Open Source im professionellen Einsatz
Linux-Magazin 01/2016
rawpixel,123rf.com

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Großer Test: Server-Distributionen für kleine Firmen

Spezial-Linuxe fürs Büro

Mit umfassender Ausstattung, einfacher Administration sowie Services versehen wenden sich sechs All-in-one-Linuxe und ein NAS-System speziell an kleine Firmen, Büros und überschaubare Arbeitsgruppen. Das Linux-Magazin hat genau hingesehen, ob sich solche Distributionen lohnen.

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Schon so mancher Linux-Magazin-Artikel hat sich über Dienste-Skalierung oder die Enterprise-Fähigkeiten den Kopf zerbrochen. Aber mal ehrlich: Es ist eine Minderheit, die eigene Rechenzentren betreibt, 49 von 50 Betrieben in der EU beschäftigen nämlich weniger als 50 Mitarbeiter. Entsprechend bescheiden sind deren Ansprüche an die zentrale Infrastruktur. In wirklich vielen Fällen reicht ein einzelner Server, dem zudem wenig Rechenleistung abverlangt wird – funktional aber umso mehr. Als File-, Druck- und Intranetserver muss er arbeiten, eine Groupware bereitstellen, ein Rechtekonzept umsetzen, einfache Clouddienste und so weiter.

Insbesondere in kleinen Unternehmen, die über keine eigene IT-Abteilung verfügen und auch keine System- und Netzwerkadministratoren beschäftigen, warten und verwalten oftmals Mitarbeiter ohne besondere EDV-Kenntnisse die firmeneigenen Computersysteme. Speziell für diese Zielgruppe haben verschiedene Software-Unternehmen Serverdistributionen auf Basis von unterschiedlichen Linux-Derivaten entwickelt. Sie werben mit schneller Einrichtung und einer einfachen Bedienung.

Das Linux-Magazin hat sechs dieser Distributionen getestet: Clear OS [1], Collax Business Server [2], Koozali SME Server [3], Neth Server [4], Univention Corporate Server [5] und Zentyal Server [6]. Als siebter Kandidat ging ein vorinstalliertes NAS-System von QNAP [7] ins Rennen, das beispielhaft für die Klasse moderner Büro-NAS steht, auf denen vergleichbare Dienste wie auf den anderen All-in-one-Linuxen laufen.

Auf dem Prüfstand ging es vor allem um die Installationsroutine und die Hardware-Unterstützung, denn erfahrungsgemäß sind dies die größten Hürden, die ungeübte Administratoren überwinden müssen. Die Tester schauten sich ebenfalls an, wie sich die Distributionen beim Setup der angebotenen Services verhalten und ob sie Einsteigern dabei helfen, Fehlkonfigurationen zu vermeiden. Last but not least gehört zu einer ernstzunehmenden Serverdistribution ein ausgeklügeltes Maintenancekonzept, das nicht nur Support vom Hersteller, sondern auch regelmäßige Updates umfasst.

Clear OS

Als erster Kandidat geht Clear OS [1] von der in Neuseeland beheimateten Clear Foundation ins Rennen. Das früher als Clark Connect bekannte Serversystem basiert auf Red Hat Enterprise Linux. Die aktuelle Version 7.1 gibt es in drei Varianten. Neben der kostenfreien Community-Ausgabe bietet der Hersteller ein Home- sowie ein Business-Paket an.

Die beiden kostenpflichtigen Ausführungen gibt es als Abonnement für zwischen 36 und 60 US-Dollar (Home-Edition) beziehungsweise zwischen 110 und 590 US-Dollar jährlich (Business-Edition). Support vom Anbieter steht in allen drei Varianten in unterschiedlichem Umfang zur Verfügung: von dem einfachen Zugriff auf das Forum und die Onlinedokumentation oder eine Advanced Knowledge Base bis hin zu persönlicher Kundenbetreuung [8].

