Wer Chat für die Kommunikation unter Kollegen praktiziert, kann nicht sicher verhindern, dass auch Firmeninterna durch diesen Kanal wandern. Bei Hip Chat landen die Daten direkt auf Amazon-Servern, also bei einem amerikanischen Unternehmen. Bei Slack ist es ganz ähnlich. Nutzer, die sensible Daten geschützt wissen wollen, empfinden dabei Unbehagen. Fast zwangsläufig stellt sich die Frage, wie sich verhindern lässt, dass Firmendaten unnötig nach außen gelangen.

Der folgende Artikel stellt drei Alternativen zu Slack und Hip Chat vor: Inspircd [3], Matter Most [4] und Rocket Chat [5]. Bei allen Probanden haben die Tester dabei darauf geachtet, ob eine eigene Clientsoftware nötig ist und wie sie sich im Unternehmenseinsatz bewähren.

Inspircd

Den Anfang macht Inspircd, das bereits im Namen verrät, worum es geht: Inspircd ist ein IRC-Server. Das ist kein Ausweis für besonderen Adel: Fast alle IRC-Server sind verwandt und in den seltensten Fällen sind sie Admin-freundlich zu betreiben. Beim IRC-Protokoll handelt es sich um eines der ältesten Kommunikationsprotokolle des Internets, das zudem in einem RFC ausführlich dokumentiert ist [6]. Doch richtet sich nach diesem RFC kein etablierter IRC-Server. Stattdessen hielten viele Admins es über die Jahre für eine gute Idee, das Protokoll um immer neue Funktionen zu erweitern. So hat sich ein wild schnatternder Zoo aufgeblähter IRC-Server entwickelt, von denen jeder ähnlichen Einschränkungen unterliegt.

Inspircd erhebt den Anspruch, anders zu sein: Es handelt sich nicht um einen Fork des Ur-IRCd, sondern um eine komplette Neuentwicklung in C++. Die Entwickler versprechen, dass Inspircd deshalb auch nicht unter den Bugs und den Einschränkungen leidet, die den Admins bei anderen IRC-Daemons das Leben schwer machen.

Schon bei der Installation von Inspircd zweifelt der Admin aber daran. Denn Inspircd liegt den Serverdistributionen nicht bei. Pakete für Suse, Red Hat, Debian oder Ubuntu fehlen. Lediglich für Windows stellen die Autoren selbst einen Installer zur Verfügung. Wer den Dienst auf einer Linux-Distribution betreiben will, wirft den Compiler an. Das ist machbar, aber nicht sehr bequem.

Ganz viele Features

Weitere Zweifel an der einfachen Bedienung von Inspircd weckt ein Blick auf dessen Featureliste. Im Wiki des Programms vergleichen die Autoren ihr Werk mit anderen gängigen IRC-Servern – und stellen ganz lapidar fest, dass Inspircd praktisch alles kann, was in Sachen Funktionalität bei IRC-Servern jemals erfunden worden ist. Die grundlegende Konfiguration geht zunächst leicht von der Hand, doch die fortgeschrittenen Features setzen auf Admin-Seite einiges an Lektüre der einschlägigen Dokumentation voraus (Abbildung 1).

Abbildung 1: Die Konfiguration von Inspircd stellt den Admin auf eine Geduldsprobe und setzt viel Lektüre von Dokumentation voraus.

Immerhin: Inspircd bringt die gesamte Funktionalität in sehr wenig Code unter, im Vergleich mit Unreal IRCd begnügt es sich mit deutlich weniger als der Hälfte der Codezeilen. Trotzdem unterstützt es etwa SSL-Verschlüsselung, wenn der Client die nötigen Voraussetzungen dafür mitbringt. Auch mit Zusatzdiensten wie den IRC-Services lässt sich Inspircd kombinieren. Wer etwa einen Bot braucht, der bestimmte Kanäle verwaltet, verbindet diese mit Inspircd.

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