Open Source im professionellen Einsatz
Linux-Magazin 09/2015
© jaroonrat vitoosuwan, 123RF

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Vier Rescue-Systeme im Vergleich

Hilfe in der Not

Rescue-Systeme sind das Notfall-Set des Systemadministrators in höchster Bedrängnis. Vier Probanden zeigen, was sie draufhaben: Grml, Rescatux, Knoppix und Systemrescue-CD.

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Zu den unschönen Ereignissen im Leben jedes Systemadministrators gehört es, wenn sich ein Server nicht wie erwartet zurückmeldet. Schuld könnte beispielsweise ein missglücktes Update von Grub selber sein. Nun wird es meist stressig: Was ist der Grund für den fehlgeschlagenen Neustart? Und was ist zu tun, um den Server zu reanimieren? Schon die erste Frage ist nicht so leicht zu beantworten, denn wenn der Rechner gar nicht erst fertig startet, ist es unmöglich, sich einzuloggen und nachzusehen.

Jetzt schlägt die Stunde der Rettungssysteme. Es gibt sie in vielen Geschmacksrichtungen, jedes System nennt für sich spezielle Einsatzgebiete. Im Folgenden fühlt das Linux-Magazin vier Rettungs-Linuxen auf den Zahn. Neben Grml und Knoppix geht es auch um Rescatux und Systemrescue-CD.

Damit ein Test sinnvolle Ergebnisse hervorbringen kann, ist zunächst eine andere Frage zu klären: Welche Funktionen müssen Rettungssysteme überhaupt erfüllen? Und welchen Workflow sollte der Admin bereits im Vorfeld einrichten, damit das Rettungssystem im Falle eines Falles schnell parat ist?

Bootstrapping für den Notfall

Systeme wie Grml oder Knoppix existieren seit etlichen Jahren. Sie haben so manchen IT-Hype überlebt und sich vielen Admins als hilfreiche Begleiter angedient, wenn es darum geht, Rechner, die sich nicht mehr starten lassen, zum Leben zu erwecken.

Allerdings haben sich in den vergangenen Jahren die Spielregeln geändert: War es vor fünf Jahren durchaus üblich, dass Server mit CD-Laufwerken geliefert wurden, sucht man so etwas bei heutigen Systemen oft vergeblich. Viele Rettungssysteme verharren dagegen noch in der alten Zeit und sind dafür ausgelegt, auf eine CD oder zumindest wie Knoppix auf eine DVD zu passen.

In der Praxis ist diese Anforderung heute aber irrelevant: Wenn Admins ihren Systemen im Notfall auf die Beine helfen, spielen optische Medien in den seltensten Fällen noch eine Rolle. Jeder aktuelle Server bootet von Flashmedien wie USB-Sticks oder SD-Karten, und die sind im Mittel deutlich größer. Häufig bootet der Admin sowieso nicht mehr von transportablen Medien. Statt mit einem USB-Stick durch sein Rechenzentrum zu flitzen, nutzt er eines der Management-Frameworks der großen Hersteller: HPs ILO, Dells DRAC oder IBMs RSA geben den Ton an.

Diese Systeme funktionieren völlig unabhängig vom OS auf dem Host und booten den Server auf Zuruf von beliebigen Medien. Im Falle eines Falles lässt sich auch per generischem IPMI-Protokoll ein Reboot herbeiführen, eine Kombination aus PXE- und TFTP-Server sorgt dann dafür, dass der Rechner ins Rettungssystem bootet und nicht in das kaputte OS. Admins tun also gut daran, eine solche Infrastruktur einzurichten.

Was muss ein Rettungssystem leisten?

Sinn und Zweck eines Rettungssystems ist es stets, den Zugriff auf das kaputte System zu erlauben, um es anschließend reparieren zu können. Damit das aber klappt, sind einige Voraussetzungen zu erfüllen. Zunächst sollte das Rettungssystem aktuelle Hardware so gut wie möglich unterstützen. Ein gebootetes Notfallsystem bringt schließlich nur wenig, wenn es keinen Treiber für den Raid-Controller hat und deshalb die vorhandenen Festplatten erst gar nicht erkennt. Deshalb sind die Probanden im Test mehrheitlich darauf bedacht, regelmäßig neue Versionen zu veröffentlichen – mit aktualisierten Kerneln.

Das ist aber nur die halbe Miete: Aktuelle Server benötigen zuweilen spezielle Zusatztreiber oder Firmware, die in dem Rettungssystem mangels Lizenzen gar nicht vorhanden sein darf. Im schlimmsten Fall kann es also nötig werden, dass der Admin ein entsprechendes Kernelmodul auf Grundlage des Rettungssystems selber baut. Rescue-Werkzeuge müssen deshalb auch die Möglichkeit bieten, Zusatzkomponenten nachzuladen oder gleich eine modifizierte Version des originalen Image zu verteilen. Schließlich sollten die Rettungssysteme eine möglichst große Anzahl von Technologien unterstützen: Verschlüsselte Software-Raids oder LVM sind auf Servern eher die Regel als die Ausnahme.

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