Die Tester schauten sich Version 7.1 auf einem 64-Bit-Rechner an und luden dazu das rund 800  MByte große ISO-Image herunter. Anwender, die noch auf einer 32-Bit-Architektur unterwegs sind, finden auf der Homepage die etwas ältere Version 6.6. Clear OS 7.1 unterstützt erstmals die Dateisysteme XFS und Btr-FS und funktioniert auch als virtuelle Maschine. Der Business Server begnügt sich mit vergleichsweise moderaten Hardwarevoraussetzungen: 1GByte Arbeitsspeicher sowie 10GByte Plattenplatz reichen laut Herstellerangaben aus, damit ist das System auch auf älterer Hardware einsatzbereit.

Eine Live-Variante zum Ausprobieren gibt es nicht. Anwender spielen die Distribution direkt ein und erhalten dabei Unterstützung von einem einfach zu bedienenden grafischen Assistenten (Abbildung 1). Der fragt ein paar Informationen zur Lokalisierung, zum Zieldatenträger, zum Netzwerk und zur Authentifizierung als Administrator ab – und ein Klick auf »Installation starten« befördert die Distribution auf die Festplatte.

Abbildung 1: Die Installation des Clear-OS-Servers erfolgt über einen grafischen Assistenten.

Nach dem Neustart des Rechners konfigurieren Anwender den Clear-OS-Server über einen Webbrowser aus dem lokalen Netz und tragen dazu die per HTTPS gesicherte IP-Adresse – gefolgt von der Portnummer 81 – in die Adressleiste ein. Im Webinterface stellen sie dann den Betriebsmodus des Servers ein. Zur Auswahl stehen die Optionen »Private Server Mode« (für einen im Intranet genutzten Server ohne Firewall), »Public Server Mode« (für einen öffentlich zugänglichen Rechner mit aktivierter Firewall) sowie »Gateway Mode« , bei dem der Clear-OS-Computer als Gateway für andere Clients dient. Diese Variante erfordert, dass er mit zwei Netzwerkkarten ausgestattet ist.

Alles klar?

Anwender richten ihre Aufmerksamkeit danach auf die Netzwerkeinstellungen. Clear OS führt einen DNS-Lookup durch, dann gilt es, den Server zu registrieren. Erst danach erhält der Administrator für das gewählte Abo Updates vom Hersteller. Hierzu zeigt das Interface eine detaillierte Paketliste an, die Benutzer per Mausklick auf den neuesten Stand bringen. Außerdem vergeben sie einen Server- und einen Domainnamen. Die Einrichtungsroutine öffnet danach den »Marketplace« , der Zusatzmodule auflistet (Abbildung 2). Per Mausklick wandern die Extras aufs System.

Abbildung 2: Nutzer installieren zusätzliche Dienste und Apps per Mausklick über den Clear-OS-Marketplace.

Die Clear-OS-Distribution umfasst gängige Dienste und enthält Pakete für den Betrieb als DHCP-, DNS-, Datei-, Print-, Samba-, Mail- und Webserver. Im Gegensatz zu anderen kommerziellen Produkten gibt es zusätzlich kostenfreie Anti-Phishing-Lösungen sowie Intrusion-Detection- und -Prevention-Software. Für Mailserver sind einige Sicherheitslösungen wie Antispam-Filter und Antimalware-Pakete verfügbar, und es gibt mehrere Firewalls, die auf IPtables basieren – ein genaues Betrachten der App-Beschreibungen lohnt sich vor dem Installieren eines Pakets.

Ein Alleinstellungsmerkmal von Clear OS sind die verschiedenen Mediaserver und eine Fotoverwaltung, sodass sich der Server auch als Multimediazentrale im Intranet empfiehlt. Mit der Integration von Zarafa-Groupware und CMS-Systemen bietet Clear OS zudem ausgereifte Pakete für kommerzielle Einsätze. Auch Lösungen wie Open ERP sind aus zusätzlichen Repositories beziehbar.

Benutzerkonten und Gruppen richten Anwender ebenfalls bequem über das Dashboard ein und besuchen dazu das Menü »System | Accounts« . Zunächst erwartet das System, dass der Admin Dienste definiert, danach kann er Gruppen anlegen. Sobald es eine Gruppe gibt, ist es möglich, einen Account zu erstellen und diesen einer oder mehreren Gruppen zuzuweisen.

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