Open Source im professionellen Einsatz
Linux-Magazin 05/2015
© Pim Leijen, 123RF

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Alcatel Onetouch Fire E mit Firefox OS im Test

Reinekes karges Reich

Bei den Browsern führt Firefox in Deutschland die Hitliste souverän an, und weltweit behauptet er einen klaren zweiten Platz hinter dem Internet Explorer. Seit 2012 gibt es den Ableger Firefox OS als alternatives Betriebssystem für Handys – räubert es wieder erfolgreich einen Markt?

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Zunächst scheint das Konzept von Firefox OS durchaus schlüssig: Native Apps im engeren Sinn gibt es nicht, dafür Webapps auf der Basis von HTML 5, CSS und Javascript. Falls die einfacher zu programmieren oder von bestehenden Webseiten abzuleiten wären, könnte das ja theoretisch zu einer großen Menge an Anwendungen für Firefox OS führen.

Mangelware

Praktisch ist das Gegenteil der Fall. Während es für Android weit über eine Million Apps gibt, kennt der Marketplace von Firefox OS in der getesteten Version 1.0.1 (Abbildung 1) vielleicht 50. Da gibt es keine Vergleichsgrundlage mehr. Pro Kategorie taucht im Schnitt eine knappe Handvoll Apps auf, und zwangsläufig müssen die meisten Anwendungen fehlen, die auf anderen Smartphones beliebt sind.

Abbildung 1: Das Alcatel Onetouch Fire E unter Firefox OS, das die Redaktion getestet hat.

Die Grundfunktionen sind natürlich abgedeckt: Der Benutzer kann telefonieren und mailen und hat auch einen Instant Messenger, er kann Bilder knipsen (3,15 Megapixel) und Musik hören (MP3, AAC+, OGG), ein Video schauen, im Netz browsen, ein einfaches Spiel spielen oder ein Onlinemagazin lesen, sogar Office Dokumente lassen sich öffnen. Es gibt einen GPS-Empfänger und Karten. Wifi ist an Bord (Wifi 802.11 b/g/n) und Bluetooth 3.0. Wem das reicht, der wird gut und günstig bedient. Wer mehr will, muss enttäuscht sein.

Es lassen sich an dieser Stelle nicht Tausende Verwendungsmöglichkeiten eines Smartphones erschöpfend aufzählen, aber ein paar Beispiele illustrieren die beliebtesten: Wer zum Beispiel mit seinem Smartphone trainiert und eine der zahlreichen Fitness-Apps nutzt, wer Onlinebanking über eine App seiner Bank betreiben oder auch nur seine Ausgaben protokollieren will, wer Internetradio hören oder eine kleine Datenbank einrichten will, wer skypen möchte oder sich an komplexen und bekannten Spielen freut, der findet nichts. Wer einen QR- oder Barcode-Scanner sucht, wer als Hobbyastronom gerne mal eine Sternenkarte konsultiert, wer auf dem Handy Kindle-Bücher liest oder sich von einer Musikerkennungs-Software Interpret und Titel eines gerade laufen Stücks soufflieren lassen will, der kann das nicht.

Wer oft eine Fahrplanauskunft braucht oder sich über die Abfahrtszeiten des örtlichen Nahverkehrs informieren will, wem es Spaß macht, Apps von Datingseiten auszuprobieren, wer das Smartphone als Fernbedienung oder zur Steuerung von Haushaltsgeräten zu nutzen plant, wer damit live fernsieht – der schaut in die Röhre. Es fehlen zahllose Tools, kosmetische wie alternative Launcher ebenso wie funktionale, etwa Dateimanager, Virenscanner, Passwortspeicher sowie ein Backup.

Ein paar der aufgezählten Funktionen bekommt der Handybesitzer sicher dennoch realisiert, wenn er gewöhnliche oder auf Mobilgeräte zugeschnittene Webseiten mit den fraglichen Angeboten aufruft. Also zum Beispiel [www.bahn.de] anstelle der App DB-Navigator. Das geht natürlich – nächster Pferdefuß – nur mit einer funktionierenden Netzwerkverbindung. Und wirklich gleichwertig ist es auch nicht, einen Verspätungsalarm hat beispielsweise nur die App, aber nicht die Webseite.

Einstellungssache

Wie flexibel ein System ist, lässt sich oft an den Einstellmöglichkeiten ablesen. Auch dabei wirkt ein Blick auf Firefox OS eher ernüchternd: Schon die Anzahl der Menüs und Unterpunkte im Settings-Dialog wirkt nicht gerade ausufernd (Abbildung 2). Beim Thema drahtlose Netze etwa kann man im Wesentlichen zwischen Wifi an und aus wählen. Es fehlen essentielle Optionen wie Tethering oder Mobiler Hotspot oder VPN.

Abbildung 2: Der Settings-Dialog präsentiert sich übersichtlich. Wichtige Optionen fehlen allerdings.

Firefox OS kann Anrufe automatisch umleiten, aber nicht ablehnen und die Entscheidung auch nicht mit einer Nachricht an den Kontaktsuchenden verbinden. Es gibt keine Konfigurationsmöglichkeiten für Video-Anrufe (schließlich gab es bei dem Testgerät auch keine Frontkamera) und keine für die Synchronisation der Benutzerkonten verschiedener Applikationen.

Swype als Eingabemethode gibt es nicht und auch kein Wischmuster für den Entsperrbildschirm. Als Sprachen stehen nur Englisch, Spanisch und Portugiesisch zur Verfügung. Besondere Klingeltöne für einzelne Kontakte gibt es nicht. Die Kontakte lassen sich im Übrigen auch nicht gruppieren und nicht mit einem Adressbuch im Netz synchronisieren. Die Aufzählung ließe sich fortsetzen.

Gut gefallen dagegen zwei Optionen, die es umgekehrt bei Android nicht gibt: Zum einen kann man »Do not track« ankreuzen und damit das Telefon anweisen, jeder App, jeder Webseite und jedem Provider mitzuteilen, dass der Nutzer die Aufzeichnung des eigenen Verhaltens nicht wünscht. Zum anderen existiert ein Punkt »Permissions« , um an zentraler Stelle für jede installierte App die Berechtigungen zu justieren, wenn auch nur grob.

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