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Linux-Magazin 01/2016

Super, Trump

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Dass jeden Monat Cracker bei einer Menge Regierungsorganisationen, Konzernen, Geheimdiensten und so weiter erfolgreich eindringen, Websites verunstalten, sensible Daten stehlen oder verschlüsseln, ist bekannt. So gesehen reicht es nur zu einer Randnotiz, dass die Gruppe "Hack for Trump" im September in Rechner der Fidelity Bank auf den Bahamas eingedrungen ist. Nachdem sich die Unholde mit einer SQL-Injection Zugang verschafft hatten, erbeuteten sie in drei Datenbanken gespeicherte Firmengeheimnisse. Die drohte die Gruppe zu veröffentlichen, sollte das in einem Steuerparadies gelegene Geldinstitut, eine Tochter des gleichnamigen US-amerikanischen Investmentunternehmens (fünf Milliarden US-Dollar Kundengelder), nicht ein Lösegeld in Höhe von 30 000 US-Dollar zahlen.

Hier fällt zuerst die geringe Erpressungssumme auf: 30 Mille kriegt bei Fidelity ein Fondmanager womöglich an einem guten Tag als Bonus. Die Hackergruppe tritt somit nicht als Nassauer in Erscheinung, obwohl das Bankhaus seinen Sitz in der Inselhauptstadt Nassau hat. Ökonomisch spielen Angreifer und Opfer offenkundig in unterschiedlichen Ligen.

Noch merkwürdiger mutet an, dass die Datendiebe versicherten, das ganze Lösegeld für einen aus ihrer Sicht guten Zweck spenden zu wollen. Zu legitimen Nachfolgern Robin Hoods und Little Johns freilich gereicht die Aktion nicht: Empfänger der 30 000 sollte nämlich der Immoblien-, Hotel- und Golfanlagen-Mogul Donald Trump sein (Forbes schätzt dessen Privatvermögen auf vier Milliarden Dollar).

Mit dem Lösegeld wollten die Hacker den legendär tadellos geföhnten 59-Jährigen bei seiner Kandidatur für das US-Präsidentenamt 2016 unterstützen. Sie schrieben: "Wenn Fidelity zahlt, wollen wir mit diesen Mitteln helfen, dass Donald Trump ins Weiße Haus gewählt wird. Er ist der einzige Kandidat, der den früheren Glanz Amerikas wiederherstellen kann."

Trump, aktuell im Lager der Republikaner ebenso erfolgreich wie umstritten unterwegs ("lächerlicher Zombie-Kandidat"), arbeitete sich im Vorwahlkampf bislang an Einwandern, Frauen, Waffengegnern und Klimaschützern ab. Trump über Trump: "Ich habe keine Zeit, um politisch korrekt zu sein." Der 16-fache Buchautor ("Nicht kleckern, klotzen!") und Schauspieler ("Die kleinen Superstrolche") verbesserte jüngst seinen Bekanntheitsgrad in Deutschland, als er die Flüchtlingspolitik der deutschen Bundeskanzlerin wahnsinnig ("insane") nannte und Aufstände vorhersagte.

Doch zurück auf die Bahamas: Trotz des geforderten Schnäppchenpreises und trotz des drohenden Reputationsverlustes verkündete die Fidelity Bank, sich nicht erpressen zu lassen. Das ist in solchen Fällen sachlich sowieso zu raten. Vielleicht war es den echten Nassauern darüber hinaus auch nicht recht, was Präsidentschaftsbewerber Trump mit ihrer Kohle alles angestellt hätte.

Abseits der Tagespolitik und deshalb auch global bedeutsam eignet sich die "Hack for Trump"-Truppe zumindest als Motivation für jeden IT-Verantwortlichen, die eigenen Systeme vor Angreifern aller Art zu schützen. Denn dem Internet sei Dank: Nassau und Nassauer sind überall.

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