Open Source im professionellen Einsatz
Linux-Magazin 10/2015
© lakhesis, 123RF

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Wann Unternehmen sich Open Stack lieber (nicht) antun sollten

Des Guten zu viel

Der Hype um Open Stack führt dazu, dass viele Unternehmen sich reflexartig auf die Software stürzen, um sie zu evaluieren und einzuführen – obwohl andere Ansätze für ihren Anwendungsfall besser geeignet wären. Wann hilft Open Stack, wann nicht?

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Auf Konferenzen und Messen ist es zurzeit praktisch unmöglich, dem Thema Open Stack zu entkommen: Ganz gleich wo man ist, die Jünger der Cloudsoftware sind nie weiter als 20 Meter entfernt. Das ist nicht verwunderlich, denn Unternehmen wie Hewlett-Packard, IBM oder Canonical haben in den vergangenen Jahren viel Geld investiert, um auf den Open-Stack-Zug aufzuspringen. HP beispielsweise verspricht seinen Helion-Kunden ein besseres, HP-eigenes Open Stack, das dem Original in vielen Punkten überlegen sein soll.

Für ihr Investment wollen die Hersteller nun Rendite in Form von Supportverträgen einfahren. Konsequent verkaufen viele Anbieter den Kunden Open Stack (Abbildung 1) als eierlegende Wollmilchsau: Vom VMware-Ersatz bis hin zum Software Defined Datacenter soll es sich für praktisch jeden Zweck eignen.

Abbildung 1: Open Stack ist ein mächtiges Werkzeug, aber für viele Szenarien eigentlich viel zu komplex. Im Bild eine Übersicht der aktivierten Komponenten

Dass die Realität eine andere ist, bemerken Unternehmen im Rahmen der ersten Open-Stack-Evaluation. Kleine Proof-of-Concept-Setups gehen ja noch: Im Kontext eines Fünf-Knoten-Clusters lässt sich Open Stack gut meistern. Wenn es im Anschluss darum geht, die Erkenntnisse der Kleininstallation auf ein größeres Setup zu übertragen, setzt schnell Ernüchterung ein, weil sich ein 25-Knoten-Setup in vieler Hinsicht anders verhält als die kleine Testinstallation.

Regelmäßig verzetteln sich Firmen dann im Open-Stack-Klein-Klein statt zu einer funktionierenden Lösung zu kommen. Der Grundfehler: Wegen des großen Marketing-Hype scheint Open Stack vielen Admins die einzige Lösung zu sein, wenn es darum geht, die im Unternehmen etablierte IT-Plattform zu erneuern. Tatsächlich gibt es aber Alternativen, mit denen viele Firmen deutlich besser bedient wären.

Stellt sich die Frage: Welche Workloads sind überhaupt zweckmäßig oder sogar notwendig, um Open Stack sinnvoll produktiv zu nutzen? Welche Voraussetzungen sollten erfüllt sein, damit ein Unternehmen Open Stack sinnvoll betreiben kann? Und welche Gründe sprechen im Zweifelsfalle womöglich sogar gegen die freie Cloudplattform? Wo finden Admins passende Alternativen für ihr Einsatzszenario? Der folgende Artikel gibt Antworten auf diese Fragen.

Was Open Stack kann

IT-Konzepte entstehen eigentlich immer nach dem gleichen Grundmuster: Die Planer gehen vom Bedarf aus, versuchen also die Funktionen zusammenzutragen, die ihre Lösung im besten Fall bieten soll. Dann findet eine grobe Vorsortierung statt, um solche Produkte zu identifizieren, die möglicherweise in Frage kommen. Schließlich folgt ein ausgiebiger Test, in dessen Rahmen man den Produkten auf den Zahn fühlt.

Am Beispiel von Open Stack stehen viele IT-Planer hier schon beim zweiten Schritt vor größeren Problemen: Weil Open Stack aus diversen Komponenten besteht, ist im ersten Augenblick gar nicht ersichtlich, was die Umgebung eigentlich von anderen Ansätzen wie Ovirt oder VMware abhebt. Im Dickicht von Glance, Nova, Neutron, Cinder, Ceilometer und dergleichen Open-Stack-Gewächsen mehr verheddern sich selbst gestandene Sysadmins völlig.

Faktor 1: Funktionsumfang

Open Stack bietet mittlerweile einen beachtlichen Funktionsumfang, zumindest auf dem Papier. Er umfasst das Verwalten virtueller Maschinen auf einer großen Zahl an Systemen durch Nova genauso wie Software-defined Networking mit Neutron oder das dynamische Management von verteilten Speichern via Glance. Eben weil so viele Hersteller mittlerweile an der Suppe mitkochen, bietet Open Stack gegenwärtig die größte Geschmacksvielfalt. SDN-Produkte von Juniper oder Cisco lassen sich in Open Stack genauso gut integrieren wie Speicher von EMC oder Netapp.

Und die Familie der Open-Stack-Komponenten wächst stetig: Gerade erst hat das Projekt die Big-Tent-Initiative gestartet, bei der sich im Grunde jede Komponente als Teil von Open Stack bezeichnen darf – solange sie einige wenige essenzielle Regeln einhält. Es ist also damit zu rechnen, dass die Zahl der unterstützten Features in Open Stack weiter steigt.

Die Medaille hat freilich auch eine Kehrseite: Die beachtliche Funktionalität, die viele Komponenten realisieren, führt zwangsläufig zu enormer Komplexität.

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