Open Source im professionellen Einsatz
Linux-Magazin 04/2016
© feverpitched, 123RF

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Exklusiv auf der Delug-DVD: Knoppix 7.7 Linux-Magazin Edition

Dicken Bug erledigt

Klaus Knopper stellt kurz vor der Cebit 2016 seine Knoppix 7.7 Linux-Magazin Edition vor. Im Artikel gibt er Einblicke in Distributionsinterna, beschreibt die neuen Features und freut sich, in letzter Minute einen kapitalen Glibc-Bug vernichtet zu haben.

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Seit über 15 Jahren erscheint etwa halbjährlich meine Zusammenstellung von Debian-GNU/Linux-Software unter dem Namen Knoppix (Knoppers Unix System). Es bootet von DVD, USB-Flashdisk oder übers Netzwerk und läuft sofort fertig konfiguriert los – ohne auf einer Festplatte installiert sein zu müssen. Das Software-Set eignet sich zum Arbeiten, Surfen im Internet, Spielen, Unterrichten, Lernen, Programmieren und Retten von Daten defekter Betriebssysteme.

Die Version 7.7.0 [1] habe ich im Auftrag des Linux-Magazins wie in den letzten Jahren für dessen Cebit-Ausgabe zusammengestellt. Sie mixt Debian Stable (Jessie) mit etlichen Paketen (in erster Linie neue Grafiktreiber und Desktop-Programme) aus Testing und Unstable (Stretch, Sid). Um möglichst viel aktuelle und neue Hardware zur Mitarbeit zu bewegen, verwende ich den aktuellen Linux-Kernel 4.4 sowie Xorg 7.7 Core 1.17.3 und als Aufsatz zur sehr flott startenden Desktopoberfläche LXDE die komfortable 3-D-Erweiterung Compiz 0.9.12.2 (Abbildung 1).

Abbildung 1: Mit Compiz gerät das Umschalten zwischen den virtuellen Desktops zum 3-D-Ereignis.

Eigentlich hatte ich das ISO-File für die neue Version schon in der zweiten Februarwoche fertig und die Magazin-Redaktion wollte es ins DVD-Presswerk schicken, als die schwerwiegende Glibc-Sicherheitslücke CVE-2015-7547 die Runde machte [2]. Glück im Unglück: Die Debian-Community reagierte sofort und stellte in kurzer Zeit Fixes bereit, sodass ich schnell eine 7.7-Version ohne diesen Bug zusammenstellen konnte.

Bootoptionen als Notnagel

Normalerweise benötigt Knoppix keinerlei Bootoptionen, um die vorgefundene Hardware inklusive Grafikkarte zu erkennen und das System optimal zu konfigurieren. Die zunehmende Anzahl verschiedener Chipsätze macht es aber manchmal doch notwendig, das eine oder andere Feature oder eine einzelne Komponente (vorübergehend) abzuschalten, um zum regulären Desktop durchzustarten. Die folgenden Tipps benutzen als Linux-Kernel »knoppix« für die bewährten 32 Bit, für die 64-Bit-Variante ist stattdessen »knoppix64« einzusetzen.

Häufige Bootoptionen nennt die Boot-Hilfe, abrufbar mit [F2] und [F3], andere sind in der Textdatei »KNOPPIX/knoppix-cheatcodes.txt« aufgelistet. Klemmt etwa der Desktop, wenn der 3-D-Windowmanager Compiz starten soll, helfen oft die Bootoptionen »knoppix nocomposite« oder »knoppix no3d« (Abbildung 2). Die eine schaltet die Composite-Erweiterung des Grafiksubsystems ab, die andere verhindert den Compiz-Start.

Abbildung 2: Die Boot-Hilfe, hier abgerufen mit F3, erklärt unter anderem, wie ein Knoppix-Benutzer das Grafiksubsystem beeinflussen kann.

Umgekehrt kann der Benutzer für Grafikkarten, die eigentlich nicht schnell genug für Compiz sind und daher automatisch mit der flachen Windowmanager-Alternative Metacity starten, mit der Option »knoppix 3d« die 3-D-Oberfläche mit Software-Rendering erzwingen.

EFI und hybrides Booten

Das Starten direkt von USB-Flashdisk ist schnell und komfortabel, da Knoppix getätigte Konfigurationsänderungen und angefallene Benutzerdateien automatisch auf die Datenpartition schreibt. Allerdings gibt es sehr alte und sehr neue Computer, die nicht von USB booten: Bei den einen unterstützt dies das Bios nicht, bei den anderen erschwert oder verbietet EFI das Starten von externen Datenträgern.

Grundsätzlich ist Knoppix auch im EFI-Modus von USB-Stick startfähig, da der Ordner »efi« auf der ersten Partition die dafür notwendigen Startdateien enthält. Ist auf dem Rechner die EFI-Firmware auf »Secure Boot« gesetzt, sollte beim Start eine Abfrage des signierten Bootloaders erscheinen, die um Bestätigung und Speicherung der Prüfsumme bittet, bevor das System starten kann. Falls dieser Dialog ausbleibt und das System sich weigert von USB zu booten, hilft die Bios-Einstellung »CSM« (Compatibility Support Module), die sachlich richtiger "Traditionell starten per Bootrecord und Bootloader" heißen sollte. Alle EFI-Computer sollten CSM stets als Option bieten.

Für alle Fälle, bei denen von USB-Flashdisk zu starten nicht möglich ist, enthält Knoppix 7.7 im Ordner »KNOPPIX« das ISO-Image einer gerade mal 15 MByte großen Boot-only-CD, die der Benutzer auf einen leeren Rohling brennen und von der er den Computer in Kombination mit einem Knoppix-7.7-USB-Stick hochfahren kann. Der Bootprozess beginnt auf der CD und wechselt nach kurzer Zeit auf den USB-Stick. Der Workaround funktioniert bei den meisten Problem-PCs sehr gut, speziell bei Macs mit eingeschränkter Möglichkeit, von externen Datenträgern zu starten, selbst per EFI.

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