Open Source im professionellen Einsatz
Linux-Magazin 07/2015
© Fotograf, 123RF.com

© Fotograf, 123RF.com

Notizen von der Open Source Data Center Conference 2015

Himmel und Ääd

Viele hippe, brandaktuelle Themen, aber nicht immer mit praktischem Mehrwert: Die Open Source Data Center Conference Ende April in Berlin hinterließ einen etwas zwiespältigen Eindruck.

540

"Wer hat schon mal was von Mesos gehört?" Ein paar Hände heben sich. "Wer benutzt es?" Keiner. Die meisten kennen zwar Open Stack, aber niemand verwendet es, erst recht nicht produktiv. Und selbst Docker ist kaum irgendwo im harten Praxiseinsatz.

In diesem Jahr schienen die Resultate solcher Ad-hoc-Umfragen symptomatisch für Wunsch und Wirklichkeit der Open Source Data Center Conference: Viel war von brandneuen Tools und neuen Konzepten wie Infrastructure as Code oder Microservices die Rede. Aber die meisten dieser Tools und Konzepte trafen sich offenbar auf dem ersten Gipfel des Gartnerschen Hypecycle, auf dem Höhepunkt der Erwartungen, auf den das Tal der Tränen und der Desillusionierung angesichts der Praxis erst noch folgen muss.

Nun ist es zweifellos gut, wenn eine Konferenz auch über den Tag hinausblickt. Gut ist sicher auch das Bestreben dieser Konferenz, mehr und mehr hochkarätige Referenten aus aller Welt zu verpflichten. Allerdings birgt das womöglich die Gefahr, dass die Sprecher seltener kritische Anwender und häufiger Promoter eigener Produkte sind.

Optimal wäre eine ausgewogene Balance zwischen Zukunftsthemen und solchen, die am nächsten Morgen im Alltagsleben praktisch weiterhelfen, sowie zwischen begeisterter Verkündung und kritischer Reflexion.

Bodenständig

Eher zu den bodenständigen Vorträgen zählte sicher David Nortons Präsentation von Influx DB, einer neuen, auf Time-Series-Werte spezialisierten Datenbank. Anders als viele Konkurrenten wurde Influx DB von Anfang an auf ihren speziellen Einsatzzweck hin optimiert: Sie ist ohne externe Abhängigkeiten in Minuten installierbar, verfügt über ein zweckmäßiges Datenmodell, das von vornherein mit Verfallszeiten rechnet, und kann intern bereits aggregieren.

Dateneingaben erfolgen im einfachen Json-Format, die Abfragesprache hat Anklänge an das vertraute SQL. Mit Grafana gibt es ein grafisches Dashboard. Das alles klang super. Doch hätte der Referent als Mitglied des Influx-DB-Teams dem Publikum die Schwächen der Software wohl nicht auf die Nase gebunden.

Auch die Kurzvorstellung von etwa 20 mehr oder weniger bekannten Kommandozeilentools für Performancemonitoring und Profiling unter Linux durch Georg Schönberger gehörte zur soliden Hausmannskost für Admins. Der Open-Stack-Vortrag von Kristian Köhntopp und Martin Loschwitz stand nicht nur ebenfalls auf dem Boden der Tatsachen, er war zudem unterhaltsam. Die Autoren verwiesen auf etliche, manchmal haarsträubende Schwachstellen der Cloudlösung, die erst am Anfang ihrer Entwicklung steht. Deutlich wurde, dass dutzendweise werbewirksame Bekenntnisse namhafter Hersteller zu Open Stack noch lange kein Beleg für ein ausgereiftes Produkt sind.

Hochfliegend

Wie lässt sich eine Welt managen, in der sich mehr und mehr Softwarefunktionen in Services verwandeln, die oft auf Container verteilt sind, die wiederum voneinander abhängen und automatisch erzeugt und gestartet werden? Etliche Vorträge diskutierten solche Szenarios. Kelsey Hightower, ein Core-OS-Produktmanager, sprach über Core OS und wie sich damit verteilte Systeme verwalten lassen.

Ein ähnliches Thema hatte Bernd Mathiske von Mesosphere, er stellte das eigene "Betriebssystem für Rechenzentren" Mesos vor. Timo Derstappen, Gründer einer Firma für Microservice Deployment, redete über Microservice Deployment. Naturgemäß kann es in allen diesen Fällen keine abwägende oder gar kritische Distanz zum Gegenstand der Präsentationen geben.

Die Konferenzorganisation funktionierte ausgezeichnet und der Social Event am Abend des ersten Tages erlaubte Fachgespräche in gemütlicher Atmosphäre.

Diesen Artikel als PDF kaufen

Express-Kauf als PDF

Umfang: 1 Heftseiten

Preis € 0,99
(inkl. 19% MwSt.)

Linux-Magazin kaufen

Einzelne Ausgabe
 
Abonnements
 
TABLET & SMARTPHONE APPS
Bald erhältlich
Get it on Google Play

Deutschland

Ähnliche Artikel

comments powered by Disqus

Stellenmarkt

Artikelserien und interessante Workshops aus dem Magazin können Sie hier als Bundle erwerben.