Open Source im professionellen Einsatz
Linux-Magazin 06/2015
360

Die Axt im Walde bei Neutron

Mancher Cloud-Admin zuckt beim Wort Neutron zusammen. Kein Wunder, denn die Open-Stack-SDN-Komponente gilt als hyperkomplex und schwer beherrschbar. Als hätten die Entwickler die Kritik gehört, reagieren sie in Kilo und misten das riesige Projekt Neutron gehörig aus. Das bedeutet nicht, dass Funktionalität wegfällt. In Zukunft gibt es lediglich nicht mehr ein großes Neutron-Projekt, sondern mehrere kleine mit spezifischen Funktionen (etwa L2- oder L3-Netzwerkkonnektivität).

Die abgespaltenen Teile, etwa die LBaaS- oder VPNaaS-Plugins, sollen ebenfalls von diesem Schritt profitieren: Über definierte APIs werden sie künftig mit Neutron reden, statt direkt auf den Neutron-Code zuzugreifen. Eine eigene Neutron-Bibliothek mit geteilten Code-Elementen hilft dabei zusätzlich. Kilo ist ohnehin erst die erste Phase der Umstellung: Bis zur M-Version sollen die Änderungen weitergehen, wobei dann sogar jede Neutron-Zusatzkomponente ihr eigenes API haben soll.

Vorerst ins Wasser fällt dagegen Perestroika. Unter diesem Codenamen war für Kilo schon lange ein neues Plugin-Interface geplant, das SDN-Plugins wie Open Vswitch oder Open Contrail mehr Funktionalität bieten sollte. Ende Februar mussten die Entwickler den Plan jedoch verwerfen. Weil schon Arbeit investiert wurde, dürfte aber sicher sein, dass in der Open-Stack-Version Liberty Gorbatschow sein Denkmal bekommt.

Wer Open Stack mit Windows einsetzt, wird sich über den Neutron-OVS-Agent für Windows freuen, der Kilo ebenfalls beiliegt. Cloudbase hat mal wieder ganze Arbeit geleistet und nicht nur die Open-Vswitch-Portierung auf Windows erfolgreich gemanagt, sondern die Open-Stack-Integration gleich mitgeliefert.

Glance: Kleine Änderungen, große Wirkung

Für Glance haben sich die Kilo-Entwickler lediglich 21 Funktionen auf die To-do-Liste geschrieben – bei Neutron mehr als doppelt so viele, ebenso bei Nova. Im direkten Vergleich mit den anderen Komponenten ist das Leben in der Welt des Open-Stack-Imagedienstes also eher beschaulich. Im Grunde ist das aber nur folgerichtig: Glance unterstützt praktisch sämtliche Funktionen, die in einer Cloud relevant sind.

Als dringlichste Probleme für Kilo implementierten die Entwickler eine verbesserte Sortierreihenfolge samt Uservorgabe bei der Ausgabe aller Images in Glance sowie die Unterstützung für Versionsnummern nach Sem-Ver-Standard [3]. Performance-Verbesserungen etwa beim Ablegen von Images im Open-Stack-Objektspeicher Swift und weitere neue Performance-Tweaks runden die Glance-Änderungen ab.

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