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Linux-Magazin 06/2015

Werkzeuge im Kurztest

Tooltipps

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Im Kurztest: Swapusage, Booket, SSH-Cron, Natlog, Checkstyle, Syspass

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Swapusage 7. April 2015

Swap-Verbrauch ermitteln

Quelle: https://github.com/hhoffstaette/swapusage

Lizenz: Apache License 2.0

Alternativen: Smem

Als Computer noch Arbeitsspeicher in ein- oder zweistelligen MByte-Größen enthielten, kam dem Swap-Speicher enorme Bedeutung zu. Moderne Rechner mit mehreren GByte RAM lagern im Tagesgeschäft immer seltener aus – es sei denn, Anwender arbeiten mit extrem großen Video-, Audio- oder Bildddateien. Wer sich dafür interessiert, welche Prozesse sich gerade im Swap-Bereich befinden, der kann zum Kommandozeilentool Swapusage greifen.

Zum Starten tippen Anwender den Befehl »swapusage« am Prompt. Das Tool geht den gesamten Prozessbaum durch, macht für jede PID den aktuellen Speicherverbrauch ausfindig und schreibt die Ergebnisse als sortierte Liste auf die Standardausgabe. Am Schluss folgt eine Zusammenfassung. Wer nur den Speicherverbrauch einer bestimmten Anwendung im Auge behalten möchte, ruft »swapusage« zusammen mit einer PID auf. Das Tool kann dabei immer nur eine PID gleichzeitig verarbeiten.

★★★★★

Mit Swapusage finden Benutzer schnell heraus, welche Prozesse sich gerade im Swap befinden und wie viel Speicher diese alle zusammen belegen. Wer mehrere Prozesse beobachten oder eine einzelne Anwendung in regelmäßigen Abständen überwachen möchte, muss in die Shell-Trickkiste greifen und das Tool mit anderen kombinieren.

Booket 5

Portable Lesezeichenverwaltung

Quelle: https://code.guido-berhoerster.org/projects/booket

Lizenz: MIT

Alternativen: Tagbook

Wer mit mehreren Webbrowsern und dazu noch auf zwei oder mehr Computern arbeitet, verwendet viel Mühe, um die Lesezeichen zwischen den Systemen abzugleichen. Booket will Anwendern die Arbeit erleichtern. Der portable Lesezeichenmanager läuft lokal in allen modernen Browsern (außer Internet Explorer) und setzt dazu auf HTML 5, Ecmascript 5.1, CSS 3 und SVG 1.1.

Nach dem Entpacken des Archivs öffnen Benutzer die Datei »booket.html« im Browser. Im oberen Bereich stehen Funktionen, um Lesezeichen zu laden und zu speichern, sie zu im- und exportieren, »Add« fügt ein neues hinzu. Neben der URL und dem Titel sind hier beliebig viele Tags erlaubt, die später zum Suchen und Filtern dienen.

Eine rote Benachrichtigung im Kopf der Seite erinnert daran, neue Lesezeichen sofort abzuspeichern. Alle geladenen Bookmarks erscheinen im unteren Bereich der Seite, wo auch die Suchfunktion platziert ist. Schlagwörter stellt Booket auf Wunsch als Tag-Cloud dar.

★★★★

Das recht junge Projekt kämpft derzeit noch mit einigen Kinderkrankheiten. Auf dem Testrechner klappte das Importieren von Firefox- und Seamonkey-Bookmarks nicht. Es ist ebenfalls etwas unglücklich, dass Anwender nach jedem Browserstart oder Neuladen der Seite die Lesezeichen neu einlesen müssen.

SSH-Cron 0.92.00

Cronjobs per SSH

Quelle: http://sourceforge.net/projects/sshcron

Lizenz: GPLv3

Alternativen: keine

Um Jobs regelmäßig auf entfernten Systemen auszuführen, greifen die meisten zu SSH und Cron und basteln sich ihre eigenen Skripte. In der Regel setzen sie dazu auf SSH-Schlüssel ohne Kennwort. Das Tool SSH-Cron will dieses potenzielle Sicherheitsrisiko beseitigen.

Es arbeitet als Dienst im Hintergrund und nimmt beim Aufruf ein Crontab-File mit SSH-Befehlen entgegen – andere Kommandos ignoriert das Tool. SSH-Cron startet seinen eigenen »ssh-agent« -Prozess und übergibt per »ssh-add« alle erforderlichen SSH-Schlüssel. Beim ersten Aufruf müssen Anwender die zugehörigen Passwörter eingeben; anschließend kümmert sich der Agent darum. Falls nicht anders angegeben, nutzt SSH-Cron immer den Standardschlüssel (»id_das« oder »id_rsa« ).

Verschiedene Aufrufparameter regeln das weitere Verhalten. So definieren Admins hinter »--agent=« beispielsweise ein alternatives SSH-Agent-Programm, und »--no-daemon« sorgt dafür, dass das Tool nicht als Daemon arbeitet. Weitere Optionen legen die Mailbenachrichtigung fest und bestimmen, wo die Logfiles landen (eigene Datei oder Syslog).

★★★★

SSH-Cron ist ein praktischer Helfer. Abzüge gibt es lediglich für die Manpage, die aussagekräftige Beispiele vermissen lässt. So bleiben oft nur Versuch und Irrtum.

Checkstyle 6.5

Java-Programmierstil prüfen

Quelle: http://checkstyle.sourceforge.net

Lizenz: LGPLv2

Alternativen: PMD, Findbugs

Ein guter Programmierstil verbessert die Qualität und Lesbarkeit von Software. Insbesondere bei größeren Projekten, wo viele Entwickler zusammenarbeiten, ist es sinnvoll, sich an bestimmte Richtlinien zu halten. Mit Checkstyle können Java-Programmierer ihren Code untersuchen und feststellen, ob sie sich an alle Gepflogenheiten gehalten haben.

