Open Source im professionellen Einsatz
Linux-Magazin 04/2016

Tux liest

Praxisratgeber zur Heimautomation und zu Debian

Ein Buch, das einen im übertragenen wie im wörtlichen Sinne erschlagen kann – ein Wälzer über Hausautomation. Das zweite Buch ist ebenfalls vollschlank und vermittelt alles Wissenswerte zu Debian.

642

Das Buch von Stefan Heinle beginnt mit einer kleinen Köstlichkeit: Ein virtueller Rundgang durch ein Smart Home, der ein Bild voll Behaglichkeit und Komfort malen will, dabei aber unfreiwillig ins Komische und Skurrile abgleitet. Der Effekt entsteht, weil der Autor in die Schilderung der Heimidylle technische Termini streut. Das wirkt dann jedes Mal wie ein unvermittelter Takt Marschmusik im Kuschelrock. "Wie an jedem dunklen Abend haben Sie sich beim Treppenaufstieg über die farbige Treppenstufenbeleuchtung (Abbildung 1.1) gefreut …"

Beim Lesen verdichtet sich ein Verdacht: Das ist die Romantik eines Freaks! Der Erzähler stillt seine ästhetischen Bedürfnisse wahrscheinlich mit der Stromverbrauchskurve der Wärmepumpe und lebt seine Allmachtsfantasien vor einem Touchscreen aus, der "flächenbündig" in die Rückseite der Schrankwand eingelassen ist: "Hier haben Sie die uneingeschränkte Macht, können alles im gesamten Haus schalten, bewegen und steuern. Beleuchtung, Jalousien, Heizung, Musikanlage – das sind nur einige Beispiele."

Nerds Castle

Wer aber gar nicht versteht, was ulkig oder auch verstörend daran ist, wenn der Hausherr aus dem Badezimmerfenster anstelle eines Eichhörnchens den kleinen Mähroboter beobachtet, der ist hier goldrichtig. Er findet auf über 1200 Seiten eine erschöpfende Darstellung des Themas Hausautomation. Angefangen beim Abc des Elektrikers über die Grundlagen der Elektronik bis zu detaillierten Beschreibungen von Automatisierungslösungen für alle Bereiche – darunter Beleuchtung, Heizung, Multimedia, Sicherheit oder Energie.

Die Beschreibungen sind durchweg gut verständlich und geizen nicht mit Einzelheiten, bis hin zu konkreten Empfehlungen für Produkte oder Bauelemente nebst Bezugsquellen und Preisen. Eher stellt sich die Frage nach der Neutralität gegenüber den Herstellern. Andererseits bereichern vielfältige Hintergrundinformationen, etwa über relevante Normen oder Grenzwerte, die Lektüre. Immer merkt man den Erklärungen dabei an, dass der Autor auf vielfältige eigene praktische Erfahrungen zurückgreifen kann. Viele Abbildungen, Tabellen und Schemazeichnungen tragen zudem zum Verständnis bei.

Kurz: Alles hängt davon ab, wie sich der Leser zur umfassenden Technisierung des Lebens in den eigenen vier Wänden stellt. Befürworter finden in dem Buch ihre Bibel, Skeptiker werden angesichts der mehr als zwei Kilo Papier nur unzureichend durch die Passagen entschädigt, die zum Schmunzeln reizen.

Alles über Debian

Das zweite Buch ist schlanker, aber immer noch dick. Es widmet sich ganz der Linux-Distribution Debian in der Version 8 alias "Jessie" und erscheint mittlerweile in sechster Auflage, was ein Beleg dafür ist, dass Konzept und Umsetzung sich bewährt haben. Linux-Vorkenntnisse sind bei diesem Buch unnötig, denn einerseits erklärt die Autorin alle Schritte ausführlich und leicht verständlich, andererseits geht sie systematisch vor und beginnt nach einem einführenden Kapitel mit der Installation.

Wer das Werk von vorne nach hinten durchliest, kann sich so schrittweise zunächst mit der Einrichtung und grundlegenden Einstellungen, den Desktopumgebungen sowie der Software für Büro und Multimedia vertraut machen. Es folgt ein Buchteil, der sich den Grundlagen der Administration widmet und einige der Grundkonzepte des Betriebssystems erklärt (Dateien, Rechte, Prozesse und so weiter). Danach geht es um häufig verwendete Serverdienste wie DHCP, DNS, Mail-, Web- und FTP-Server, Samba und NFS. Auch Aspekte der Systemsicherheit klingen an dieser Stelle an.

Mit einem Kapitel über den Bootmanager Grub geht es danach schon um recht komplexe Linux-Interna. Natürlich können dabei nicht alle Optionen zur Sprache kommen. Was das Buch erklärt, hilft aber bei den häufigsten Problemen sicherlich weiter. Ähnliches gilt für das in dieser Ausgabe neue Kapitel zu Systemd. Auch über dieses Thema ließen sich eigene Bücher schreiben, das hier Publizierte erläutert zumindest das Funktionsprinzip und die in der Praxis wichtigsten Kommandos auf eingängige Weise.

Info 1

Stefan Heinle:

Heimautomation mit KNX, DALI, 1-Wire und Co.

Rheinwerk, 2015

1260 Seiten

50 Euro

ISBN: 978-3836234610

Info 2

Heike Jurzik:

Debian GNU/Linux

Rheinwerk, 2015

800 Seiten

40 Euro

ISBN: 978-3-8362-3762-8

Diesen Artikel als PDF kaufen

Express-Kauf als PDF

Umfang: 1 Heftseiten

Preis € 0,99
(inkl. 19% MwSt.)

Linux-Magazin kaufen

Einzelne Ausgabe
 
Abonnements
 
TABLET & SMARTPHONE APPS
Bald erhältlich
Get it on Google Play

Deutschland

Ähnliche Artikel

  • Bücher

    Die Linux-Systemadministration ist ein weites Feld. Obwohl die beiden Server-Bücher dieses Monats mit vielen Hundert Seiten wahre Wälzer sind, lässt jedes verschiedene Lücken offen.

  • Bücher

    Java eignet sich recht gut für Programmieranfänger, sind die Grundzüge doch verhältnismäßig leicht zu lernen. Dabei hilft das erste hier vorgestellte Buch Lesern ohne Vorkenntnisse. Das zweite bietet eine Rezeptsammlung für Git, die gestandene Programmierer nutzen können.

  • Bücher

    Der Fortschritt in der Linux-Welt hat einem Cluster-Buch zu einer modernisierten dritten Auflage verholfen. Das weite Feld der Webprogrammierung mit PHP versucht das zweite Werk aufzurollen.

  • Bücher

    Ein ungewöhnliches Buch stellt die Vielfalt des Enzyklopädie-Projekts Wikipedia dar. Der zweite Titel beschäftigt sich mit der Linux-Standardshell Bash.

  • Bücher

    Nach der Einstiegsstufe LPIC-1 fragen die LPI-Prüfungen auf Level 2 jene Kenntnisse ab, die Linux-Admins für ihre tägliche Arbeit benötigen. Zwei Bücher fassen das gefragte Wissen zusammen.

comments powered by Disqus

Ausgabe 10/2017

Digitale Ausgabe: Preis € 6,40
(inkl. 19% MwSt.)

Artikelserien und interessante Workshops aus dem Magazin können Sie hier als Bundle erwerben.