Open Source im professionellen Einsatz
Linux-Magazin 09/2015
© Kim Briers, 123RF

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Vorgestellt: Eclipse 4.5 "Mars"

Life on Mars

Am 24. Juni hat die Eclipse Foundation eine neue Version ihrer beliebten Entwicklungsumgebung veröffentlicht. Eclipse Mars begeistert mit zahlreichen kleinen Verbesserungen, der Integration von Docker und dem äußerst hilfreichen Oomph.

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Die weithin bekannte Entwicklungsumgebung Eclipse [1] besteht aus zahlreichen Komponenten, die jeweils eigene Projekte unabhängig voneinander weiterentwickeln. So rüsten beispielsweise die im CDT-Projekt (C/C++ Development Tooling, [2]) erzeugten Werkzeuge und Plugins eine Unterstützung für C/C++-Programmierer nach.

Damit Anwender nicht ständig den neuesten Versionen hinterherlaufen müssen, frieren einmal im Jahr alle Entwickler ihre Projekte ein und schnüren zusammen mit der Eclipse Foundation ein Komplettpaket. Am 24. Juni jährte sich dieser so genannte Annual Eclipse Release Train bereits zum zehnten Mal.

Debian und Ubuntu

Debian und Ubuntu halten in ihren Repositories nur die hoffnungslos veraltete Version 3.8 von Eclipse vor. Auf Anfrage des Linux-Magazins begründete Paketbetreuer Jakub Adam diese Situation mit fehlender Manpower. Man versuche aber, für einzelne Eclipse-Projekte aktuelle Pakete zu schnüren. Mindestens die Mars-Versionen der CDT, WTP oder Mylyn sollen in den kommenden Wochen in den Repositories auftauchen – und dabei auf der Eclipse-Plattform 3.8 laufen. Laut Jakub Adam soll das "ziemlich gut" funktionieren.

Wer Eclipse 4.5 unter Debian und Ubuntu einsetzen will, muss die IDE also selbst installieren. Auf einem Testsystem mit Ubuntu 15.04 verweigerten Eclipse und einige Projekte jedoch die Arbeit, besonders Sirius stürzte immer wieder ab. Die Gründe dafür ließen sich bis Redaktionsschluss nicht klären.

Das nun veröffentlichte Eclipse Mars besteht aus 79 Einzelprojekten, in denen zusammen über 65 Millionen Codezeilen stecken, an denen 380 Entwickler gearbeitet haben – ein neuer Rekord. Sämtliche zu Mars gehörenden Projekte und ihre Versionsnummern listet eine eigene Seite auf [3].

Schwungvoll

Die Eclipse-IDE stand bei Redaktionsschluss in insgesamt 13 Varianten bereit [3]. Jede richtet sich an eine ganz bestimmte Nutzergruppe und enthält nur die für den jeweiligen Anwendungsfall benötigten Projekte beziehungsweise Plugins. Über die nachträgliche Installation von Plugins (siehe Kasten "Plugin-Situation") lassen sich jedoch alle anderen Features nachrüsten. Jede Eclipse-Variante gibt es für Linux in einer 32- und einer 64-Bit-Fassung. Es genügt, das passende Archiv herunterzuladen, es zu entpacken und dann die Anwendung »eclipse« zu starten.

Plugin-Situation

Drittanbieter-Plugins teste das Eclipse-Projekt nicht, gab Release Manager Wayne Beacon gegenüber dem Linux-Magazin zu Protokoll. Vielmehr soll der Entwicklungsprozess mit seinen Milestone-Builds dem Projekt selbst, aber auch den Entwicklern von Drittanbieter-Plugins, die Gelegenheit geben, ihren Code zu testen und zu aktualisieren. So können sie sicherstellen, dass er bereit für die Release ist.

Letztendlich müssten sich aber die Anbieter um die Qualitätssicherung kümmern. Beacon schiebt jedoch hinterher, dass es seines Wissens keine signifikanten Probleme mit Drittanbieter-Plugins für Eclipse Mars gebe. Die Zahl der erfolgreichen Plugin-Installationen über den Marketplace sei laut Statistik nach der Release angestiegen.

Eine alternative Installationsmöglichkeit bietet der neue Eclipse-Installer des Oomph-Projekts [4]. Dieser Assistent stellt zunächst alle Eclipse-Fassungen zur Auswahl (Abbildung 1). Hat sich der Anwender für eine Variante entschieden, darf er das Installationsverzeichnis festlegen, die zu installierende Eclipse-Variante wählen, das zu verwendende JDK vorgeben und gezielt die 32- oder 64-Bit-Version einspielen.

Abbildung 1: Der Eclipse Installer des Oomph-Projekts vereinfacht vor allem die Installation mehrerer, maßgeschneiderter Eclipse-Varianten.

