Open Source im professionellen Einsatz
Linux-Magazin 10/2015
© scanrail, 123RF

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Unified-Storage-Manager Open Attic 2.0

Runderneuert

Open Attic bietet viele sehr komfortable Funktionen für die Administration von Netzwerkspeichern. Version 2.0 legt jetzt mit vielen Features und einer von Grund auf neu gestalteten Oberfläche nach.

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Die Administration von Storage-Systemen gehört nicht gerade zu den Lieblingsaufgaben eines Admin. Es hilft aber nichts: Speicher sind integraler Bestandteil praktisch jedes IT-Setup. Wer es sich leisten kann, greift zu Storage-Appliances von EMC, Netapp & Co.: Die zeichnen sich vorrangig dadurch aus, dass sie viele technischen Details hinter einer schönen Oberfläche verstecken und eine gehörige Menge Intelligenz mitbringen, was für Admins sehr komfortabel ist.

Der Nachteil solcher fertigen Speicherlösungen ist, dass die verlangten Preise für eine gewisse Exklusivität sorgen. Das gilt im aktuellen Hype rund um die Cloud umso mehr. Denn wer verteilte und redundante Datensilos von riesigen Dimensionen braucht, muss bei den etablierten Herstellern ganz schön tief in die Tasche greifen.

Open-Source-Lösungen haben dieses Problem in der Regel nicht. So erklärt es sich, dass Projekte wie Ceph oder DRBD in den vergangenen Jahren schöne Stücke vom großen Storage-Kuchen abbekommen konnten.

Fehlendes Management

Dass die günstigen Eigenbau-Storages nicht den ganzen Kuchen bekamen, hat einen Grund: Während sich bei EMC & Co. alltägliche Aufgaben wie das Anlegen neuer Volumes oder der Austausch von Festplatten unkompliziert gestalten, ist bei Bastelspeichern viel Handarbeit angesagt. Die Protokollproblematik kommt hinzu: Wer den physischen Speicher eines Servers über verschiedene Protokolle anbieten will, also zum Beispiel via NFS und I-SCSI, bekommt es mit einer Vielzahl von Diensten zu tun. Zudem stellt sich die Frage, wie es eigentlich mit Redundanz aussieht.

Die Fuldaer Firma IT-Novum tritt mit ihrem Produkt Open Attic an, diese Probleme aus der Welt zu schaffen. Open Attic verspricht dem Admin ein Wunschlos-glücklich-Paket: Auf Basis physischen Speichers sollen sich die gängigen Protokolle per Mausklick einrichten lassen. Auch Redundanz – etwa über DRBD – gehört zum Leistungsumfang. Eine Weboberfläche, die alle Funktionen leicht zugänglich machen soll, garniert das Angebot.

Open Attic ist für Leser des Linux-Magazins kein unbekanntes Projekt: Zweimal war es bereits Thema, nämlich 2013 [1] und 2014 [2] mit den in diesen Jahren jeweils aktuellen Versionen 1.0 und 1.1 (Abbildung 1). Der Leistungssprung, den die Entwickler damals binnen eines Jahres hinlegten, sorgte definitiv für Wohlwollen, war es ihnen doch gelungen, die meisten der Kritikpunkte an Version 1.0 zu tilgen. Umso gespannter war die Redaktion, als das Projekt ankündigte, die erste Betaversion von Open Attic 2.0 stünde zum Testen bereit.

Abbildung 1: Open Attic 1 hatte zwar auch ein Webinterface, es glänzte aber nicht besonders durch Übersichtlichkeit.

Zankapfel Installation

Das Thema Installation war besonders anfangs ein Problem. Die Version 1.0 kam mit einem obskuren Shellskript daher, das auf Systemen mit Debian Wheezy auszuführen war. Nur dort konnte es überhaupt gelingen, Open Attic wie empfohlen zu betreiben. Bei Version 1.1 hatten die Entwickler von IT-Novum bereits nachgebessert und boten immerhin Pakete an, die auf Debian und Ubuntu nutzbar waren. Das Nachsehen hatten in beiden Fällen die Nutzer von SLES- oder RHEL-basierten Systemen.

Im europäischen Markt mag dieser Minimalismus vielleicht funktionieren, denn viele Server laufen hierzulande unter Ubuntu oder dessen Stammvater Debian GNU/Linux. Den großen US-Markt und mit ihm die gesamte US-Szene freier und offener Software verprellten die Entwickler aber damit. Auf der anderen Seite des großen Teiches ist nun mal Red Hat unangefochten die Nummer eins in Sachen Linux.

Das hat IT-Novum inzwischen offenbar erkannt. Denn Open Attic 2.0 wird die erste Version der Software sein, die Pakete auch für Red Hat Enterprise Linux und damit kompatible Distributionen wie Centos bietet. De facto vergrößert diese Maßnahme den Kreis möglicher Nutzer um ein Vielfaches. IT-Novum dürfte davon doppelt profitieren: Einerseits ist es nun durchaus denkbar, dass Open Attic auf Community-Interesse künftig auch in Amerika trifft, andererseits vergrößert sich auch der Kreis der möglichen Kunden für die Enterprise-Variante.

Bei Redaktionsschluss fehlte in der Kurzanleitung zur Open-Attic-Installation leider noch eine genaue Übersicht über die nötigen Befehle, um Open Attic auf einem RHEL-basierten System zum Laufen zu bringen. Bis zur fertigen Version dürften die Entwickler das nachrüsten. Die RPM-Pakete gibt es jedenfalls bereits auf der Website des Projekts [1].

Tatsächlich unterscheidet sich die Installation auf RHEL-Systemen auch nicht großartig von den Schritten, die auf einem Debian-basierten System nötig wären. Schließlich kommt Open Attic mit einer Vielzahl von Hilfswerkzeugen, die weite Teile des Setups automatisch bewerkstelligen.

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