Open Source im professionellen Einsatz
Linux-Magazin 05/2016
© andrea crisante, 123RF

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Codehoster jenseits von Github

Codekammern

Github hat die Welt des Codehosting im Laufe nur weniger Jahre stark verändert. Nun aber melden sich Kritiker zu Wort und fordern Nachbesserungen. Einige kündigen auch ihren Wechsel an, doch wohin? Die Bitparade nimmt Github und aussichtsreiche Alternativen unter die Lupe.

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Github [1] ist in den letzten Jahren zur weltgrößten Codeplattform aufgestiegen und hostet sowohl Open-Source- als auch proprietäre Softwareprojekte. Dahinter steht das Unternehmen Github Inc., das den Filehosting-Dienst 2008 als Onlineplattform gründete. Er basiert auf dem Versionsverwaltungssystem Git [2], später kam Subversion [3] dazu.

Derzeit pflegt das Unternehmen nach eigenen Angaben rund 12 Millionen Teilnehmeraccounts mit insgesamt 31 Millionen Repositories auf der Plattform. Den Löwenanteil davon machen kleine Projekte meist einzelner Entwickler aus, jedoch tummeln sich auf Github auch größere Unternehmungen wie der Linux-Kernel, Joomla, Django, Puppet, Bitcoin, PHP, Ruby on Rails, Linux Mint und dergleichen. Schätzungen vermuten Githubs aktuellen Marktwert bei etwa zwei Milliarden US-Dollar [4].

Doch in den acht Jahren seit Bestehen der Plattform beschwerten sich Entwickler auch immer wieder über den Dienst. Erst kürzlich machte ein auf Github selbst veröffentlichter und an die Betreiber gerichteter offener Brief [5] die Runde, den rund 1800 aktive und einflussreiche Entwickler unterzeichneten (siehe Kasten "Dear Github"). Sie machten darin ihrem Ärger über mangelnde Kommunikation und fehlende Funktionen Luft.

Dear Github

Die in dem offenen Brief [5] geschilderten Probleme betreffen hauptsächlich die größeren auf Github gehosteten Projekte. Die Unterzeichner bemängeln vor allem, dass Github auf Eingaben und Beschwerden keinerlei Rückmeldung gebe oder erkennen lasse, ob sich jemand aktiv mit dem geschilderten Problem beschäftigt und wie der aktuelle Status ist. Das sei nicht im Sinne von Offenheit und sehr frustrierend.

Ein weiteres Hauptproblem liege aus Sicht der Entwickler bei den Issues genannten Bugreports. Das dafür vorgesehene Template reiche nicht aus. So fehlen den Entwicklern insbesondere Pflichtfelder, die vom Fehler-Reporter eine Eingabe verlangen, bevor er den Report abschickt. Sie sollen sicherstellen, dass die Issue-Meldung alle notwendigen Angaben enthält, um einen Fehler ohne zeitaufwändige Nachfragen zu debuggen.

Github hat in diesem Fall bereits Abhilfe geschaffen. Seit Kurzem erstellen Entwickler bei Bedarf auf ihr Projekt zugeschnittene Formulare, die vom Bugreporter alle notwendigen Informationen abfragen, mit denen der Entwickler das Problem beheben kann [12].

Inzwischen haben die Betreiber geantwortet, sich entschuldigt, Abhilfe versprochen und einige Probleme bereits gelöst. Dennoch suchen gerade einige größere Projekte nach einer Alternative. Ein willkommener Anlass für die Bitparade, neben Github selbst auch ein paar konkurrierende Lösungen ins Visier zu nehmen, konkret: Bitbucket [6], Phabricator [7] und Gitlab [8].

Ferner liefen

Die hier vorgestellten Codeverwaltungssysteme zeigen nur eine populäre Auswahl an. Es gibt noch einige weitere, zu nennen sind etwa Codeplane [9], Beanstalk [10] und Kiln [11]. Firmen und größere Projekte pflegen zudem nicht selten eigene Lösungen: Microsoft setzt beispielsweise Codeplex ein (ist aber zum großen Teil auf Github gewechselt), Debian bevorzugt Alioth, während Canonical Launchpad entwickelt und verwendet.

Github

Github (Abbildung 1, [1]) bietet kostenfreie, in ihrer Anzahl unbeschränkte Repositories an, aber nur für freie Software. Jedes Codesilo bietet 1 GByte Speicherplatz sowie 1 GByte Bandbreite. Die Anzahl der Teilnehmer an einem Projekt schränkt Github nicht ein.

Abbildung 1: Github bietet unter anderem dem Linux-Kernel eine Heimstatt, aber auch vielen anderen Open-Source-Projekten.

Private Repositories schlagen monatlich mit 7 US-Dollar zu Buche, was fünf private Exemplare einschließt. Für 50 private Repositories zahlen Nutzer 50 US-Dollar, dürfen in ihnen aber auch proprietäre Softwareprojekte umsetzen. Für jeweils 5 US-Dollar erhöhen sie den Speicher und die Bandbreite jeweils auf 50 GByte.

Github liefert auch grafische Tools zum Auswerten der Daten sowie Elemente sozialer Netzwerke. Anwender folgen einem Projekt auf Wunsch und bleiben so über Fortschritte auf dem Laufenden. Auch eine Like-artige Funktion fehlt nicht. Jedes Projekt darf über die Plattform zudem je eine statische Webseite anbieten. Obwohl Github überwiegend Open-Source-Projekte hostet, verwendet die Plattform Closed-Source-Code.

Einfache Teilhabe

Anwender tragen zu einem Projekt bei, indem sie einen Fork erstellen, ihre Änderungen einbringen und dem Projekteigner diese über Pull Requests zur Übernahme anbieten. Besucher, die lediglich die Software eines Projekts herunterladen möchten, erledigen das über den Button »Download Zip« . Oder sie verwenden unter Linux die Kommandozeile und laden eine Software wie den Kernel über

git clone https://github.com/torvalds/ linux.git

herunter. Auf der Webseite springen all diese Features selbst Außenstehenden ohne Git-Kenntnisse ins Auge. Für Windows und OS X gibt es mit Github Desktop [13] einen Client, um an Github und den Projekten teilzuhaben. Linuxer greifen dafür zu externen Clients wie Gitter [14] oder Smart Git HG [15].

Wem die Funktionalität von Github samt Issue-Tracker, Wiki, der LDAP-Integration, der im Browser möglichen Bearbeitungsfunktion sowie dem Teilen von Code-Snippets nicht reicht, der verbindet Github mit Jenkins, Jira, Confluence, Bugzilla, Trello und anderen.

Die Unternehmensversion Github Enterprise [16] lässt sich bei mehreren Cloudanbietern hosten oder auf hauseigenen Servern betreiben, in Form einer vorgefertigten VM (OVF) auf Hypervisoren wie VMware oder Virtualbox. Bare-Metal-Installationen fehlen. Github Enterprise unterstützt LDAP und den Central Authentication Service (CAS) und bietet ein Backupsystem an. Der Preis liegt bei 5000 US-Dollar jährlich für 20 Anwender.

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