Standardmäßig speichert der Assistent alle heruntergeladenen Plugins in einem Bundle Pool. Damit stehen die Plugins automatisch allen anderen Eclipse-Installationen zur Verfügung, die diesen Bundle Pool mitnutzen [5]. Über das Menü mit dem Hamburger-Symbol dürfen Anwender weitere Bundle Pools hinzufügen beziehungsweise den Speicherort der Bundle Pools ändern.

Der Installer kennt auch einen Advanced Mode, der zunächst alle bereits beschriebenen Einstellungen in nur einem Fenster zusammenfasst. In ihm dürfen Anwender der Installation außerdem einzelne Projekte hinzufügen beziehungsweise solche von ihr ausnehmen. Auch im laufenden Betrieb lassen sich in Eclipse zu einem späteren Zeitpunkt noch Projekte nachholen (Abbildung 2).

Abbildung 2: Im fertig installierten Eclipse lassen sich weitere Projekte über dieses Fenster nachinstallieren, das sich hinter Import | Oomph versteckt.

Wer mag, definiert eigene Eclipse-Varianten in entsprechenden Konfigurationsdateien und führt sie dem Installationsassistenten zu. Er gibt dabei auch gleich die gewünschten (Grund-)Einstellungen sowie benötigte Tasks vor. So klont er schon während der Installation ein Git-Repository. Ein Weg, auf dem sich eine maßgeschneiderte Eclipse-Variante schnell reproduzieren beziehungsweise verteilen lässt.

Damit Entwickler sich nicht im XML verheddern, das die Konfigurationsdateien verwenden, rüstet Oomph einen eigenen Setup-Editor nach (Abbildung 3). Mit ihm klicken sie sich die benötigten Komponenten und Grundeinstellungen einfach zusammen. Ein passender Wizard erstellt auf Wunsch eine neue Setupdatei (»File | New | Other | Oomph | Setup Project Model« ).

Abbildung 3: Der Setup-Editor kann alle Änderungen aus den Einstellungen in die Setupdatei übernehmen.

Flinke Oberfläche

Eclipse 4.5 startet nur noch mit einer JRE ab Java 7. Dafür soll die IDE jetzt wesentlich flotter zu Werke gehen als ihre Vorgängerin. Möglich machen das unter anderem ein größerer Java-Heap sowie zahlreiche Code-Optimierungen. Die Textsuche nutzt mehrere Prozessorkerne und fördert so Fundstellen drei- bis viermal schneller zutage.

Dank der leicht aufpolierten Benutzeroberfläche zeigt der Project Explorer jetzt verschachtelte Projekte in einer Hierarchie an. Der »Öffnen« -Dialog bietet ab sofort ein Filterfeld und erinnert sich an den ausgewählten Editor. Analog lassen sich im Fenster »Open Ressource« mehrfach angezeigte Ressourcen ausblenden. Wer neuerdings mit der rechten Maustaste auf ein Editor-Tab klickt, schließt bei Bedarf alle Tabs zur Linken oder Rechten (Abbildung 4).

Abbildung 4: Hier würde ein Mausklick das Tab build.properties schließen.

Das Drucken-Symbol blendet Eclipse Mars standardmäßig aus. Viele Symbole liegen zudem als PNG-Bilder vor und sollen insbesondere auf dunklen Hintergründen besser hervorstechen. Das überarbeitete Dark-Theme wirkt sachlicher und erhöht die Lesbarkeit von Texten (Abbildung 5). Auf Linux-Systemen verwendet das Standard-Theme GTK ab sofort GTK+ 3. Sollte das GUI-Toolkit nicht installiert sein, greift Eclipse auf GTK+ 2 zurück, das allerdings mindestens in Version 2.18 vorliegen muss.

Abbildung 5: Das Dark Theme für Eclipse bietet zwar in der neuen Version einige Verbesserungen an, ist dadurch aber noch immer nicht wirklich gut benutzbar.

Nach über drei Jahren Abwesenheit kehrt das Fenster »Customize Perspective« zurück, über das Anwender die Perspektiven anpassen (Abbildung 6). Die Konsole bietet auf Wunsch einen Zeilenumbruch (Word Warp) und in ihrem Kontextmenü den Befehl »Terminate/Disconnect All« an. Scrollt der Nutzer in der Konsole mit den Pfeiltasten, dem Mausrad oder der Scrollleiste hoch, schaltet Eclipse automatisch den Scroll-Lock-Modus ein.

Abbildung 6: Das über Window | Perspective erreichbare Fenster Customize Perspective erlaubt unter anderem die Anpassung der sichtbaren Menüs und Symbolleisten.

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