Open Source im professionellen Einsatz
Linux-Magazin 11/2015
© andreblais, 123RF

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Anwendungen unter Open Stack installieren für jedermann

Von der Stange

Das ursprüngliche Ziel von Open Stack ist es, die Infrastruktur fürs Rechenzentrum bereitzustellen. Was aber ist mit den Anwendungen, die darauf laufen sollen? Eine Antwort versucht das Murano-Projekt.

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Unter der Schirmherrschaft von Open Stack beziehungsweise der Foundation gibt es eine Menge von Projekten. Was 2010 recht klein mit Nova und Swift anfing, ist nun eine umfangreiche Ansammlung von verschiedenen As-a-Service-Einheiten geworden. Wie Open Stack selbst haben sich auch die Anforderungen und Erwartungen seiner Benutzer vergrößert. Aus der Perspektive des Rechenzentrums mag es ausreichend sein, dass Server, Netzwerk und Datenspeicher elegant und schnell bereitstellbar sind.

Ein Cloudanbieter kann damit schon Geld verdienen. Für die meisten anderen ist die Infrastruktur aber erst der Anfang. Für ihr eigentliches Geschäft müssen Anwendungen mit entsprechender Konfiguration auf der Open-Stack-Maschinerie laufen. Die bloße Infrastruktur ist für sie nicht genug. Der Normalfall sind dagegen 2-Tier- oder 3-Tier-Applikationen mit Abhängigkeiten zwischen den einzelnen Komponenten und oft genug auch zusätzliche Anforderungen an das zugehörige Netzwerk.

Fertige Kollektion

Angenommen jemand möchte sich neu einkleiden. Er braucht Hemd, Weste, Jackett und Hose. Open Stack entspräche in dieser Analogie einem Einkaufszentrum. Der Käufer müsste die einzelnen Geschäfte besuchen und sich aussuchen, was er haben will. Er muss dabei aber auch selbst darauf achten, dass die Sachen zusammenpassen. Wäre es nicht viel einfacher, er könnte aus einem Katalog eine bereits komplett zusammengestellte Garderobe wählen? Im realen Leben versuchen gerade Startups wie Outfittery.de oder Modomoto.de mit dieser Geschäftsidee zu punkten.

Dieser Katalog – allerdings für Applikationen – ist das Open-Stack-Projekt Murano [1]. Grob gesagt stellt das Projekt Schnittstellen bereit, um eine komplette Applikationsumgebung in einer Open-Stack-Wolke zu installieren und zu verwalten. Dabei erfindet Murano das Rad nicht komplett neu, sondern greift auf vorhandene Projekte zurück.

Für die Orchestrierung und die Arbeitsabläufe kommen beispielsweise Heat beziehungsweise Mistral zum Einsatz. Murano versteht sich als Integrator, der die vorhandenen Puzzleteile zu einem Bild zusammenfügt. Abbildung 1 zeigt eine abstrakte Sicht auf das Zusammenspiel der Open Stack-Komponenten.

Abbildung 1: Murano im Zusammenspiel mit anderen Open-Stack-Komponenten.

Seit den Anfängen im Jahr 2013 hat sich Murano weiterentwickelt und ist heute weit mehr als nur ein Katalog. Es übernimmt beispielsweise die Verwaltung des gesamten Lebenszyklus einer Anwendung. Dazu gehören auch Themen wie automatische Skalierung, Hochverfügbarkeit oder auch nur das profane Backup. Ein Blick auf die Zukunftspläne [2] lässt ahnen, dass hier noch viel mehr zu erwarten ist.

Geschichtliches: Wie alles begann

Die Anfänge von Murano – außerhalb der IT bekannt als Inselgruppe vor Venedig, die für ihre Glaskunst berühmt ist – reichen mindestens bis in den Februar 2013 zurück. Interessanterweise machte das Projekt seine ersten Schritt mit Windows und seinem Verzeichnisdienst Active Directory. Die treibende Kraft hinter dem Applikationskatalog ist die Firma Mirantis [3], unter anderem Gründungsmitglied der Open Stack Foundation. Eine einfache Analyse der Softwarebeiträge zu Murano zeigt, dass mindestens die Hälfte der zirka 80 Entwickler aus dieser Firma kommen.

