Open Source im professionellen Einsatz
Linux-Magazin 07/2015
Joshua Resnick, 123RF

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Githubs konfigurierbarer Editor

Hackerbraten

Githubs Editor Atom feierte kürzlich seinen ersten Geburtstag. Das Unternehmen bewirbt die extrem konfigurierbare freie Anwendung als Kompromiss zwischen Vi und Emacs auf der einen, Sublime und Textmate auf der anderen Seite. Auch im Rohzustand wirkt die Mischung schon vielversprechend.

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Als Github im Juni 2014 Atom [1] ankündigte, stöhnten viele Kommentatoren: Braucht die Welt wirklich noch einen Editor? Die Github-Macher jedenfalls sind davon überzeugt. Sublime Text [2] und Textmate [3] seien zwar komfortabel, aber zu wenig anpassbar. Emacs und Vi ließen sich hingegen extrem modifizieren, seien aber für Einsteiger eher wenig komfortabel.

Die Github-Macher wissen ziemlich genau, wie die Open-Source-Welt tickt, und machen bislang nicht viel falsch. Auch nicht bei Atom. Man glaubt, dass Projekte wie Vi und Emacs nur deshalb gut und dauerhaft funktionieren würden, weil sie einerseits offen sind und andererseits über eine große Community verfügen. Daher plant Github sich für den Editor, der unter einer MIT-Lizenz steht, langfristig zu engagieren.

Das schließt nicht aus, dass Github irgendwann eine Enterprise-Variante des Editors anbietet, doch für die aktuelle Version 1.0, die im Juni 2015 erscheinen soll, ist davon nicht die Rede.

Atommodell

Mit Atom sollen Entwickler plattformübergreifende Desktop- und Webapps entwickeln. Die Software bringt dafür Grammatiken für verschiedene Programmiersprachen mit, von Javascript über Perl und Python bis hin zu C, C++ oder Java. Letztlich ist Atom eine spezialisierte Variante des Browsers Chromium und die Fenster sind nichts anderes als lokal gerenderte Webseiten. Die in ihnen angezeigten Inhalte dürfen dabei auf das Node.js-API zugreifen.

Abbildung 1: Atom besteht aus mehreren flexibel verschiebbaren Bereichen, den so genannten Panes.

Atom besteht aus einem überschaubaren Kern (Atom Core), die meisten anderen Komponenten liegen hingegen als Atom-Pakete vor, die der Atom Package Manager (APM) verwaltet. Der Kern und die Pakete laufen in einer Umgebung namens Electron [4], die vormals Atom Shell hieß. Diese kümmert sich um automatische Updates, bringt einen Windows-Installer mit, fertigt Crashreports an und liefert Benachrichtigungen aus. Die Funktionen sind über Javascript-APIs erreichbar.

Der Einfachheit halber verwenden und empfehlen die Entwickler für die Arbeit mit Atom Coffeescript anstelle von Javascript sowie Less als Ersatz für CSS. Allerdings lässt sich der Editor auch mit Javascript und CSS erweitern.

Steuerpult

Nach der Installation (siehe Kasten "Atom installieren"), die etwas weniger aufwändig sein könnte, landet der Entwickler auf einer grafischen Oberfläche (Abbildung 1). Sie besteht aus verschiedenen Bereichen, als Panes bezeichnet, die er flexibel vergrößert und verkleinert, auf Wunsch auch neu anordnet. Die einzelne Datei, an der er arbeitet, heißt im Atom-Jargon Buffer.

Atom installieren

Die Installation erforderte unter Ubuntu 14.04 mit LXDE-Desktop ein wenig Aufwand, was vor allem an der für Atom benötigten Node.js-Umgebung liegt. Es gibt fertige Pakete, aber wer die Software selbst kompilieren möchte, muss zunächst die passenden Dateien installieren:

sudo apt-get install build-essential          git libgnome-keyring-dev fakeroot  gconf-service libnss3

Dann gilt es, die neueste Node.js-Version zu besorgen, die Nodesource.com [6] betreut:

curl -sL https://deb.nodesource.com/ setup | sudo bash -

Die Befehlsfolge holt im Wesentlichen ein Setup-Skript für die aktuelle Node-Version auf den Rechner und führt es mit Rootrechten aus. Vorsichtige Zeitgenossen setzen nach der Pipe ein »more« , um das Skript vor dem Ausführen zu betrachten. Das Kommando

sudo apt-get install -y nodejs

installiert – ist es ohne Ärger durchgelaufen – die neueste Variante des Framework.

Zeitigt der Befehl »which node« jedoch anschließend kein Ergebnis, liegt das wahrscheinlich daran, dass das Binary unter »/usr/bin/« »nodejs« heißt. Atom sucht aber nach »/usr/bin/node« . Der Befehl

sudo update-alternatives --install /usr/bin/node node /usr/bin/nodejs 10

korrigiert das. Die nächste Befehlsfolge klont das Atom-Repository auf Github und checkt dann – aus dem Verzeichnis »atom« heraus – die letzte Release von Atom aus.

git clone https://github.com/atom/atom
cd atom
git fetch -p
git checkout $(git describe --tags `git  rev-list --tags --max-count=1`)

Schließlich führt der Admin das Buildskript aus und startet dann den Javascript Task Runner Grunt [7], um die ausführbare »atom« -Datei und den Paketmanager »apm« nach »/usr/local/bin« zu installieren. Nebenbei: Mit Grunt lässt sich über »script/grunt mkdeb« auch ein Debian-Paket erzeugen.

Im linken Bereich befindet sich der Verzeichnisbaum für das aktuelle Projekt, in das große Feld in der Mitte gehört der Code. Über [F11] gelangt der Entwickler in den Vollbildmodus, die Einstellungen öffnet Atom als zusätzlichen Reiter, wenn sein Benutzer sie über [Strg]+[,] oder »Edit | Preferences« aufruft.

Weiß er mal nicht genau, was er tun soll, lässt sich der Anwender des Editors zunächst über [Strg]+[Shift]+[P] sämtliche verfügbaren Befehle anzeigen. Im Internet gibt es auch ein hilfreiches Flight Manual [5], das leider bislang nur auf Englisch vorliegt.

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