Open Source im professionellen Einsatz
Linux-Magazin 07/2015
© Yuryy Bezrukov, 123RF

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Open Stack im Reality-Check

Auf dem Gipfel

Auf dem Höhepunkt des Hype versprechen die Anbieter von Open-Stack-Produkten potenziellen Kunden eine eierlegende Wollmilchsau – doch geliefert wird meist nur eine lahme Ente.

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Seit Jahren hat es nun schon den Anschein, als seien die Begriffe "Cloud Computing" und "Open Stack" so gut wie Synonyme. Während es früher durchaus noch andere Cloudprodukte wie Eucalyptus oder Cloudstack regelmäßig in die Berichterstattung schafften, scheint Open Stack inzwischen die öffentliche Aufmerksamkeit komplett für sich allein gepachtet zu haben. Kein Zweifel: Open Stack befindet sich aktuell auf dem Gipfel eines Hype.

Buchstäblich jede Firma, die etwas auf sich hält, hat Produkte mit Open-Stack-Bezug ins Programm genommen. Da ist es ganz gleich, ob der Storagehersteller mit der guten Anbindung seiner Geräte an die Speicherkomponente Cinder wirbt oder ob VMware erklärt, dass sich sein Vcenter nun auch problemlos als Hypervisor für Open Stack einsetzen lässt – der Tenor ist in allen Fällen der gleiche. Er lautet: Wir sind auch mit dabei! Open Stack ist toll! Für die großen Hersteller von Linux-Distributionen – allen voran Suse, Canonical und Red Hat – ist Open Stack mittlerweile von größter Bedeutung auch für den eigenen Erfolg.

Alle drei Unternehmen haben Produkte im Portfolio, die Admins eine fertige Open-Stack-Wolke in kurzer Zeit und ohne viel Aufwand versprechen. Liest man die Werbeanzeigen für Suse Cloud oder Red Hats Open-Stack-Enterprise-Produkt, entsteht immer der gleiche Eindruck: Nach der Installation legt sich der Admin ruhig in die Sonne und lässt Open Stack die Arbeit erledigen, die er sonst selbst tun müsste. Denn auf diese Art des Betriebs will Open Stack ausgelegt sein.

Der Praxis-Check

Dass mit der Werbung der Anbieter – zu denen mittlerweile auch HP und diverse andere Branchengrößen gehören (Abbildung 1) – irgendetwas nicht stimmen kann, merken Administratoren spätestens dann, wenn sie sich tatsächlich an ein Open-Stack-Setup wagen und damit beginnen, ihre eigenen Erfahrungen zu sammeln.

Abbildung 1: Praktisch kein namhaftes Unternehmen der IT-Szene ist aktuell nicht in Open Stack vertreten.

Bald stellt sich heraus, dass ein Open-Stack-Admin nicht der Raumfahrer ist, der aus seiner Kommandozentrale heraus die Geschicke des Setups leitet, sondern viel mehr der Feuerwehrmann, der die losen Enden seiner Wolke irgendwie zusammenzuhalten versucht. Anders als Open Stack selbst und die diversen Produktanbieter es vorgaukeln, ist das Produkt nämlich weder fertig noch aus der Dose für den Einsatz in jedem beliebigen Unternehmen geeignet. Die Gründe dafür sind vielfältig – einige Faktoren stechen jedoch heraus.

Automatisierung ist ein Muss

Einer der maßgeblichen Unterschiede zwischen konventionellen Setups und Cloudumgebungen ist der Umfang der Automatisierung. Bei klassischen Setups ist es noch die Aufgabe des Admin, auf Zuruf neue VMs anzulegen und sie so einzurichten, dass der Kunde sie nutzen kann. Dabei verbindet der Installateur eine größere Anzahl von Arbeitsschritten miteinander: Zuerst ist Storage zu kommissionieren und an eine virtuelle Maschine anzuhängen, sodass in dieser anschließend die Installation des Betriebssystems möglich ist.

Danach spielt auch das Netzwerk eine große Rolle: VMs brauchen selbstverständlich eine Anbindung an das Internet. Die ist in konventionellen Setups meist dadurch herzustellen, dass die VM ein virtuelles Netzwerkinterface bekommt, das an ein virtuelles LAN-Interface geklemmt ist.

In einer Cloud sollen all diese Arbeitsschritte automatisch ablaufen: Der Anbieter stellt die Infrastruktur zur Verfügung, also einen großen Haufen identischer Hardware. Die Cloudplattform übernimmt ihre Verwaltung: Das Netzwerk existiert bloß noch virtuell in Form eines Software-defined Networking. Die gesamte Kontrolle der Paketflüsse erfolgt also nicht mehr in der Switch-Hardware, sondern durch Software innerhalb der Installation. Ähnlich ist es in Sachen Storage: Statt eines zentralen Speichers in typischer SAN-Manier sorgt Software-defined Storage dafür, dass jedem Kunden jederzeit der Speicher zur Verfügung steht, den er braucht.

Dem Admin kommt im Anschluss an das erstmalige Setup eigentlich bloß noch die Aufgabe zu, ein Auge auf die Auslastung der Hardware zu haben und gegebenenfalls die Plattform zu erweitern. Doch keine Panik: Auch dafür bietet Open Stack schon eine Lösung, denn das nachträgliche Anbauen von Hardware ist angeblich kein Problem.

Ihre Erfüllung findet die Idee des Cloud Computing dann, wenn Kunden sich per Webinterface ihre virtuelle Rechenplattform selbst zusammenklicken und die vom Dienstleister aufgesetzte Umgebung sie problemlos betreiben kann.

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