Open Source im professionellen Einsatz
Linux-Magazin 06/2015
© lassedesignen, Fotolia

© lassedesignen, Fotolia

Klage gegen VMware wegen Verletzung der GPL

Umstrittener Code

Schon seit rund zehn Jahren besteht der Verdacht, dass das US-Unternehmen VMware GPL-lizenzierten Code in seinem ESX-System verwendet, ohne den Lizenzvorgaben zur Veröffentlichung zu entsprechen. Jetzt hat Kernelhacker Christoph Hellwig Klage gegen die börsennotierte Firma eingereicht.

409

Christoph Hellwig ist einer der 20 fleißigsten Beiträger zum Linux-Kernel, im Kernel 3.19 stecken 279653 Zeilen Code von ihm. Der Kernelhacker gilt aber auch als jemand, der Expertise bei Codereviews besitzt. Für den Linux-Kernel hat er das durch Betrachtung vieler Codebeigaben von Dritten unter Beweis gestellt.

Vorgeschichte

Als Maintainer des Linux-SCSI-Storage ließ Hellwig den VMware-Mitarbeiter Zachary Amsden schon 2006 relativ unverblümt auf der Kernel-Mailingliste wissen [1], dass er VMware beschuldigt, mit dem ESX-Server die Copyrights des Linux-Codes zu verletzen (Abbildung 1).

Abbildung 1: Christoph Hellwig ärgert sich über VMwares Supportwunsch.

Einige Jahre lang dauern inzwischen auch die Versuche, eine gütliche Einigung zu erzielen.

Die Verhandlungen mit VMware begannen kurioserweise wegen eines anderen GPL-Violation-Reports, der im Jahr 2011 bei der Non-Profit-Organisation Software Freedom Conservancy (SFC, [2]) eintraf. Es ging dabei um die Busybox für die ESXi-Produkte von VMware. Im Zuge dieser Verhandlungen entdeckte die SFC nach eigener Darstellung, dass es einen weiteren Verstoß geben könnte, der Hellwigs Copyrights betrifft.

Christoph Hellwig sagt gegenüber dem Linux-Magazin, dass er, nachdem die SFC ihm mitgeteilt habe, dass in neueren VMware-Versionen seine Urheberrechte verletzt sein könnten, damit begonnen habe, diesen Fall vorzubereiten.

Nach Angaben der SFC sind die Versuche, die Angelegenheit gütlich beizulegen, gescheitert. Auch Christoph Hellwigs Bestrebungen hätten zu keiner Einigung geführt. Es habe zuletzt Ende 2014 einen Vorschlag für eine Einigung seitens VMware gegeben, lässt die SFC wissen. Um dieses Angebot einsehen zu können, hätte Hellwig aber ein so genanntes Non Disclosure Agreement unterschreiben müssen, eine Stillschweigevereinbarung, was er abgelehnt habe. Einige Monate später reichte Hellwig Klage ein. Vertreten wird er durch den in GPL-Fragen erfahrenen Anwalt Till Jaeger. Jaeger hatte bereits Harald Welte bei seinem Prozess gegen Skype beigestanden.

Institutionelle Hilfe

Unterstützt wird Hellwig bei seiner Klage finanziell von der SFC. Die Conservancy und Hellwig schlossen für den Prozess ein Abkommen, das die Finanzierung des Verfahrens in Hamburg sichert. Die Unterstützung reicht nach Angaben der Conservancy bis zum Abschluss des Verfahrens. Die Mittel stammen aus einem Spendenaufruf [2], der innerhalb eines Monats rund 100000 US-Dollar eingebracht und damit das Ziel von 50000 weit übertroffen hat.

Die Vereinigung betreibt auch ein Projekt namens GPL Compliance Project for Linux Developers [3], das sich mit einschlägigen juristischen Fragen beschäftigt. Hellwig ist Mitglied dieses Projekts. Weitere Organisationen und Projekte versicherten ihre Unterstützung, ohne jedoch direkt involviert zu sein, darunter die Free Software Foundation, die Gnome Foundation, das Samba-Team und die Open Source Initiative.

Diesen Artikel als PDF kaufen

Express-Kauf als PDF

Umfang: 2 Heftseiten

Preis € 0,99
(inkl. 19% MwSt.)

Linux-Magazin kaufen

Einzelne Ausgabe
 
Abonnements
 
TABLET & SMARTPHONE APPS
Bald erhältlich
Get it on Google Play

Deutschland

Ähnliche Artikel

comments powered by Disqus

Stellenmarkt

Artikelserien und interessante Workshops aus dem Magazin können Sie hier als Bundle erwerben.