Open Source im professionellen Einsatz
Linux-Magazin 04/2016

SSD-Tools im Bündel

SSD ohne Abwege

Tkperf fasst mehrere Linux-Tools unter einem Dach zusammen, die SSDs vor dem ersten Einsatz untersuchen und ihre Performance messen und vergleichen. Hilfreiche Grafiken generiert das Tool auch noch.

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Linux bietet mehrere Low-Level-Werkzeuge an, die SSDs auf den Zahn fühlen. Die sollte der Admin gleich beim ersten Kontakt einsetzen, weil sie alle Daten überschreiben, was bei produktiv eingesetzten SSDs ein Problem wäre. Fio [1] zum Beispiel ist ein I/O-Benchmarking-Tool von Jens Axboe, das auf Wunsch den Pagecache von Linux umgeht, mehrere Jobs parallel startet und mit verschiedenen I/O-Tiefen und Workloads läuft. Sogar den Segen von Linus Torvalds darf das Tool beanspruchen. "Es macht einige Dinge richtig, inklusive des Schreibens von tatsächlichem Pseudo-Content, der zeigt, ob die Festplatte dedupliziert (aka ,für Benchmarks optimiert')", schrieb der Kernelchef 2012 auf Google Plus. Bonnie oder andere traditionelle Tools könne man damit getrost vergessen, legte Torvalds nach.

Auch Hdparm [2] ist ein alter Bekannter: Die Software hat schon an die 20 Jahre auf dem Buckel, kann für (S)ATA-Festplatten Parameter setzen und auslesen, was neuerdings auch Solid State Drives einschließt. Sie ist nicht nur in der Lage, Informationen über SSD zu holen, sondern beherrscht auch Secure Erase, das die Inhalte der Pages löscht und so SSDs zeitweilig beschleunigt.

The helpful Six

Diese beiden und noch vier weitere Tools hat Hosting-Anbieter Thomas Krenn in dem textbasierten Open-Source-Tool namens Tkperf [3] zusammengeschnürt, das dieser Artikel vorstellt. Es absolviert mehrere langatmige Performancetests für die angeschlossenen SSDs und spuckt am Ende Grafiken und Dateien mit den Ergebnissen der Latenz- und Datendurchsatz-Messungen aus.

Im Tkperf-Bündel stecken die »sg3-utils« (für Serial Attached SCSI), »nvme-cli« (für NVMe-Geräte, [4]) und die »fusion« -Tools, die sich um Apples Fusion-Drives kümmern. Im Test tauschte der Autor (siehe Kasten "Tkperf installieren") die Festplatte eines Laptops gegen eine SSD aus. Tkperf ließ er auf einem USB-Stick (8 GByte) mit einem Ubuntu-14.04-Live-System und 3 GByte permanentem Speicher laufen. Wie erwähnt, sollten auf der SSD keine wichtigen Daten mehr liegen, da Tkperf diese überschreibt.

Tkperf installieren

Die Tester haben die Version 2.1 von Tkperf unter Ubuntu 14.04 LTS installiert, was ohne größeren Aufwand möglich war. Zunächst galt es, das Thomas-Krenn-Repository einzubinden, dann die Datei »/etc/apt/sources.list« um die Einträge »universe« und »multiverse« zu erweitern. Anschließend ließen sich »tkperf« und einige zusätzliche Pakete sowie die Abhängigkeiten einfach einspielen.

wget -O - http://archive.thomas-krenn.com/tk-archive.gpg.pub | sudo apt-key add -
cd /etc/apt/sources.list.d
sudo wget http://archive.thomas-krenn.com/tk-main-trusty.list
sudo wget http://archive.thomas-krenn.com/tk-optional-trusty.list
# die /etc/apt/sources.list eventuell manuell um die Einträge "universe" und "multiverse" ergänzen
sudo apt-get update
sudo apt-get install tkperf screen rst2pdf

Für den Einsatz des Tools auf SSDs, auf die der Admin keinen direkten Zugriff hat, empfehlen die Entwickler das Tool »screen« ; »rst2pdf« konvertiert von Tkperf erstellte Reports ins PDF-Format.

Unverfroren

Beim Aufruf des Tools erschien im Test zunächst eine Warnmeldung, laut der Tkperf sämtliche Daten löscht. Kurz nach dem Start brach es seine Tätigkeit jedoch ab. Ein Blick ins Log förderte die Nachricht zu Tage, das Gerät sei im Frozen-Modus. Dieser dient als Schutz vor unwillkürlichen Löschungen. Um ihn auszuhebeln, gilt es, die Festplatte im laufenden Betrieb auszustecken und dann wieder in den Slot zu schieben. Das ein wenig unkonventionelle Vorgehen funktionierte und scheint bei jedem erstmaligen Einsatz in einem neuen Rechner nötig zu sein. Admins sollten das vor dem Einbau einer SSD einkalkulieren.

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