Allerdings hat das Projekt auch erst seit der Open-Stack-Version Juno eine gewisse Sichtbarkeit. Der breiteren Öffentlichkeit ist Murano wohl erst seit dem Summit in Vancouver bekannt, wo eine Art Marktplatz-Version des Projekts vorgestellt wurde. Wem es in den Fingern juckt, gleich selbst einen Blick in den Katalog zu werfen, der findet in dem Kasten "Erste Schritte" die notwendigen Hinweise und Tipps.

Erste Schritte

Für den Einstieg empfiehlt sich die Verwendung von Ubuntu als Basis-Betriebssystem und Devstack als Installationswerkzeug für Open Stack. Der Autor dieses Artikels hat allerdings eines der Derivate von Red Hat benutzt. Hier gilt: älter ist besser. Der Grund dafür ist die Software Django [4].

Bis zur Version 1.8 waren die Formtools [5] Teil dieses Projekts und alles war gut. Dann gab es aber die Entscheidung, diesen Teil zu separieren. Das müsste eigentlich nicht weiter tragisch sein, doch Fedora 22 liefert den ausgegliederten Teil leider nicht mehr mit. Darunter leidet die Murano-Installation, besonders die Integration in die grafische Schnittstelle Horizon. Das Problem ist technisch lösbar, lenkt aber von der eigentlichen Installation ab.

Die Versionsnummer des installierten Python verdient ebenfalls etwas Aufmerksamkeit. Bei 2.7 und/oder 3.4 ist man auf der sicheren Seite. Mit Ubuntu (oder Fedora 21) sind die Schritte für die Installation recht einfach und im Netz gut dokumentiert [6]. In den Labortests der Redaktion des Linux-Magazins hat sich die Verwendung des tagesaktuellen Software-Standes bewährt (Listing 1).

Im Idealfall kann der Anwender schon nach ein paar Stunden auf eine Open-Stack-Umgebung inklusive Murano-Integration zurückgreifen. Der leichte Weg führt dann an dem im Haupttext erwähnten Marktplatz für Open-Stack-Anwendungen vorbei. Dort kann sich der Anwender dann fertige Pakete herunterladen und sie in die eigene Umgebung integrieren.

Dabei bleibt es ganz dem Benutzer überlassen, ob er das über die grafische Schnittstelle Horizon oder über das Kommandozeilen-Programm »murano« [7] machen will. Eine entsprechende Verbindung ins Internet natürlich vorausgesetzt, landen sogar die notwendigen Glance-Abbilder [8] da, wo sie hingehören (siehe auch Abbildung 2).

Abbildung 2: Anwendungen im Murano-Katalog einer privaten Open-Stack-Installation.

Listing 1

Murano-Installation

01 $
02 $ git clone https://git.openstack.org/openstack-dev/devstack
03 [...]
04 $ git clone https://git.openstack.org/openstack/murano
05 [...]
06 $ export DEVSTACK_DIR=`pwd`/devstack/
07 $ cd murano/contrib/devstack/
08 $ cp lib/murano ${DEVSTACK_DIR}/lib
09 $ cp lib/murano-dashboard ${DEVSTACK_DIR}/lib
10 $ cp extras.d/70-murano.sh ${DEVSTACK_DIR}/extras.d
11 $ cd $DEVSTACK_DIR
12 $ vi local.conf
13 [...]
14 $ cat local.conf
15 [[local|localrc]]
16 ADMIN_PASSWORD=Password
17 DATABASE_PASSWORD=$ADMIN_PASSWORD
18 RABBIT_PASSWORD=$ADMIN_PASSWORD
19 SERVICE_PASSWORD=$ADMIN_PASSWORD
20 SERVICE_TOKEN=b670a556-36a3-37c3-a5d2-f712f8080d50
21 enable_service heat h-api h-api-cfn h-api-cw h-eng
22 enable_service murano murano-api murano-engine
23 $
24 $ sudo ./tools/create-stack-user.sh
25 [...]
26 $
27 $ sudo cp -a /root/devstack /opt/stack/
28 $ sudo chown -R stack:stack /opt/stack/
29 $ sudo su - stack
30 $ cd devstack
31 $ ./stack.sh
32 [...]

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