Open Source im professionellen Einsatz
Linux-Magazin 12/2015

Werkzeuge im Kurztest

Tooltipps

Im Kurztest: Yuck 0.2.1, Uftpd 1.9.1, Guncat 1.01.01, Kiwix 0.9, Miller 2.2.1, Debian Package Search 2.7.5

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Yuck 0.2.1

Kommandozeilenparser für C

Quelle: http://www.fresse.org/yuck

Lizenz: BSD

Alternativen: Docopt, Gengetopt

Software-Entwickler, die Parameter-Beschreibungen zur »--help« -Ausgabe ihrer C-Programme beifügen möchten, sollten sich das Your Umbrella Command Kit anschauen. Es hat im Gegensatz zu Lösungen wie Gengetopt keine Abhängigkeiten zu Bibliotheken. Lediglich ein C-Compiler und der Makroprozessor M4 müssen auf dem System installiert sein.

Anwender können sich an den Beispielen der Projekt-Website orientieren. Um neue Optionen in die Hilfe zu integrieren, legen sie zunächst eine Konfigurationsdatei mit der Endung ».yuck« an. Diese enthält die formatierte Ausgabe, wie sie auf Stdout erscheinen soll. Der Aufruf »yuck gen datei.yuck« erzeugt dann entsprechenden C-Code, den Benutzer in ihren Quelltext schreiben. Alternativ leiten sie die »yuck« -Ausgabe in eine Datei um, die sie mit »#include« einbinden.

Yuck enthält außerdem ein Kommando, das die ».yuck« -Datei in eine Manpage umwandelt. Der Griff zum externen Helfer »help2man« entfällt damit. Benutzer rufen stattdessen »yuck genman datei.yuck« auf. Das Tool schreibt nun eine Unix-Handbuchseite im Troff-Format auf die Standardausgabe der Shell.

★★★★

Mit Yuck erweitern Programmierer unkompliziert die Hilfefunktionen ihrer C-Programme und erzeugen ohne Umwege passende Manpages.

Uftpd 1.9.1

(T)FTP-Server fürs Heimnetzwerk

Quelle: http://troglobit.github.io/uftpd.html

Lizenz: ISC

Alternativen: Atftp, Vsftpd

Uftpd ist ein handlicher (T)FTP-Server, der ohne Konfigurationsdateien auskommt. Ohne Parameter aufgerufen startet er im FTP-Modus, das heißt, er lauscht wie in »/etc/services« eingetragen auf Port 21 (TCP). Der Parameter »-t« aktiviert den TFTP-Modus (Port 69). Admins, die den Server auf anderen Ports betreiben möchten, geben diese hinter »-f« (FTP-Modus) respektive hinter »-t« (TFTP-Modus) beim Start an.

Uftpd stellt in der Voreinstellung die Daten aus dem Homeverzeichnis des Benutzers »ftp« bereit. Sofern nicht anders definiert, ist das der Ordner »/srv/ftp« . Wer ein anderes Verzeichnis über den Dienst freigeben möchte, schreibt den Pfad hinter »-h« . Uftpd folgt symbolischen Links, die aus dem FTP-Verzeichnis herausführen, und hat auch kein Problem mit gesetzten Schreibrechten für die Gruppe im FTP-Home. Die Entwickler weisen darauf hin, dass dies sicherheitskritisch ist, sollte der Server außerhalb des heimischen Netzwerks laufen.

★★★★★

Das Tool hat die Bequemlichkeit im Fokus und richtet sich damit an Benutzer, die im lokalen Netz unkompliziert einen (T)FTP-Server einrichten möchten. Die fehlenden Absicherungsmöglichkeiten sollten damit kein Problem darstellen.

Guncat 1.01.01

Cat für GPG-verschlüsselte Texte

Quelle: https://github.com/fbb-git/guncat

Lizenz: GPLv3

Alternativen: Gpgcat

Wer auf der Shell Textdateien zusammenfügen oder an die Standardausgabe schicken möchte, greift in der Regel zu »cat« . Ist der ganze Text oder Teile davon mit GPG oder PGP verschlüsselt, sind mehrere Arbeitsschritte erforderlich: Anwender müssen die Datei mit »gpg« entschlüsseln und können sie erst dann mit »cat« weiterverarbeiten. Guncat schafft Abhilfe und kombiniert die beiden Tools geschickt miteinander.

Guncat versucht nicht, die vollständige Datei zu entschlüsseln, sondern beschränkt sich auf den Bereich zwischen »BEGIN PGP MESSAGE« und »END PGP MESSAGE« . Wer keinen GPG-Agent nutzt, weist das Tool mit dem Parameter »-p« an, nach der Passphrase zu fragen. Standardmäßig schreibt Guncat keine Ausgaben ins Terminal. Benutzer schalten sie über »--gpg-no-batch« ein.

Noch informativer gibt sich das Tool über »--show-gpg« , es zeigt dann den vollständigen »gpg« -Aufruf an, ohne ihn auszuführen. Benutzer können diesen mittels »--gpg-option=Option« um weitere »gpg« -Parameter ergänzen.

★★★★★

Guncat eignet sich ideal, um (teilweise) verschlüsselte Mails und andere Textdateien auf der Shell anzuzeigen. Das Tool macht auch in Mailclients wie Mutt oder in eigenen Skripten, die verschlüsselte Inhalte nach Schädlingen durchsuchen, eine gute Figur.

