Open Source im professionellen Einsatz
Linux-Magazin 04/2015
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Schmerzfreie Installationen

Abgesehen von den bei Suse nötigen Netzwerk-Überlegungen und der Tatsache, dass der grüne Stapel mehr als einen Rechner erwartet, läuft die Installation von Suse Cloud schmerzfrei ab. Nur mit laufenden Barclamps gibt es Probleme, wer aber die Verwaltung seiner Server auch über Crowbar erledigt, hat neue Chancen für Synergieeffekte.

Suse Cloud basiert auf der Open-Stack-Release Icehouse und verzichtet so auf aktuellere Features etwa von Juno. Weil es in fast allen größeren IT-Landschaften bereits eine Hypervisor-Infrastruktur oder zumindest eine entsprechende Strategie gibt, passt sich das Chamäleon hier gut ein: KVM, VMware, Hyper-V und Xen unterstützt Suse out of the Box. Während LBaaS (Load Balancing as a Service) und FWaaS (Fire Wall as a Service) aktiviert und unterstützt sind, ist Trove (DBaaS, Database as a Service) nur als Technologie-Vorschau enthalten.

Voll unterstützt wird nun auch Ceph (Firefly), der Anwender kann während der Installation der grünen Cloud gleich einen Ceph-Verbund aufsetzen. Die entsprechenden Crowbar-Barclamps sind vorhanden und entsprechend dokumentiert. Natürlich funktioniert auch die Integration einer vorhandenen Installation. Auffällig: In der Standardkonfiguration von Suse Cloud sind nicht alle Komponenten-APIs in der höchstmöglichen Version freigeschaltet, beispielsweise Nova und Cinder.

Open Stack aus dem Hause Red Hat basiert ebenfalls auf Icehouse. Anders als bei Suse ist Trove voll unterstützt. Als Technologie-Vorschau liegt Sahara (Big Data mit Hadoop) bereits bei. Auf der Hypervisor-Seite ist die rote Variante etwas schmaler aufgestellt. Hier kann der Anwender nur zwischen KVM und VMware wählen. Bei Ersterem spielt es eine Rolle, welche RHEL-Version auf dem Host läuft. In der aktuellen Version 7 sind die Betriebssysteme von Microsoft nicht zertifiziert.

Auf der Storage-Seite ist die Unterstützung von Gluster natürlich keine große Überraschung, die kommerzielle Variante erwartet gar den Red Hat Storage Server [11], auch die Integration von Inktank Ceph Enterprise (ICE, [12]) ist nur die logische Konsequenz der Übernahme von Inktank durch den Distributor. Wie Suse hat auch Red Hat die APIs für Nova und Cinder nicht in der höchstmöglichen Version aktiviert.

Erster: Ubuntu!

So unwahrscheinlich das heute scheinen mag: Canonical war der erste große Distributor bei Open Stack. Das geschah ganz und gar nicht zufällig, sondern auf Anordnung von ganz oben: Mark Shuttleworth selbst beschloss, dass sich Ubuntu ab sofort Open Stack verschreiben würde, und zwar schon Anfang 2012. Mancher Beobachter zeigte sich damals sehr verwundert. Denn bis zu Shuttleworths plötzlichem Sinneswandel war das zwischenzeitlich von HP aufgekaufte Eucalyptus in Sachen Cloud Computing bei Ubuntu gesetzt. Ab Version 12.04 lieferte Ubuntu nicht nur Open Stack Essex aus, sondern bot auch kommerziellen Support für Open Stack im Rahmen des Distributionssupports an.

Canonical und Ubuntu haben unter diesem Schritt freilich gelitten, denn Open Stack war 2012 weit von der Qualität entfernt, die die Plattform heute bietet. Aus Shuttleworths Sicht hat sich der Schritt trotzdem gelohnt: Das Kalkül, Open Stack langfristig an Canonical und Ubuntu zu binden, ist mehr als aufgegangen. Kaum eine Anleitung zu Open Stack im Netz setzt auf andere Distributionskombinationen als auf die jeweils neuesten Ubuntu-Variante (Abbildung 5), für die Canonical selbst Open-Stack-Pakete bietet.

Abbildung 5: Das Open Stack von Ubuntu ist im besten Sinne originär, es orientiert sich eng an dem, was Open Stack selbst liefert.

Bis heute nutzt Open Stack für sein Bugtracking Launchpad, bekanntlich ein Canonical-Produkt, bis heute ist Ubuntu auch die Distribution, für die wenige Stunden nach der Release einer neuen Open-Stack-Version bereits Pakete bereitstehen. Das bringt zwangsläufig mit sich, dass die Kombination aus Ubuntu und Open Stack für Admins auch die größte Flexibilität beinhaltet.

Das drückt sich schon in den Möglichkeiten aus, die sich Admins für den Betrieb von Open Stack auf Ubuntu bieten. Einerseits bietet Canonical von Anfang an Open-Stack-Pakete für die aktuelle wie auch für die letzte unterstützte LTS-Version an. Für Ubuntu 12.04 wie für 14.04 stehen also jeweils Pakete der aktuellen Open-Stack-Version bereit. Ubuntu hat für diese Pakete Mitglieder im Server-Team abgestellt, die sich nur um die Open-Stack-Integration kümmern. Die Website des Server-Teams liefert die Information, welche Open-Stack-Version für Ubuntu noch unterstützt ist.

Doch wäre Canonical nicht Canonical, gäbe es nicht auch Ubuntu Cloud. Im Grunde hat Ubuntu Cloud dabei nichts anderes als die jeweils letzte LTS-Ausgabe als Grundlage, die über Zusatzkomponenten die Installation und Benutzung von Open Stack möglich macht. Der große Unterschied zur Selbstbauvariante ist hier tatsächlich nur, dass Ubuntu die Integration mitliefert, um die ein Admin sich andernfalls selber kümmern müsste. Eine fertige Integration dieser Art birgt freilich Vor- wie Nachteile, der Test wird das später im Detail beweisen.

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