Open Source im professionellen Einsatz
Linux-Magazin 03/2016

Zwei Bücher für Programmierer oder solche, die es werden wollen

Tux liest

Java eignet sich recht gut für Programmieranfänger, sind die Grundzüge doch verhältnismäßig leicht zu lernen. Dabei hilft das erste hier vorgestellte Buch Lesern ohne Vorkenntnisse. Das zweite bietet eine Rezeptsammlung für Git, die gestandene Programmierer nutzen können.

611

Was schon beim ersten Einlesen in die Einführung für Java-Programmierer von Hans-Peter Habelitz angenehm auffällt, ist die klare, nüchterne Sprache. Keine Bandwurmsätze, aber auch keine Mätzchen zur vermeintlichen Auflockerung, sondern gut verständliches, sachorientiertes Deutsch. Dazu kommt – der Autor ist Berufsschullehrer – eine didaktisch günstige Gliederung des Stoffes.

So kann der Leser den Erklärungen ohne Mühe folgen. Übungsaufgaben am Ende jedes Kapitels dienen der Vertiefung und Selbstkontrolle. Ein Ausblick an genau dieser Stelle fasst die Lernziele noch einmal zusammen und schafft die Verbindung zum nächsten Kapitel.

Stiefmütterlich

Einen Wermutstropfen gibt es aber auch hier: Das Buch erhebt den Anspruch, Java plattformunabhängig zu vermitteln, und gibt auch wirklich öfter Hinweise auf abweichende Arbeitsschritte unter MacOS X und Linux. Manchmal aber scheut es diesen Aufwand doch, etwa wenn es die Anpassung der Umgebungsvariablen nur für Windows erklärt.

Ein anderes Beispiel sind die Bemerkungen zur Eclipse-Installation weiter hinten, auch sie treffen so nur auf Windows zu. Und wer sich an unbedarfte Anfänger wendet, wie dieses Buch, der lässt sie ins Messer laufen, wenn er ihnen kommentarlos Vi oder Emacs als Linux-Alternativen zum Texteditor empfiehlt.

Angefangen beim ersten Hello-World-Programm vermittelt Autor Habelitz dann die Grundlagen der Programmierung am Beispiel Java: Schlüsselwörter, Datentypen, Kontrollstrukturen. Kapitel 4 bietet mit der schon erwähnten Einführung in Eclipse, das im Weiteren Verlauf als IDE verwendet wird, ein Intermezzo.

Die nächsten Kapitel führen in die Objektorientierung ein: Klassen, Objekte, Methoden stehen auf dem Stundenplan. Daran schließen sich einige ausgewählte praktische Probleme an: Zum Beispiel GUIs, Fehlerbehandlung, der Umgang mit Dateien oder Datenbanken.

Alles in allem eine empfehlenswerte Einführung für Leser ohne Vorkenntnisse, die die Grundlagen anschaulich und leicht verständlich erklärt.

Git nach Rezept

Git hat sich in kurzer Zeit einen Spitzenplatz unter den Versionsverwaltungen erobert. Das Buch von Preißel und Stachmann zum Thema setzt deutlich mehr voraus als die oben vorgestellte Java-Einführung: Es wendet sich an den gestandenen Programmierer, der zu einem Team gehört, das für seine Zusammenarbeit Git effektiv einsetzen will. Hierfür will das Buch vor allem praktisch nutzbares Know-how vermitteln.

Dennoch beginnt es mit zwei einführenden Kapiteln, die jene Entwickler abholen sollen, die noch keine praktische Erfahrung mit der Versionsverwaltung haben. Das Tempo dabei ist recht zügig, aber jeder Schritt kommt zur Sprache. Wer sich auf der Kommandozeile noch nicht so zu Hause fühlt, der findet in Kapitel 3 zudem eine Einführung in ein grafisches Git-Tool.

Zentralen Themen wie den Repositories oder den Branches sind gleich mehrere Kapitel gewidmet. Ein abschließender Buchteil nimmt sich der Integration von Git in andere Projekten wie der Continuous-Integration-Software Jenkins und Spezialthemen an. Auch geht der kritische Blick im Kapitel "Die Grenzen von Git" nicht verloren.

Das Buch kann nicht als umfassendes Nachschlagewerk für alle Git-Kommandos dienen, denn es stellt nicht alle vor. Eher ist es ein Git-Kochbuch mit zahlreichen klugen Rezepten für die Praxis. Die Autoren nennen ihre Rezepte übrigens Workflows und führen sie am Ende in einem eigenen Register noch einmal in Kurzfassung auf.

So finden Programmierer schnell die passende Anleitung, ob sie nun Repositories vereinen, ein Projekt nach Git migrieren oder auf Continuous Delivery umstellen wollen. Überdies führt ein weiteres Verzeichnis auch die zahlreichen Schritt-für-Schritt-Anleitungen gesondert auf.

Fazit: Mit dem Titel liegt ein empfehlenswerter Praxisratgeber zur Versionsverwaltung Git vor. Nützlich für alle, die praktischen Rat suchen.

Info 1

Hans-Peter Habelitz:

Programmieren lernen mit Java

Reinwerk Computing, 2015 537 Seiten

20 Euro

ISBN: 978-3-8362-3517-4

Info 2

Rene Preißel, Bjorn Stachmann:

Git

Dpunkt-Verlag, 2016

327 Seiten

33 Euro

ISBN: 978-3-86490-311-3

Diesen Artikel als PDF kaufen

Express-Kauf als PDF

Umfang: 1 Heftseiten

Preis € 0,99
(inkl. 19% MwSt.)

Linux-Magazin kaufen

Einzelne Ausgabe
 
Abonnements
 
TABLET & SMARTPHONE APPS
Bald erhältlich
Get it on Google Play

Deutschland

Ähnliche Artikel

  • Bücher

    Diesmal geht es um zwei Bücher, die ihr jeweiliges Thema besonders umfassend und gründlich behandeln. Das eine stellt SSL/TLS in all seinen Facetten vor, das zweite ist ein 1000-Seiten-Wälzer, der keine Frage zum Rasp-berry Pi offen lässt.

  • Bücher

    Die Bücherseite greift zwei aktuelle Trends auf: Das erste Werk behandelt die Anwendungsentwicklung mit dem Javascript-Server Node.js. Das zweite möchte Java- und C-Programmierer in die Arbeit mit mehreren Prozessoren und Nebenläufigkeit einführen.

  • Bücher

    Zwei empfehlenswerte Lehrbücher vermitteln die Grundlagen der Betriebssysteme beziehungsweise der C- und C++-Programmierung.

  • Bücher

    Ein Buch bietet schnelle Hilfe bei den wichtigsten Linux-Kommandos, das zweite eine fundierte Einführung in den Entwurf von APIs.

  • Tux liest

    Deutschsprachige Originalliteratur zu Administrationsthemen ist immer gefragt. Das Linux-Magazin hat eine Einführung in die Shell-Programmierung und ein Buch zu LDAP-Grundlagen sowie zur OpenLDAP-Praxis kritisch unter die Lupe genommen.

comments powered by Disqus

Ausgabe 10/2017

Digitale Ausgabe: Preis € 6,40
(inkl. 19% MwSt.)

Artikelserien und interessante Workshops aus dem Magazin können Sie hier als Bundle erwerben.