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Linux-Magazin 10/2015
© everythingpossible, 123RF

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Mails, Fotos, soziale Netze, Verträge – der digitale Nachlass wächst

Was bleibt

90 Prozent der Internetnutzer haben laut einer Umfrage ihren digitalen Nachlass nicht geregelt. Der überwiegende Teil sieht sich damit schlicht überfordert. AGBs, Gesetze, Dokumentation – die Materie ist komplex. Ein Einblick und einige Tipps.

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Die Regelung des digitalen Nachlasses ist in Deutschland kein Tabuthema, im Gegenteil: Bei einer repräsentativen Umfrage [1] des Branchenverbands Bitkom in Deutschland gaben fast 80 Prozent der befragten Personen an, dass sie ihr digitales Vermächtnis gerne geregelt sähen, wenn sie denn wüssten wie. Der noch größere Teil der Befragten sieht sich mit dieser Aufgabe überfordert.

Das Ergebnis: Fast alle Hinterbliebenen stehen ohne die nötigen Informationen über den digitalen Nachlass der Verstorbenen da und müssen Nutzerdaten zu Accounts und Verträgen recherchieren, es fehlen Passwörter und ein Überblick zu den vom Verstorbenen genutzten Services. Das zu bewältigen kann sehr aufwändig sein.

Das digitale Erbe dürfte mit einer stetig wachsenden Angebotspalette an Internetdiensten und selbst produzierten Daten an Umfang zunehmen. Diverse Services und auch Bestattungsunternehmen bieten Hinterbliebenen ihre Dienste zur Aufarbeitung der digitalen Erbschaft an.

Definitionssache

Dass es mit der Weitergabe des E-Mail-Accounts oder des Facebook-Zugangs nicht getan ist, dürfte klar sein. Eine mögliche umfassende Definition gibt das Kapitel "Digitaler Nachlass" im "Praxis-Handbuch Erbrechtsberatung" [2]: Alle Rechtsverhältnisse des Erblassers, die informationstechnische Systeme betreffen, einschließlich seines gesamten elektronischen Datenbestands.

Damit sind laut Handbuch im Detail gemeint: Hardware und Software, die gesamten lokal oder im Internet gespeicherten Daten, Zugänge im Internet, E-Mails, Rechte an Websites und Blogs sowie Fotos, Videos, Textbeiträge und sonstige Inhalte, die der Erblasser im Internet veröffentlicht oder dort erstellt hat. Auch Vertragsabschlüsse, Vertragsbeziehungen im Internet sowie die Abwicklung von Vertragsmodalitäten online sind umfasst.

Fehlende Rechtsprechung

So umfangreich der Bestand ist, so spärlich ist nach Meinung der Experten die bisherige Rechtsprechung zum Thema. Für Anton Steiner, Fachanwalt für Erbrecht in München und Mitautor und Herausgeber des Praxis-Handbuchs Erbrechtsberatung, besteht eine weitere, nicht zu unterschätzende Hürde in dem Wust von Vorschriften unterschiedlicher Rechtsgebiete und formularmäßiger Regelungen der häufig auch noch international tätigen Internetanbieter.

Das Handbuch nennt als Beispiel für die rechtlichen Vorschriften die Urheberrechte des Erblassers an geschützten Werken, die gemäß §§ 28 ff. Urheberrechtsgesetz vererblich seien. Fotos, Videos und Texte wie etwa Blogeinträge zählen dazu. Für jedes einzelne der genannten Medien gelten andere Vorschriften aus dem Urheberrechtsgesetz.

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