Open Source im professionellen Einsatz
Linux-Magazin 08/2015
© pixinoo 123RF.

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LO-Viewer-App für Android

Frischluftbüro-Gehilfe

Der Libre Office Viewer für Android zeigt Office-Dokumente auf mobilen Geräten an und besitzt inzwischen auch einfache Bearbeitungsfunktionen. Ob die Smartphone- und Tablet-App als Assistent für die große Bürosuite auf dem Desktop taugt, zeigt dieser Kurztest.

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Ende Mai 2015 veröffentlichten die Libre-Office-Entwickler die erste stabile Version des Libre Office Viewer für Android bei Google Play [1]. Die freie und kostenlose App entstand in Zusammenarbeit mit den Unternehmen Collabora, Igalia und Smoose sowie einigen Google-Summer-of-Code-Studenten. Wer Android ohne Google betreibt, findet unter [2] ein APK.

Der Viewer nutzt die gleiche Engine wie die Desktopversionen von Libre Office. Das Frontend basiert auf Firefox für Android. Laut Release Notes zeigt die App die freien Formate ODT, ODS und ODP sowie die Microsoft-Formate Doc, Docx, XLS, XLSX, PPT und PPTX an. Eine experimentelle Editierfunktion stellt Werkzeuge für fetten und kursiven Schriftsatz sowie unter- und durchstreichen bereit.

Der Libre Office Viewer benötigt mindestens Android 4.0. Die Tester installierten die App auf einem Tablet (Tolino Tab 8.9 mit Android 4.2.2) und auf einem Smartphone (Galaxy Nexus, Android 4.3). Sie beauftragten den mobilen Büroassistenten, Writer-, Calc- und Impress-Dateien sowie MS-Word-, Excel- und Powerpoint-Dokumente zu öffnen, und versuchten auch, diese im Viewer zu bearbeiten (Tabelle 1). Eines sei gleich vorweggenommen: Mit einem Kennwort geschützte Dokumente öffnete die App grundsätzlich nicht – sie stürzte sogar reproduzierbar ab.

Tabelle 1

Features im Überblick

 

Anzeigen

Bearbeiten

 

ODT

ja

ja

Doc

ja

nein

Docx

(ja)

nein

 

ODS

nein

nein

XLS

(ja)

nein

XLSX

ja

nein

 

ODP

ja

ja

PPT

ja

nein

PPTX

(ja)

nein

Gelungener Auftakt?

Nach dem Start erscheint ein Dateimanager, der die Ordner des Geräts inklusive verborgener Verzeichnisse anzeigt. Die Icons wirken auf einem Tablet durchaus übersichtlich, auf einem kleinen Smartphone-Display allerdings zu üppig. Über die Menüs filtern Nutzer die Liste alphabetisch oder blenden nur bestimmte Dateitypen, die neuesten oder größten Files ein. Wer das Gerät an dieser Stelle dreht, darf sich direkt vom Viewer verabschieden. Das Ändern der Ausrichtung führte auf beiden Testgeräten wiederholt zum Absturz.

Nach dem Auswählen einer Datei braucht der Viewer je nach Speicherausstattung des Tablets oder Smartphones mehr oder weniger Zeit zum Öffnen. Dokumente mit Bildern, Diagrammen und mehreren Schrifttypen präsentieren sich oft pixelig, bis die App alles richtig gerendert hat. Über das Menü »Settings« schalten Anwender in den »Experimental Mode« , der Bearbeitungsfunktionen am oberen Rand einblendet.

Die Entwickler warnen sowohl in der App als auch in den Release Notes: »Use at your own risk« – ein berechtigter Hinweis, wie sich im Test herausstellen sollte. Wer den Modus ausprobiert, findet kleine Knöpfe, um Wörter fett und kursiv auszuzeichnen, um sie zu unterstreichen und durchzustreichen. Ein Icon mit einer Tastatur blendet das Keyboard am unteren Rand ein, sollte es nicht automatisch ausfahren.

Ganz präsentabel

Die ODT-Datei und das MS-Word-Dokument (Doc) sahen auf beiden Testgeräten recht überzeugend aus. Auch das Docx, das mehrere Spalten und Bilder enthielt, war zugänglich. Während die Desktopversion von Libre Office es nur sehr zerstückelt präsentierte, bekam der Viewer die Darstellung etwas besser hin – optimal war die Anzeige jedoch immer noch nicht, auch wenn immerhin der Inhalt lesbar war.

Das Umschalten in den Bearbeitungsmodus klappte manchmal, aber nicht immer. War dies gelungen, dauerte es eine Weile, bis der Fingertipp ins Dokument beim Viewer angekommen war. Beide Testgeräte verstanden schließlich den Wunsch, zeigten den Cursor an und klappten das Keyboard am unteren Rand aus (Abbildung 1).

Abbildung 1: Der experimentelle Bearbeitungsmodus funktioniert in Textdateien und in Impress-Präsentationen, verlangsamt die App allerdings spürbar.

Wörter oder Absätze markiert die App nicht. Um etwas zu formatieren, tippen Nutzer in ein Wort hinein und danach den entsprechenden Button an. Text ins Dokument einfügen dauert ebenfalls recht lange, sodass sich die Funktion derzeit nur eignet, um kurze Ergänzungen vorzunehmen. Längere Abschnitte tippen sich besser auf dem Desktop.

Enttäuschend endete der Versuch, eine einfache Calc-Tabelle mit einer simplen Summenformel zu betrachten. Ob mit oder ohne eingefügtem Diagramm – der Viewer verweigerte den Dienst. Eine Excel-Datei (XLS) schlug sich etwas besser, allerdings war die Spaltenbreite nicht optimal und das Kreisdiagramm machte ebenfalls keine gute Figur (Abbildung 2). Das Ändern einer XLS-Datei gelang auf keinem der Geräte.

Abbildung 2: Die XLS-Datei öffnete der Viewer zwar, dafür zerstückelte er das Kreisdiagramm und konnte die Spaltenbreite nicht richtig erkennen.

Eine positive Überraschung erlebten die Tester beim Öffnen einer XLSX-Datei. Diagramme stellte der Viewer richtig dar, auch die Spaltenbreite passte diesmal. Dafür waren die Umlaute kaputt. »Parts« aus dem Menü oben rechts oder eine Wischgeste vom linken Rand in Richtung Mitte blendet auf der linken Seite eine Leiste mit den Tabellenblättern ein.

Der Menü-Eintrag »Parts« steht auch bei Präsentationen zur Verfügung und ermöglicht das Zugreifen auf die Folien. Die Miniaturansicht auf der linken Seite überlebte das Drehen des Geräts allerdings nicht immer. Manchmal tauchten die Thumbnails nach mehreren Minuten wieder auf, manchmal nicht. ODP-Dateien schlugen sich im Test ganz gut, auch das Bearbeiten gelang – mit ausreichend Geduld.

Die Microsoft-Formate zeigte die App ebenfalls an. Die PPT-Datei stellte der Viewer sogar recht überzeugend dar, auch wenn die Animationen fehlten. Beim Navigieren durch die Folien über die Seitenleiste oder Wischen mit dem Finger erwies sich der Bürogehilfe sogar deutlich performanter als beim hauseigenen Dateiformat. Die PPTX-Datei brauchte ewig beim Öffnen und nervte wiederum mit defekten Umlauten.

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