Open Source im professionellen Einsatz
Linux-Magazin 09/2015
© Thomas Amby Johansen, 123RF

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Eclipse-Konferenz in Toulouse

L'éclipse totale

Rund 250 Entwickler versammelten sich Ende Juni 2015 in Toulouse, um auf der Eclipsecon France die vielfältige IDE zu diskutieren. Hippes Zentralthema: Das Internet der Dinge. Das Projekt nutzte die Gelegenheit aber auch, um die neue Version 4.5 vom Stapel zu lassen.

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Airbus hat nicht nur eine größere Filiale in Toulouse, das Unternehmen beeinflusste auch ein wenig die Eclipsecon France 2015 [1]. Das scheint kein reiner Zufall zu sein: Die Firma setzt Eclipse [2] schon seit geraumer Zeit ein. Daher kamen auch einige Entwickler aus Toulouse selbst, aus Frankreich rund 50 Prozent, schätzt Gaël Blondelle. Als Chef der Veranstaltung muss er es wissen.

Thematisch begann die Konferenz mit Workshops. Einer stellte den Oomph-Installer [3] vor, der nicht nur die Installation von Eclipse deutlich vereinfacht. Die Software soll Entwicklern die umständliche Konfiguration abnehmen und Eclipse schneller fit für vorhandene Projekte machen. Den Umgang mit Oomph spielten die Besucher am eigenen Rechner nach, mit ein wenig Schützenhilfe der Entwickler Ed Merks und Eike Stepper.

Ein weiterer Workshop von Baptiste Mathus und Michael Pailloncy brachte den Anwesenden die Feinheiten von Github [4] näher und erklärte beispielsweise, was ein »git merge« von einem »git rebase« unterscheidet. Auch wie sich mit »git bisect« die Nadel im Heuhaufen aufspüren lässt, zeigten die Programmierer. Das clevere Kommando siebt aus einer großen Zahl an Commits den einen fehlerträchtigen aus.

Klimaschutzgipfel

In der folgenden Keynote von Tom Raftery wähnten sich die Zuhörer zunächst auf einem Klimaschutzgipfel. Raftery skizzierte, wie schwer es der Menschheit fallen werde, die ohnehin niedrig gesteckten Klimaschutzziele zu erreichen, um dann geschickt eine Brücke zum Internet der Dinge zu bauen. Seine Argumentation: Dank Swansons Law [5] würden Solarmodule in den nächsten Jahren spottbillig und mit ihnen die Stromproduktion. Das Hauptproblem liege jedoch darin, die erzeugte Energie zwischenzuspeichern – vor allem wenn es um autonome, dezentrale und umweltfreundliche Energie-Erzeugung geht.

Das Internet der Dinge könnte das Problem laut Raftery lösen und dabei helfen, das seit Jahrzehnten unveränderte Stromnetz zu reformieren. Mit intelligenten Geräten ließe sich die Energie nach Bedarf und abhängig vom Preis regulieren. Solche Geräte könnten Energie abgeben, wenn sie diese nicht brauchen, oder bei Bedarf Energie anfordern und so helfen, den CO2-Ausstoß massiv zu reduzieren.

Sachen im Internet

Das Internet of Things (IoT) durchzog die Konferenz als roter Faden: Während andere noch an ihren IoT-Anwendungen feilten, seien die Eclipse-Produkte bereits einsatzbereit, erklärten Teilnehmer, die für große Unternehmen vor Ort die IoT-Situation sondierten.

Der Italiener Davide De Cesaris stellte als Beispiel [6] ein IoT-System auf Basis von Eclipse Kura [7] und der Cloudplattform Solair [8] vor. Der Finne Ville Ingman von der Firma Vaadin ging das Thema etwas spielerischer an und brachte seine eigene Drohne mit. Die nahm über IBMs Bluemix-Cloud vom Publikum Befehle entgegen und fing als Ergebnis wild an zu blinken. Zwecks Analyse sollte sie auch Daten zurückliefern, die aber trafen dank der langsamen Konferenz-Netzanbindung nur tröpfelnd ein.

Ungefähr 250 Besucher sorgten für eine familiäre Atmosphäre auf der Eclipsecon France.

Der Vortrag des Forschers Nicolas Bonnefond zum Einsatz von Open Hab [9] im Smart Home brachte neben einigen Forschungserkenntnissen auch ungewollt das Unbehagen am Smart Home auf den Punkt: "Diese Wohnung ist mit Hunderten Sensoren und Aktoren mit diversen Protokollen ausgestattet [...]. Subjekte können tatsächlich darin leben, auch für mehrere Tage", versprach die Ankündigung. Die Zuschauer wurden Zeugen, wie Senioren in dem 40 Quadratmeter großen Domus-Appartement mit der neuen Technologie interagierten. Als Forschungsauftrag völlig legitim, doch machte die von Kameras überwachte und ferngelenkte Laborwohnung nicht unbedingt Lust auf mehr.

Während aber das Smart Home wohl noch ein paar Jahre um Akzeptanz kämpfen muss, könnten Sicherheitslücken im Internet der Dinge früher für Aufsehen sorgen. Julien Millard berichtete über die Schwierigkeit, aktualisierte Firmware auf die großen Flotten von Kleinstgeräten zu bekommen. Er sprach über gute und schlechte Verschlüsselung und sicheres Booten. Funktionierende Software muss unter anderem berücksichtigen, was passiert, wenn beim Upgrade der Strom ausfällt oder Fehler im Netzwerk auftreten. Auch wäre es unschön, wenn ein schlecht getestetes Patch die bereits verkauften und im Einsatz befindlichen Geräte nach dem Reboot in wertlose Briefbeschwerer verwandelt. Server, die eine ganze Armada solcher Geräte steuern, brauchen laut Millard besonderen Schutz.

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