Über 100 verschiedene Tests haben die Checkstyle-Macher ihrem Tool beigelegt. Anwender kombinieren diese in einer XML-basierten Konfiguration. Eine ausführliche Übersicht zu den Tests und deren Einstellungsmöglichkeiten bietet die Projektseite. Reichen die vorhandenen Checks nicht aus, können Anwender das Tool um eigene erweitern. Auch dazu finden sie eine Anleitung auf der Webseite. Konfigurationen für die Coding-Standards von Sun und Google sind bereits im ».jar« -Paket enthalten und stehen sofort zur Verfügung.

Das Ergebnis seiner Tests schreibt Checkstyle in der Voreinstellung auf die Standardausgabe. Alternativ besteht die Möglichkeit, die Resultate als XML-Datei zu speichern. Wer das Arbeiten mit dem Kommandozeilentool nicht komfortabel findet, kann von dem Inspektor dennoch profitieren. Für viele gängige Entwicklungsumgebungen und Texteditoren, darunter Eclipse, Netbeans, Blue J, Emacs, Jedit, Vim oder Maven, existieren Checkstyle-Plugins.

★★★★★

Mit Checkstyle überprüfen Entwickler ganz komfortabel, ob ihr Java-Code den gewünschten Stilanforderungen entspricht. Dank zahlreicher Plugins müssen sie dazu nicht auf die Shell, sondern integrieren das Tool in die bevorzugte Entwicklungsumgebung.

Natlog 1.02.00

Nat-Verbindungen erfassen

Quelle: http://natlog.sourceforge.net/

Lizenz: GPLv3

Alternativen: IPtables

In vielen Haushalten gehen über einen Internetanschluss gleich mehrere Computer, Tablets und Smartphones online. Dank eines Routers und der Network Address Translation ist das problemlos möglich. Wer wissen möchte, wann welches Gerät auf welche Adresse zugegriffen hat, kann das Logging der Firewall aktivieren oder Natlog einsetzen. Letzteres erleichtert das Zuordnen externer Verbindungen zu internen Rechnern, da seine Ausgaben verständlicher als gängige Firewall-Protokolle sind.

Natlog läuft in der Voreinstellung als Daemon im Hintergrund, das Tool analysiert den Datenverkehr ohne Hilfe der verwendeten Firewall. In der Voreinstellung reicht Natlog seine Ausgabe an den Syslog-Dienst weiter. Welche Informationen dort landen, definiert man beim Start über die Parameter »--syslog-facility« , »--syslog-priority« und »--syslog-tag« . Andere Optionen passen den Zeitstempel an und beschränken Natlog auf ein bestimmtes Protokoll.

Zum Optimieren und Testen eignen sich die Aufrufoptionen »--verbose« , »--nodaemon« und »--nosyslog« , die ausführliche Meldungen veranlassen, das Tool im Vordergrund halten und das Protokoll nach Standardout schreiben.

Alle Einstellungen können Nutzer in der Datei »/etc/natlog.conf« dauerhaft verankern. Wer IPtables einsetzt, kann auch zusammen mit Conntrack die Verbindungen beobachten. Die Natlog-Manpage zeigt beispielhaft, wie Benutzer über »--conntrack« das Netfilter-Tool und Natlog kombinieren.

★★★★

Natlog ist schnell und informativ. Die ausführliche Dokumentation zeigt auch Beispiele aus der Praxis.

Syspass 1.1.2.20

Webbasierter Passwortmanager

Quelle: http://www.syspass.org

Lizenz: GPLv3

Alternativen: PHP Password Manager, PHP Pass Safe

Der Webbasierte Passwortmanager Syspass setzt auf bidirektionale Verschlüsselung (AES 256), bietet eine ausgefeilte Benutzer- und Gruppenverwaltung, die Authentifizierung mittels LDAP oder Active Directory sowie ein in fünf Sprachen übersetztes Webinterface. Im Hintergrund verwaltet eine mit einem Masterpasswort abgesicherte Datenbank die Zugangsdaten. Der Passwortmanager benötigt einen Webserver (Apache oder Lighttpd) mit SSL-Unterstützung, eine Datenbank (Maria DB oder MySQL), PHP 5 sowie mehrere PHP-Module, welche das Wiki auflistet.

Nach dem Auspacken der Quellen öffnen Benutzer die Datei »index.php« im Browser, um die Einrichtung zu beenden. Nach dem Anmelden wenden sie sich der Einrichtung zu (Icon mit dem Schraubenschlüssel) und stellen die Sprache ein, aktivieren das Logging, schalten optional einen Debugging- oder Wartungsmodus ein oder schauen nach Updates. Hinter den kleinen Symbolen mit den Fragezeichen verbergen sich Tooltipps mit Erklärungen zur jeweiligen Funktion.

Über so genannte Profile in der Benutzer- und Gruppenverwaltung ist es möglich, den Zutritt zu verschiedenen Syspass-Bereichen gezielt zu regeln. Um ein Backup der Datenbank oder des Systems selbst anzulegen, besuchen Admins den Reiter »Sicherung« in der allgemeinen Konfiguration. Auf einem weiteren Tab ändern sie das Masterpasswort.

★★★★★

Nach kurzer Einarbeitungszeit gelingt die Orientierung im Webinterface gut. Leider ist das Konzept der Kunden und Kategorien nicht verständlich – eine Dokumentation, die es erläutert, fehlt ebenfalls.

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