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Linux-Magazin 12/2015
© paza, 123RF

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Der Einplatinencomputer Odroid C1+ als Raspberry-Pi-Alternative

Klein und scharf

Abseits des Raspberry-Pi-Mainstreams tun sich immer wieder Alternativen auf. Der Odroid C1+ punktet mit viel Hardware für wenig Geld. Ist der Exot eine Empfehlung wert?

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Als eine Handvoll Leute 2009 die Rasp-berry Pi Foundation gründete, dürfte keine der beteiligten Personen mit dem folgenden Hype gerechnet haben. Seit dem Erscheinen des ersten Raspberry Pi 2012 kennt die Euphorie keine Grenzen: Der Computer im Scheckkartenformat ging weg wie warme Semmeln.

Eigentlich hatten seine Macher das Gerät vorrangig als Lernwerkzeug erdacht: Der Raspberry Pi sollte jungen Menschen Hardware an die Hand geben, damit sie Programmierkenntnisse auf- und ausbauen konnten. Zumindest hierzulande ist der Raspi mittlerweile aber eher ein Technik-Gadget geworden: Dank Kodi [1] wird aus ihm eine Quasi-Set-Top-Box; alternativ lassen sich mit dem Raspberry Pi auch die Tomaten im heimischen Garten überwachen. Der Erfindungsreichtum seiner Gemeinde ist uferlos.

Obendrein ist es dem Raspberry Pi gelungen, Einplatinencomputer insgesamt salonfähig zu machen. Eine Vielzahl von Alternativen ist heute erhältlich. Von Klonen bis hin zu Edelvarianten ist für jeden Geschmack etwas dabei.

Eine Raspberry-Pi-Alternative ist der Odroid C1+. Er spielt mit 45 Euro preislich in der gleichen Liga, punktet allerdings mit besserer Hardware und werkelt flotter als sein populärer Kollege. Wer einen passenden Computer für das Medienzentrum im Wohnzimmer sucht, ist mit dem Odroid C1+ wahrscheinlich sogar besser bedient. Der folgende Artikel zeigt am praktischen Beispiel, wozu der Odroid C1+ taugt, wo seine Stärken liegen und in welchen Punkten er sich dem Raspberry Pi 2 geschlagen geben muss.

Hardware-Wirren

Der Odroid C1+ ist nicht das einzige Produkt des Herstellers Hardkernel, der beispielsweise auch noch die Odroids U2 und U3 vertreibt. Odroid C1 und U3 klingen vielleicht ähnlich, tatsächlich haben die beiden aber praktisch keine Gemeinsamkeiten. Auch beim C1 selbst sorgte Hardkernel bereits für Verwirrung: Der Odroid C1+ ist nämlich der Nachfolger des Odroid C1, der sich von diesem aber nicht etwa durch große Performancesprünge unterscheidet. Viel mehr ist der C1+ eine revidierte Variante des C1, die Hardwareprobleme der Vorversion in den Griff bekommen soll.

In Sachen CPU, GPU und RAM ist zwischen den beiden C1-Revisionen im Grunde alles beim Alten geblieben: Eine ARM-CPU auf Basis des Cortex-A5-Designs treibt das Gerät mit vier Kernen zu je 1,5 GHz an. Das ist deutlich mehr Kraft unter der Haube als beim Raspberry Pi, der sich mit vier Kernen und 900 MHz begnügt. Die Anzeige realisiert eine Mali-450-GPU, die ebenfalls performanter ist als der Videocore-4-Chipsatz im Raspberry Pi 2.

Der Clou bei dieser GPU ist aber, dass sie HEVC, also H.265 in Hardware dekodieren kann. Damit ist der Odroid C1+ ab Werk deutlich besser geeignet, um 4k-Videos in H.265 auf den entsprechend großen Fernsehern darzustellen. Einplatinenrechner ohne passende GPU haben hier klar das Nachsehen: Wenn nämlich die richtige Hardware fehlt, dann muss der Computer das Decoding des Videomaterials per Software erledigen.

Das verlangt im Falle von 4K-Videos und H.265 allerdings nach einiger Rechenleistung und selbst Vierkern-CPUs aus Intels Core-i7-Reihe geraten bei dieser Aufgabe mächtig ins Schwitzen. Ziemlich unwahrscheinlich also, dass ein ARM-System mit schwächerer CPU diesen Kraftakt hinbekäme. Beim Odroid C1+ hingegen erledigt die Dekodierung der Videos die GPU, sodass für die CPU kein nennenswerter Aufwand übrig bleibt.

Bleibt die Frage, warum Hardkernel sich überhaupt veranlasst sah, den C1 in Form des C1+ zu überarbeiten.

Mit und ohne Plus

Die Gründe werden schon beim direkten Vergleich von alter und neuer Hardware erkennbar: Der C1 nutzte statt eines normalen HDMI-Ports einen Mini-HDMI-Anschluss (Abbildung 1). HDMI-Kabel sind weit verbreitet, anders bei Mini-HDMI: Praktisch jeder, der einen C1 kaufte, musste auch ein HDMI-Kabel mit in den Einkaufswagen legen. Der C1+ bietet einen normalen HDMI-Anschluss (Abbildung 2), sodass künftig ein reguläres HDMI-Kabel genügt.

Abbildung 1: Vorher: Der Odroid C1 setzte zwingend ein Mini-HDMI-Kabel voraus und ließ sich nur per Hohlstecker mit Strom versorgen.
Abbildung 2: Nachher: Der Odroid C1+ verfügt über einen normalen HDMI-Anschluss und nimmt seinen Strom über ein Micro-USB-Kabel auf.

Ähnlich verhält es sich mit der Stromversorgung für den Mini-Computer: Zwar hatte auch der C1 einen Anschluss im Micro-USB-Standard, der eignete sich aber lediglich für USB-Geräte nach dem On-the-go-Prinzip. Strom konnte der C1 darüber nicht aufnehmen; ein eigenes Netzteil mit passendem Hohlstecker war also ebenfalls obligatorisch. Der C1+ lässt sich per Micro-USB mit Strom füttern und zieht so mit typischen Einplatinenrechnern gleich.

Zudem hat Hardkernel beim Odroid C1+ Hardwarefehler beseitigt. So waren mehrere Widerstände zu schwach oder falsch montiert, was die korrekte Funktion von CEC (Consumer Electronics Control) verhinderte. Gemeint ist die Möglichkeit, viele Geräte über eine Fernbedienung zu steuern, indem die Kontrollbefehle standardisiert per HDMI weitergegeben werden. Praktisch jeder moderne Fernseher kann CEC, bei LG heißt die Funktion etwa Simplink.

Theoretisch beherrschte der C1 ebenfalls CEC. In der Praxis ließ es sich aber nur nutzen, wenn eine Backup-Batterie verfügbar war. Eine solche Batterie anzuschließen war tatsächlich möglich – allerdings zum Puffern der eingebauten Real Time Clock (RTC). Verschiedene Revisionen des C1 machten es außerdem nötig, mit dem Lötkolben selbst Hand anzulegen. Beim C1+ sind diese Probleme Geschichte und CEC Lässt sich wie beim Raspberry Pi ab Werk nutzen.

Anders als der Raspberry Pi 2 kommt der Odroid C1+ nicht mit Anschlüssen für Composite-RCA oder 3,5-mm-Klinkenstecker. Die Ausgabe von Audio- und Video- Signalen erfolgt also ausschließlich via HDMI. Dafür ist die schon erwähnte RTC-Uhr vorhanden; auch ein Infrarotempfänger ist ab Werk dabei.

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