Kiwix 0.9

Wikipedia & Co. offline lesen

Quelle: http://www.kiwix.org/wiki/Main_Page

Lizenz: GPLv3

Alternativen: Evopedia

Kiwix ist ein Offlinereader für Wikipedia und andere Mediawiki-Seiten. Das Programm setzt auf das Zim-Format für den Austausch. Entsprechende Dateien stellt die Kiwix-Projektseite bereit. Das deutschsprachige Angebot enthält außer Wikipedia auch Wiktionary, Wikiquote, Wikibooks, Wikisource, Wikinews, Wikiversität und Wikivoyage. Daneben warten zahlreiche fremdsprachige Inhalte. Wer in der langen Liste nach unten blättert, findet dort auch Wikileaks-, Ubuntuusers- oder Gutenberg-Dateien.

Nach dem Start importieren Nutzer eine oder mehrere Zim-Dateien in die lokale Bibliothek, wo sie auch ohne Internetverbindung Zugriff auf die Daten haben. Wer neue Inhalte laden oder vorhandene aktualisieren möchte, erledigt das online mit nur einem Klick. Da das Zim-Format das Verlinken von Begriffen unterstützt, können Anwender in Kiwix wie gewohnt in Beiträgen navigieren.

Das Tool bietet zudem eine Suchfunktion und filtert die Treffer optional nach Dateigröße, Sprache oder Autor. Sollte einer Zim-Datei ein ordentlicher Index fehlen, erzeugt der Offlinereader auf Wunsch einen neuen. Auch beim Export schlägt er sich hervorragend. Benutzer können Artikel im HTML- oder PDF-Format abspeichern. Kiwix bringt einen kleinen Webserver mit, der im heimischen Netz von anderen Geräten aus einen Zugriff via Browser ermöglicht.

★★★★★

Der Offlinereader überzeugt auf ganzer Linie. Kiwix bringt Wikipedia & Co. auf den eigenen Computer und bietet die Inhalte offline, aber mit dem gewohnten Wiki-Komfort an.

Miller 2.2.1

CSV-Dateien auf der Shell bearbeiten

Quelle: https://github.com/johnkerl/miller

Lizenz: BSD

Alternativen: Texteditoren

Für das CSV-Format (Comma-separated values) existiert kein allgemeiner Standard. Die Textdateien können Tabellen oder Listen enthalten und unterschiedliche Zeichen zum Trennen von Zeilen oder Feldern einsetzen. Das Bearbeiten solcher Dateien mit einem Texteditor oder Shellbefehlen erfordert oft etwas Geduld. Miller springt in die Bresche. Das Konsolentool kombiniert einige Funktionen bewährter GNU-Anwendungen. Außer CSV-Dateien verarbeitet es die Formate Xtab, Pprint, Nidx und DKVP.

Hinter dem Befehl »mlr« geben Anwender beim Programmaufruf nicht nur den Dateinamen, sondern auch deren Format an. Um die Daten in ein anderes Format zu konvertieren, benennen sie zudem das gewünschte Zielformat. Feldtrenner können sie für jedes Format individuell bestimmen. Weitere Parameter ermöglichen es, Felder in einfache oder doppelte Hochkommata einzuschließen.

Miller stellt über 15 Features zum Bearbeiten bereit, darunter einfache GNU-Funktionen, etwa »cat« , »cut« , »head« , »join« , »sort« , »tac« oder »uniq« . Dazu kommen komplexere Optionen wie »regularize« , »group-by« oder »having-fields« , die an SQL-Statements erinnern. Mathematische und reine Textverarbeitungsfunktionen runden die Palette ab.

Benutzer leiten die »mlr« -Ausgabe auf Wunsch per Pipe an andere Tools weiter. Miller eignet sich damit sehr gut für eigene Skripte.

★★★★

Wer häufig mit CSV-Dateien zu tun hat, findet in Miller einen fleißigen und flexiblen Mitarbeiter. Anwender sollten sich auf eine längere Einarbeitungsphase einstellen und die Beispiele der Webseite studieren.

Debian Package Search 2.7.5

Debian-Paketsuche für den Desktop

Quelle: http://packagesearch.sourceforge.net

Lizenz: GPLv2

Alternativen: Synaptic

Anwender, die auf Debian-basierten Distributionen die Such- und Filterfunktionen der Kommandozeilentools zu unhandlich finden, sollten Debian Package Search eine Chance geben. Nach dem Start des GUI sollten sie zunächst in den »Preferences« grundlegende Einstellungen vornehmen. Dazu gehört, ob sie per »su« oder »sudo« Rootrechte erlangen und ob das Programm »apt-get« oder »aptitude« nutzt. Das dritte Tab verwaltet das Debtag-Plugin, eine von fünf mitgelieferten Erweiterungen, die Benutzer über das Menü »Packagesearch | Control Plugins« ein- und ausschalten.

Eben diese Plugins machen die Spürnase zu etwas Besonderem, denn sie integrieren Funktionen externer Tools wie »deborphan« , das nicht mehr benötigte Pakete findet. Solche verwaisten Komponenten sind meist als Abhängigkeit zu einer anderen auf die Platte gewandert, werden aber nicht länger benötigt. Das Plugin »filename« unterstützt Anwender beim Suchen nach Paketen, die bestimmte Dateien enthalten, und »debtags« nutzt die Paket-Tags (Metadaten von Debian-Paketen).

Alle Treffer listet Debian Package Search auf, nennt die installierte und in Online-Repositories verfügbaren Versionen sowie eine kurze Beschreibung. Ein Rechtsklick auf einen Paketnamen offenbart im Kontextmenü Funktionen zum Installieren, Aktualisieren und Entfernen, was Administratorrechte erfordert.

★★★★

Die Such- und Filterfunktionen überzeugen auf ganzer Linie. Abzüge gibt es lediglich für die fehlende Lokalisierung.

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