Open Source im professionellen Einsatz
Linux-Magazin 05/2015
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In der Web-IDE von Firefox testet der Entwickler abschließend die Praxistauglichkeit der App. Sie bietet eine komplette Entwicklungsumgebung für Firefox-OS-Apps und überspielt die Apps zum Testen und Debuggen auf ein per USB verbundenes Firefox Phone oder in einen Firefox-OS-Simulator. Die elegante IDE ersetzt den hausbackenen App-Manager, braucht aber noch Feintuning. Der systemeigene Editor kann Geany noch nicht das Wasser reichen.

Die Web-IDE ist in neuen Versionen von Firefox bereits enthalten und lässt sich zum Beispiel über »Extras | Web-Entwickler« aufrufen. Der Rechner muss vor dem Start mit dem Internet verbunden sein. Abbildung 3 zeigt die Web-IDE unter Firefox 35.1 auf Ubuntu 12.04. Die Beispiel-App ist bereits über »Projects | Open Packed App« in die IDE geladen, im linken Bereich erscheint dann die Verzeichnisstruktur aus Listing 3. Sie ist interaktiv und hilft dem Entwickler dabei, Dateien und Verzeichnisse auszuwählen und zu bearbeiten.

Abbildung 3: Die Web-IDE von Firefox mit dem geöffneten Projekt Firemerl.

Die Angaben zur Beispiel-App rechts daneben liest die Web-IDE aus dem Manifest (Listing 4). Das grüne Feld mit der Aufschrift »valid« links oben und am rechten Bildrand signalisiert die Gültigkeit des Manifests.

Wer gerade kein Firefox Phone oder anderes Firefox-OS-Gerät zur Hand hat, testet die Praxistauglichkeit seiner App mit Hilfe des Simulators, der sich unter anderem auf der Heft-DVD befindet. Ihn installiert der Entwickler aus der Web-IDE heraus als Firefox-Plugin nach, indem er »Select Runtime | Install Simulator« auswählt und so in die Plugin-Verwaltung gelangt. Hier installiert er per Knopfdruck die gewünschte Version des Simulators (Abbildung 4).

Abbildung 4: Installation des Firefox-OS-1.4-Simulators unter der Web-IDE.

Nach der Installation startet er den Simulator über »Select Runtime« im Hauptfenster der Web-IDE. Will der nicht, helfen eventuell die Workarounds im Kasten "Troubleshooting". War der Start erfolgreich, zeigt der Simulator die Desktopansicht von Firefox OS (Abbildung 5).

Troubleshooting

Damit der Einsatz des Simulators nicht am X-Server scheitert, startet Firefox über die Befehlsfolge »xhost + && firefox« aus der Shell. Dank »xhost +« dürfen unmittelbar vor dem Start von Firefox auch alle nicht autorisierten Fenster den X-Server benutzen.

Unter Virtualbox kann der Einsatz des Simulators an dem Modul »vboxvideo« scheitern. Es lässt sich aber vorübergehend ruhigstellen, indem der Admin die Gasterweiterungen deinstalliert oder die Datei »vboxvideo.ko« temporär umbenennt, um dann Ubuntu neu zu starten. Das Umbenennen erledigt, abhängig von der Kernelversion, der Befehl »sudo mv /lib/modules/Kernelversion/misc/vboxvideo.ko /lib/modules/Kernelversion/misc/vboxvideo.ko.renamed« .

Abbildung 5: Die Beispiel-App im etwas älteren Firefox-OS-1.3-Simulator.

Im nächsten Schritt installiert und startet der Entwickler die zuvor ausgewählte App durch Klick auf den triangelförmigen Play-Knopf im Hauptfenster der Web-IDE. Abbildung 6 zeigt die App Firemerl im Simulator. Mit ein paar Klicks überzeugt sich der Entwickler vom fehlerfreien Betrieb seiner App und bessert eventuell nach.

Im Test klangen die ausgegebenen Töne unterschiedlich laut. Die Lautstärke nahm mit der Tonhöhe rapide ab, das tiefe E war nur schwer hörbar, was der Entwickler korrigierte, um die App erneut in den Simulator zu schicken. Übrigens: In derselben Leiste der Web-IDE startet der Knopf ganz rechts ein Analysewerkzeug, mit dessen Hilfe ein Tester die App zur Laufzeit untersucht.

Die Lücke schließen

Nach dem erfolgreichen Praxistest gilt es nun, die fertige Beispiel-App im Internet zu verteilen. Der Shellbefehl »cd src && zip -r package.zip ./« erstellt ein Zip-Archiv der App. Anschließend kann der Entwickler sie über den App-Store von Firefox OS [6] oder über die eigene Webseite [7] verbreiten. Wenn die App auch unter Chromium OS laufen soll, muss er eigentlich nur das Manifest austauschen [8].

Generell bieten alle mobilen Plattformen einen HTML-5-fähigen Browser an, insofern ist die Beispiel-App universell verwendbar. Wer Firemerl als native App unter Android, I-OS oder Ubuntu einsetzen möchte, dem hilft eine Vielzahl von Tools. So bietet der App-Store von Firefox an, die App mit Hilfe des Dienstes APK Factory Service [9], der sich auch auf der Heft-DVD befindet, in eine Android-App zu verwandeln.

Einen universelleren Ansatz bietet das Open-Source-Framework Apache Cordova [10], das weitgehend kompatibel mit Adobes Phone Gap ist. Das Framework unter Apache-Lizenz bietet eine einheitliche Kommandozeilen-Schnittstelle, um HTML-5-basierte, native Apps für eine Vielzahl mobiler Plattformen zu erzeugen, darunter Amazon Fire OS, Android, Blackberry 10, Firefox OS, I-OS, Ubuntu, Windows Phone 8, Windows und Tizen. Jedoch muss ein Entwickler zuvor jeweils die Entwicklungsumgebung des Herstellers installieren. Einschränkend kommt hinzu, dass beispielsweise Ubuntu 12.04 keine Apps für I-OS generieren kann. Im Netz stoßen Interessierte auf weitere IDEs, die zum größten Teil aber einen kommerziellem Hintergrund haben.

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